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Montag, 14.05.2018

Der Kater nach dem Silber-Rausch

Der Umbruch nach Olympia war größer als erwartet, nun ist die deutsche Eishockey-Auswahl bei der WM gescheitert.

Von Thomas Lipinski

Harter Aufprall für Dennis Seidenberg (l.) – gegen Lettlands Ronalds Kenins – und das deutsche Team bei der WM.
Harter Aufprall für Dennis Seidenberg (l.) – gegen Lettlands Ronalds Kenins – und das deutsche Team bei der WM.

© dpa/Petr David Josek

Nach dem Absturz der Eishockey-Überflieger wollte Yannic Seidenberg nichts mehr von Pyeongchang hören. „Wir können jetzt langsam mal vergessen, was bei Olympia war“, sagte der Silbermedaillengewinner von Südkorea, als die letzte Chance auf das WM-Viertelfinale verspielt war: „Wir sind jetzt hier mit einem anderen Team.“ Einem, das nach dem Olympia-Rausch einen veritablen WM-Kater erlebt.

Nach der Viertelfinalteilnahme bei den beiden vorangegangenen Weltmeisterschaften und der Silbersensation bei den Winterspielen ist die deutsche Nationalmannschaft in Dänemark vorzeitig gescheitert. Nach dem bitteren 1:3 gegen Lettland und nur einem Sieg aus den ersten fünf Spielen stand bereits vor den letzten beiden Gruppenspielen fest: Nach der WM-Vorrunde fliegt sie nach Hause.

„Sicherlich haben wir nicht das aufs Eis gebracht, was uns in den letzten Jahren stark gemacht hat“, gab der Münchner Verteidiger zu. Das war allerdings auch nicht leicht: 15 der 25 Olympiahelden fehlten bei der WM, Bundestrainer Marco Sturm musste die großen Lücken mit jungen, unerfahrenen Spielern stopfen. Dass dieses neu formierte Team nicht auf Anhieb so funktionieren würde wie die verschworene Einheit, die im Februar die Eishockey-Welt beinahe auf den Kopf gestellt hatte, war ihm klar. „Diese Mannschaft war einmalig. Es hat Jahre gebraucht, sie zusammenzubekommen“, erklärte Sturm.

„Jetzt ist ein neuer Abschnitt. Man braucht eine gewisse Zeit.“ Doch Zeit hatte er vor der WM nicht, der Umbruch fiel größer aus, als er es erwartet hatte. Weil zehn Silbermedaillengewinner noch eine Woche vor dem Turnierstart um die deutsche Meisterschaft spielten und die Hälfte von ihnen kurzfristig – und für Sturm überraschend – absagte, musste er improvisieren. „Dieser Kader kam auf die Schnelle zustande“, gab der Chefcoach zu, der in Dänemark den ersten Misserfolg seit seinem Amtsantritt 2015 erlebte. Zwar konnte er auf NHL-Star Leon Draisaitl bauen, doch aus der besten Eishockey-Liga der Welt gab es Absagen: Torhüter Thomas Greiss sowie die Stürmer Tobias Rieder und Tom Kühnhackl gaben Sturm einen Korb.

Auf den erst 22 Jahre alten Draisaitl war in Dänemark Verlass: Der Stürmerstar der Edmonton Oilers war an neun der 13 deutschen Tore in den ersten fünf Spielen beteiligt. Auch den einzigen Treffer gegen Lettland durch Dominik Kahun bereitete er vor. Doch ganz alleine konnte der Hochbegabte die deutsche Mannschaft nicht mitziehen. Vor allem der Verlust der Führungsspieler von Pyeongchang, der zurückgetretenen Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer, schmerzte.

„Wir haben zu viele Absagen gehabt“, gab NHL-Verteidiger Dennis Seidenberg zu, der als Kapitän das Vakuum an der Spitze der Hierarchie nicht füllen konnte. Und Moritz Müller ergänzte: „Natürlich ist es schwer, wenn eine Hälfte der Mannschaft wegbricht.“ Der Kölner setzt dennoch darauf, dass der plötzliche Eishockey-Boom nach dem WM-Absturz nicht genauso schnell wieder endet: „Bei Olympia haben wir uns ins Herz der Leute gespielt. Ich hoffe, dass sie verstehen, dass wir nicht jedes Mal einen großen Wurf landen können.“

Sturm ist jedoch skeptisch. „Ich denke, damit man einen Boom in Deutschland erhält, muss man wahrscheinlich im Halbfinale stehen. Da brauchen wir uns gar nicht großartig anzulügen“, sagte der 39-Jährige. Die ausstehenden Partien gegen die Top-Favoriten Finnland am Sonntagabend – nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe beendet – sowie Kanada am Dienstag wollen sie dennoch nicht abschenken. „Wir müssen unser Spiel weiter als Einheit verbessern, dann werden wir besser für die Zukunft“, meinte Dennis Seidenberg. (sid, mit dpa)

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