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Mittwoch, 16.07.2008

Der Kleine Muck und die Kochsalzlösung

Hannover. Die Mutter war Schauspielerin, der Vater war Arzt: Thomas Schmidt erbte beide Talente und trat in die Fußstapfen seiner beiden Eltern. Als Hauptdarsteller im Defa-Klassiker „Kleiner Muck“ hat er ostdeutsche Filmgeschichte geschrieben. Als Professor Dr. Schmidt hat er sich an der Medizinischen Hochschule Hannover einen Namen gemacht – als Erfinder einer Nasendusche. Sein Ziel sei es, „das tägliche Spülen der Nase mit Kochsalzlösung ins Bewusstsein der Menschen zu rücken“, sagte er mal in einem Interview mit der Super-Illu. Diese alte Yoga-Technik sei bestens geeignet, um Erkältungskrankheiten und allergische Reaktionen zu verhindern.

Im Alter von 66 Jahren ist der in Stendal geborene Schmidt am 4. Juli gestorben, wie erst jetzt bekannt wurde. Der Medizin-Professor und Vater von drei Söhnen lebte seit vielen Jahren mit seiner Familie in Hannover. Dort musste er den Leuten „Die Geschichte vom kleinen Muck“ manchmal erst erklären. Der Film, der in der DDR kurz vor Weihnachten 1953 erstmals im Kino lief und ein Riesenerfolg wurde, wurde im Westen erst 1988 gezeigt.

Den Erfolg nicht miterlebt

Thomas Schmidt wurde im Osten ein Star, ohne es im Westen recht mitzubekommen. Seine Eltern waren mit ihm 1955 nach München übersiedelt. Dass sein Konterfei später auf Bonbonverpackungen abgebildet war, habe ihm ein Freund in die neue Heimat geschrieben, berichtete Schmidt vor einigen Jahren im Journal seiner Hochschule in Hannover. „Dort musste ich dann keine Fanpost mehr beantworten. Das war mir vorher sehr lästig.“ Nach einigen Fernsehproduktionen und Jobs als Synchronsprecher beendete Schmidt 1961 seine Karriere als Darsteller. Erst nach der Wiedervereinigung sei ihm wirklich bewusst geworden, was der Film für DDR-Bürger bedeutete.

Genau an seinem elften Geburtstag, am 23. Februar 1953, bekam Thomas Schmidt mehr oder weniger durch Zufall die Rolle seines Lebens: der kleine Waisenjunge Muck, der sich auf die Suche macht nach dem Kaufmann, der das Glück verkauft. Defa-Regisseur Wolfgang Staudte wollte die Erzählung von Wilhelm Hauff verfilmen. Das Drehbuch stammte von Schmidts Stiefvater Peter Podehl. Thomas’ Mutter, die Schauspielerin Charlotte Ulbrich, hatte ihren Sohn zu Probeaufnahmen mitgenommen. Gesucht wurde eine kleine Person für die Hauptrolle. Doch Staudte fand keine geeignete. Schmidt selbst hat es einmal so geschildert: „In einer Drehpause setzte mir meine Mutter den Turban auf. Jemand sagte: ,Sieht der nicht aus wie der kleine Muck?‘“, erinnerte er sich. „Das fand Staudte auch.“

Bald begannen die Dreharbeiten in Babelsberg. Es wurde eine der erfolgreichsten Defa-Produktionen aller Zeiten. Der Film wurde in über 60 Ländern gezeigt, zunächst im gesamten Ostblock, mittlerweile hat er auch im Westen Kultstatus. (SZ)