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Freitag, 07.09.2018

Der Lehnmühlenforscher

Rico Dittrich aus Hartmannsdorf sammelt alles zur Talsperre. Zu seinem Fundus gehören mehr als 300 Postkarten.

Von Anja Ehrhartsmann

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Rico Dittrich am Ufer der Talsperre Lehnmühle. Schon seit Jahrzehnten fasziniert ihn die Geschichte des Bauwerks und die seiner Heimat Hartmannsdorf. Wegen Niedrigwasser tauchen aus dem Stausee derzeit Überreste der Ortschaft Steinbrückmühle auf.
Rico Dittrich am Ufer der Talsperre Lehnmühle. Schon seit Jahrzehnten fasziniert ihn die Geschichte des Bauwerks und die seiner Heimat Hartmannsdorf. Wegen Niedrigwasser tauchen aus dem Stausee derzeit Überreste der Ortschaft Steinbrückmühle auf.

© Egbert Kamprath

  • Rico Dittrich am Ufer der Talsperre Lehnmühle. Schon seit Jahrzehnten fasziniert ihn die Geschichte des Bauwerks und die seiner Heimat Hartmannsdorf. Wegen Niedrigwasser tauchen aus dem Stausee derzeit Überreste der Ortschaft Steinbrückmühle auf.
    Rico Dittrich am Ufer der Talsperre Lehnmühle. Schon seit Jahrzehnten fasziniert ihn die Geschichte des Bauwerks und die seiner Heimat Hartmannsdorf. Wegen Niedrigwasser tauchen aus dem Stausee derzeit Überreste der Ortschaft Steinbrückmühle auf.
  • Das Mühlrad der alten Kreher-Schmiede ist noch erhalten.
    Das Mühlrad der alten Kreher-Schmiede ist noch erhalten.
  • Auch die Baumstümpfe sind noch nicht verfault.
    Auch die Baumstümpfe sind noch nicht verfault.

Osterzgebirge. Zwar ist er nur einen Steinwurf davon entfernt aufgewachsen, sein Interesse an der Talsperre Lehnmühle hat der Hartmannsdorfer Rico Dittrich aber erst während seiner Studienzeit in Dresden so richtig entdeckt. Der angehende Bauingenieur war damals auf der Suche nach einem Thema für einen Vortrag, als er auf die Talsperre stieß. Das größte Bauwerk in der Region weckte sein Interesse. Besonders faszinieren ihn die alten Bautechniken, wie die Materialien transportiert wurden und was alles noch in Handarbeit geleistet wurde. Schließlich kam der Kontakt zum damaligen Staumeister zustande. „Seither lässt mich das nicht mehr los“, sagt der heute 45-Jährige.

Rico Dittrich begann, Artikel über den Bau der Talsperre zu sammeln, die er unter anderem in Fachzeitschriften entdeckte. Dann kamen Fotos aus der Zeit zur Sammlung hinzu, vor allem vom versunkenen Ort Steinbrückmühle und dem Talsperrenbau. Angesichts der Tatsache, dass damals noch nicht jeder einen Fotoapparat hatte und Fotografien durchaus gewissen Seltenheitswert hatten, eine echte Errungenschaft, wie er findet. Auch Postkarten hat Rico Dittrich viele. Bestimmt mehr als 300 Stück, schätzt er. „Heute gibt es keine aktuelle Postkarte von Hartmannsdorf mehr, damals war das hier aber eine Urlaubsregion.“

Die Zeit des Talsperrenbaus und die Geschichte seiner Heimat sind für ihn längst zum Hobby geworden. Die Ausstellung zur Talsperre war dann ursprünglich als einmalige Sache gedacht und sollte nur zum Dorffest in Hennersdorf gezeigt werden. Doch während sie an der Ausstellung arbeiteten, sei es irgendwie mit ihnen durchgegangen, beschreibt Rico Dittrich und lacht. Allein das nahezu maßstabsgetreue, detaillierte Modell der Talsperre hat 300 Arbeitsstunden verschlungen. Von den selbst geschreinerten Stellwänden mal ganz abgesehen. Auch die Texte und Bilder, die sich als Kopien auf den Stellwänden finden, wurden sorgfältig ausgesucht, was einige Zeit in Anspruch nahm.

Zwischenzeitlich ist die Ausstellung, die er für gewöhnlich bei sich in Dresden in Kartons verpackt in der Garage verstaut, sein Projekt geworden. „Es kommt immer ein bisschen was dazu“, sagt der 45-Jährige. Das, was er über die Jahre gesammelt hat, kann aber gar nicht alles gezeigt werden, so viel ist inzwischen zusammengekommen. Ihm gehe es bei seiner Sammlung vor allem darum, dass die Dinge der Nachwelt erhalten bleiben und nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb versucht er auch, so viele Bilder und Informationen wie möglich zu digitalisieren und somit hoffentlich zu konservieren. Damit nichts verloren geht, ist alles doppelt und dreifach auf Festplatten gespeichert. „Ich bräuchte nur mehr Zeit, um alles zu sortieren“, sagt Rico Dittrich mit einem Augenzwinkern.

Obwohl der 45-Jährige seit ein paar Jahren in Dresden lebt, ist Rico Dittrich noch fest mit Hartmannsdorf verbunden. Dort ist er aufgewachsen, dort ging er zur Schule und dort engagiert er sich auch noch heute in mehreren Vereinen. Nach wie vor ist er bei der Feuerwehr, den Mühlenfreunden, dem Heimatverein.

Mit der Ausstellung, die noch an diesem Wochenende gezeigt wird, wollen er und der Hartmannsdorfer Heimatverein die Geschichte lebendig halten, die dieser Tage für alle wieder ganz präsent und greifbar wird, auch für Rico Dittrich. Die jetzige Situation, in der man die versunkene Brücke wieder sieht und auch die noch gut erhaltenen Baumstümpfe zum Vorschein kommen, hat er mit Videos und Fotografien dokumentiert, natürlich vor dem Betretungsverbot. „Dass es das Mühlrad noch gibt, ist das Beeindruckendste, das hat mich echt begeistert“, sagt Rico Dittrich. Die Steinbrücke so gut erhalten zu sehen, überrascht ihn indes nicht. „Bogenbrücken wie diese sind sehr stabil“, weiß der Fachmann. Außerdem wurde auch schon damals hochwertiges Baumaterial verwendet.

Obwohl mit dem Auftauchen der Überreste schon ein kleiner Traum in Erfüllung ging, gebe es da noch was. Er träume davon, die Lehnmühlen-Ausstellung auch mal in einem festen Museum zeigen zu können, vielleicht als Sonderausstellung. „Ich lebe für die Ausstellung und dafür, das Ganze zu erhalten“, sagt er.

Die Ausstellung wird in der Röthenbacher Straße 16 A, 01762 Hartmannsdorf gezeigt. Der Eintritt ist frei, um Spenden für den Erhalt der Ausstellung wird gebeten.

Die Öffnungszeiten sind am Sonnabend und Sonntag von 13 bis 17 Uhr.