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Donnerstag, 18.01.2018

Der Lehrer, der nie einer sein wollte

Seit 15 Jahren erklärt Willi Weitzel im Fernsehen Kindern die Welt. Nun kommt er als reisender Reporter nach Dresden.

Willi wills immer noch wissen: In den Dürregebieten Ostafrikas schaut sich Willi Weitzel an, welche Folgen der Klimawandel bereits für den Menschen hat.
Willi wills immer noch wissen: In den Dürregebieten Ostafrikas schaut sich Willi Weitzel an, welche Folgen der Klimawandel bereits für den Menschen hat.

© Welterforscher

Herr Weitzel, neulich sah man Sie bei „Willi wills wissen“ als Obdachloser auf der Straße. Sie wurden nachts ganz real überfallen und am Kopf verletzt. Ist das denn Kinderfernsehen?

Das war wirklich kein Spaß, sondern ein schreckliches Erlebnis. Ich habe heute noch eine Narbe an der Stirn. Ich bin aber der Meinung, dass Kinderfernsehen nicht zwangsläufig ein Heile-Welt-Programm sein muss. Das habe ich in den acht Jahren bei „Willi wills wissen“ gelernt, in denen wir uns auch mal mit Themen wie Obdachlosigkeit, Tod oder Behinderung beschäftigt haben. Mein Ziel ist es, den Kindern dadurch auch den Ernst des Lebens in einer gesunden Dosis zu vermitteln.

Wie können Kinder denn Zugang zu solchen Themen bekommen?

Ich erkläre das kaum anders, als ich es Erwachsenen erzählen würde. Nur knüpfe ich bei Kindern an Dingen an, die sie selbst aus ihrem Leben kennen. Ich reiche ihnen die Hand, sage „Vertraue mir“, nehme sie mit auf einen Weg, um neues Land zu entdecken. Bei meinem Vortrag „Willis wilde Wege“ nähere ich mich auf diese Weise zum Beispiel dem Thema Klimawandel.

Selbst für Erwachsene ein sehr abstraktes Thema.

Genau. Jeder denkt sofort an schmelzende Eisberge und steigende Meeresspiegel, kann sich aber nicht vorstellen, was das für ihn selbst bedeuten könnte. Deswegen fliege ich dort hin, wo der Klimawandel schon zu spüren ist. In ein Dürregebiet in Ostafrika, wo die Kinder nichts zu trinken haben.

Muten Sie den Kindern damit nicht zu viel zu?

Man könnte diese Geschichten natürlich noch weitaus brutaler erzählen. Ich folge dem Motto: Kinder sollen gefördert und gefordert werden, aber nicht überfordert. Inzwischen habe ich das Gefühl dafür, zu wissen, wie weit ich die Kinder mitnehmen kann und wo die Grenze ist, bei der sie abschalten. In Afrika besuche ich beispielsweise ein Klassenzimmer, in dem 40 Grad herrschen. Hierzulande hätte man da schon längst hitzefrei. Das ist einer dieser wichtigen Anknüpfungspunkte.

Sie haben selbst mal Lehramt studiert. Wie nah waren Sie damals dran, tatsächlich Lehrer zu werden?

Sehr weit entfernt. Mir waren Kinder immer näher als Lehrer. Ich habe ja damals schon beim Fernsehen gearbeitet. Mein Hintergedanke bei dem Studium war eher, ein paar theoretische Hintergründe in Sachen Wissensvermittlung an Kinder zu lernen. Heute laufen die Folgen von „Willi wills wissen“ in den Klassenzimmern der Republik. Irgendwie bin ich also am Ende doch noch Lehrer geworden.

Wann haben Sie denn den Abenteurer in sich entdeckt?

Das war bei den Dreharbeiten zum Kinofilm „Willi und die Wunder dieser Welt“, der 2009 ins Kino kam. Die haben meine Reiselaune geweckt. Ich wurde quasi vom rasenden zum reisenden Reporter. Auf einmal kam mir die Welt so groß vor, dass ich im Überschwang der Freiheit ein Jahr später sogar „Willi wills wissen“ nach 180 Folgen an den Haken gehängt habe.

Bereuen Sie das heute?

Ja und Nein. Einerseits war gerade diese Sendung ein Geschenk für mich. Andererseits möchte ich auch die Abenteuer nicht missen, die ich seitdem erlebt habe. Ob ich allein in der Wildnis schlafe oder mit einem Schild, auf dem „Paradies“ steht, per Anhalter durchs Land fahre – ich brauche diese Erlebnisse, um vor der Kamera oder auf der Bühne ich selbst sein zu können und nicht nur eine Rolle zu spielen.

Was erwartet die Besucher bei Ihrem Vortrag in Dresden?

Ich nehme sie zum Beispiel mit nach Alaska, um dort einen Grizzly zu fotografieren. Dafür muss ich mich aber erst einmal als Tierfotograf ausbilden lassen. Ich durchschwimme auch den Ammersee, wo ich wohne, und stelle mich damit einer meiner Urängste. Außerdem lasse ich mich ohne Handy, Uhr und Geld irgendwo im Nirgendwo aussetzen und wandere drei Tage quer durch Deutschland. In meiner Multivisionsshow lasse ich die Besucher mithilfe vieler Bilder und Filme an diesen Erlebnissen teilhaben.

Ist das vor allem eine Show für Kinder?
Das ist ein Familienvortrag. Natürlich spreche ich in erster Linie Kinder an. Allerdings habe ich schon viele Erwachsene erlebt, die am Ende selig rausgehen.

Welche Abenteuer wollen Sie in diesem Jahr noch erleben?

Am liebsten jede Menge, aber ich bin in diesem Jahr ein ganz braver Arbeitnehmer und stehe jede Woche für meine neue Show „Gut zu wissen“ vor der Kamera, die immer samstags 19 Uhr im Bayerischen Rundfunk zu sehen ist. Das ist der Versuch, die Kinder anzusprechen, die bei „Willi wills wissen“ rausgewachsen sind. Nebenbei versuche ich aber immer, mir kleine Auszeiten zu nehmen, die ich gern Feierabenteuer nenne. Dieses Jahr möchte ich zum Beispiel endlich mal im tiefen Schnee zelten. Vielleicht wird daraus ja ein neues Kapitel für „Willis wilde Wege“.

Das Gespräch führte Henry Berndt.

Willi Weitzel kommt am Samstag 11 Uhr mit seinem Vortrag „Willis wilde Wege“ in den Alten Schlachthof. Sein Auftritt ist Teil des Festivals „Bilder der Erde“.

www.bilder-der-erde.de

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