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Dienstag, 29.08.2017

Der letzte Akt zum Glockenklang

Endlich ist das neue Geläut für die Kirche in Briesnitz angekommen. Beim Einbau gab es eine kleine Panne.

Von Annechristin Bonß

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Am Sonntag haben Hunderte Anwohner auf der Merbitzer Straße das dreiteilige Bronzegeläut zur Kirche begleitet. Dort wurden die Glocken präsentiert.
Am Sonntag haben Hunderte Anwohner auf der Merbitzer Straße das dreiteilige Bronzegeläut zur Kirche begleitet. Dort wurden die Glocken präsentiert.

© René Meinig

  • Am Sonntag haben Hunderte Anwohner auf der Merbitzer Straße das dreiteilige Bronzegeläut zur Kirche begleitet. Dort wurden die Glocken präsentiert.
    Am Sonntag haben Hunderte Anwohner auf der Merbitzer Straße das dreiteilige Bronzegeläut zur Kirche begleitet. Dort wurden die Glocken präsentiert.
  • Die Briesnitzer Kirche auf der Merbitzer Straße bekommt drei neue Glocken.
    Die Briesnitzer Kirche auf der Merbitzer Straße bekommt drei neue Glocken.
  • Die Verzierungen in der Bronze waren beliebtes Fotomotiv.
    Die Verzierungen in der Bronze waren beliebtes Fotomotiv.

Beim letzten Akt läuft doch noch etwas schief. Montagmorgen, 8 Uhr, Dutzende Briesnitzer sind zur Kirche gekommen. Nun suchen sie den Himmel nach dem Kran ab, der eigentlich am Turm stehen und die neuen Bronzeglocken nach oben hieven soll. Doch vom Kran ist nichts zu sehen. Er kommt erst mit drei Stunden Verspätung. Erst einmal müssen hoch oben im Turm die Vorbereitungen getroffen werden. Ein Missverständnis führt zu der Verzögerung im Zeitplan.

Auch Christian Winkler ist früh aufgestanden. Eigentlich hat er heute Hochzeitstag. Doch statt beim Frühstück mit seiner Frau zu sitzen, steht er in Arbeitshosen neben den drei Bronzeglocken. Die sind vor der Kirchentür aufgereiht. Winkler ist Mitglied im Förderverein der Kirche. Lange haben er und die Mitglieder, genau wie die gesamte Kirchgemeinde, auf diesen Moment gewartet. Nun aber muss er erklären, vertrösten, auf später verweisen. Er nimmt es locker. „So etwas passiert eben“, sagt er. Zwei Kindergruppen nutzen die Verzögerung. Aufgeregt klopfen sie auf die Glocken, entlocken denen so einen schwachen Klang und streichen über das glatte Metall.

Am Vortag ist alles glattgelaufen. 800 Anwohner haben die Glocken am oberen Ende der Merbitzer Straße in Empfang genommen und dann auf ihrem Weg zur Kirche begleitet. Das neue Geläut – mit Blumen und Ranken geschmückt – thronte auf dem Hänger eines Traktors. Es sollte die letzte Fahrt der Glocken sein, bis sie ihren letztendlichen Platz im Kirchturm finden. Mit so vielen schaulustigen Glockenfans haben die Organisatoren nicht gerechnet. Beim Gottesdienst für die Glocken war die Kirche genauso voll wie sonst nur zu Weihnachten. 200 Menschen mussten vor der Kirche auf dem Platz im Freien sitzen. Schnell waren danach die 250 Bratwürste und 100 Fischbrötchen alle. Der ansässige Bauer lieferte noch einmal 80 Würstchen. Auch die haben nicht lange gereicht. Genau wie die über 20 Kuchen.

Das Glocken-Projekt ist vielen Briesnitzern und Menschen im Dresdner Westen ans Herz gewachsen. Jahrelang haben sie Spenden gesammelt. 220 000 Euro kosten Produktion und Einbau der drei neuen Glocken. Das alte Geläut aus Stahl ist verschlissen. Es wurde im Ersten Weltkrieg montiert, weil die Bronze der historischen Briesnitzer Glocken aus dem 17. Jahrhundert für den Krieg benötigt wurde. Das war genau vor 100 Jahren. Während Bronzeglocken mehrere Jahrhunderte lang läuten können, müssen die aus Stahl mitunter nach nicht einmal 100 Jahren ausgetauscht werden. Viele Kirchgemeinden in Sachsen und Deutschland kennen dieses Schicksal. Denn oft dauert es lange, bis das Geld für die neuen Glocken zusammen ist.

Im Fall der Briesnitzer ist dies nun fast geschafft. Noch immer fehlt ein kleiner Teil der Investitionssumme. Die Arbeiten haben trotzdem begonnen. Im Frühjahr wurden die Glocken in der Gießerei Lauchhammer gefertigt. Der Raum für die Glocken im Kirchturm hat einen neuen Boden aus Eichenholz bekommen. In Eigenregie haben Mitglieder der Gemeinde die Wände gestrichen. Nach historischem Vorbild kam dabei Naturkalk an die Wand. Nun müssen die Zimmerer den Glockenstuhl aus Eichenholz bauen.

Mit Flaschenzug werden die drei Bronzeglocken in die richtige Position gehoben und am Joch montiert. Dafür sind Glockentechniker vor Ort. Sie bauen auch die Technik ein. Ein elektromagnetischer Antrieb bringt die Glocken später zum Klingen. Und dann muss noch das Loch im Kirchturm wieder geschlossen werden. Ohne diese Öffnung wäre das Geläut gar nicht an seinen neuen Platz gekommen.

Am Ende hat am Montagmittag doch noch alles geklappt. Kurz vor 12 Uhr haben die Arbeiter begonnen, die Glocken hochzuziehen. Eine Stunde dauerte das Spektakel. Dieses Mal ohne Vorkommnisse. Am 31. Oktober soll das neue Geläut erstmals klingen. Die Briesnitzer haben dafür extra das Fest zum 500. Jubiläum der Reformation gewählt. Ein großer Festtag soll es werden. Einer, an dem das Glocken-Projekt endlich abgeschlossen ist, an dem wieder viele Hundert Menschen den Erfolg feiern wollen. Ein Festtag, an dem hoffentlich nichts schief läuft.

www.verein-kdb.de

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