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Dienstag, 01.12.2015

Der Kampf um die Milliarde beginnt

Branchenführer Bayern München hat der Liga die Pistole auf die Brust gesetzt. Vor der Versammlung am Mittwoch fordern die Bayern mehr Geld, sonst drohen sie mit der Aufkündigung der Solidargemeinschaft.

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Wie werden TV-Gelder unter den Erst- und Zweitligisten künftige verteilt? 36 Proficlubs sind sich uneins.
Wie werden TV-Gelder unter den Erst- und Zweitligisten künftige verteilt? 36 Proficlubs sind sich uneins.

© dpa

Frankfurt/Main. Geld - oder ein Leben ohne die Bayern: Wenn sich die Klubchefs am Mittwoch im Frankfurter Mariott-Hotel treffen, steht die Zukunft des Finanzmodells Fußball-Bundesliga auf dem Spiel. Die Vereinsbosse haben mit Blick auf die erhoffte Milliarde des neuen TV-Vertrags Dollarzeichen in den Augen und wollen mehr Kohle für ihre Klubs, allen voran der ohnehin schon übermächtige Branchenführer Bayern München. Der Ligaverband steht vor einer fast unlösbaren Aufgabe, im Hauen und Stechen des Verteilungskampfs droht der Solidargemeinschaft das Aus.

Zuletzt drohte Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge fast täglich mehr oder weniger direkt mit dem Ausstieg des Rekordmeisters aus der Zentralvermarktung des Profifußballs. Sein Klub sei zwar grundsätzlich bereit, „sich der zentralen Vermarktung unterzuordnen. Aber es gibt Grenzen, die hier nicht überschritten werden sollten“, sagte der Bayern-Boss zuletzt im kicker.

Im Klartext heißt das: Die Bayern fürchten um ihre angeblich auf dem Spiel stehende internationale Wettbewerbsfähigkeit und wollen eine deutliche Steigerung ihrer TV-Einnahmen von derzeit rund 50 Millionen Euro pro Saison. Andernfalls liebäugelt der deutsche Vorzeigeklub mit dem Schritt in die Einzelvermarktung, der ihm wohl mehr als 200 Millionen pro Spielzeit einbringen dürfte. Damit wäre das Ende des Wettbewerbs an der Spitze der Bundesliga besiegelt.

Doch die Bayern stellen nur eine Fraktion im Kampf um die Milliarde Euro, die es ab der Saison 2017/18 geben soll - obwohl der neue TV-Vertrag erst im Frühjahr abgeschlossen werden soll und der Verteilungsschlüssel erst danach vom Ligavorstand vorgeschlagen wird. Es gibt noch mindestens drei weitere Interessengruppen bei den Profiklubs, die in der laufenden Saison 850 Millionen Euro aus den Medienerlösen kassieren.

Da sind die Traditionsvereine wie Borussia Dortmund, Schalke 04, Werder Bremen und Eintracht Frankfurt. Sie fordern, das Geld nicht mehr nur erfolgsabhängig zu verteilen. Sie pochen auf „weiche“ Kriterien wie TV-Zuschauerzahlen, Fanaufkommen und Beliebtheit, bei denen es um die Reichweite der Klubs geht.

An nächster Stelle kommen die „Werksklubs“ wie Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg und 1899 Hoffenheim. Sie wären froh, wenn alles beim Alten bleiben würde. Schließlich wurde ihnen von verschiedener Seite abgesprochen, dass sie überhaupt an den TV-Einnahmen partizipieren sollen - dabei tat sich vor allem Manager Andreas Rettig vom FC St. Pauli hervor.

Und am Ende der Nahrungskette stehen die Zweitligisten. Sie müssen befürchten, dass bei ihren 20 Prozent der Einnahmen gekürzt wird. Rummenigge machte daraus keinen Hehl: „Ich habe grundsätzlich kein Problem mit der 2. Liga. Sie ist Bestandteil der DFL. Die Zweitligisten müssen sich nur etwas realistischer einschätzen. Da braut sich sonst was zusammen.“

Um das Schlimmste zu vermeiden und mit einer Stimme zu sprechen, trafen sich die Zweitligisten bereits am Dienstag zu einer Vorbesprechung beim FSV Frankfurt. Fakt ist, dass für die Zweitligisten und die kleinen Bundesligisten das Ausscheren der großen Klubs eine „Katastrophe“ (Manager Stefan Reuter vom FC Augsburg) wäre.

Wie die Liga-Spitze den Kampf der Fraktionen beenden und alle Klubs zufrieden stellen will, ist dennoch völlig offen. Das zeigt auch ein Blick ins Ausland, wo die Verteilung der Gelder auf unterschiedlichste Weise und teilweise sehr kompliziert geregelt ist. So spielt in England die Zahl der Live-Übertragungen eine Rolle, in Spanien ist der Bekanntheitsgrad der Klubs ein Faktor und in Italien wird die Anzahl der Fans sowie die Größe der Städte berücksichtigt.

Im Ausland liegt auch der Grund für die Debatte. Die knapp 3,2 Milliarden Euro, die ab der kommenden Saison durch die Medienerlöse auf das Konto der englischen Premier-League-Klubs wandern, haben die deutschen Klubchefs aufgeschreckt. Diesen Druck geben Rummenigge und Co. nun an die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) um Boss Christian Seifert weiter. Falls er im Frühjahr nicht eine Milliarde plus X präsentiert, werden sich die Bayern wohl verabschieden. (sid)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. Steffen

    Es ist schade das hier nur noch Geld im Vordergrund steht ,der Sport welcher auch für die Gesundheit spricht in den hintergrund gerät.Wo soll die Obergrenze sein oder gehts auch mal weniger ? Freude und Stolz da mitmachen zu dürfen vermisse ich hier völlig. Sport frei...

  2. Wähler

    Schade dass ein so erfolgreicher Club wie Bayern München von Steuerbetrügern geleitet wird, denen offenbar jedes Mittel Recht ist, noch mehr Millionen zu scheffeln. Was will Bayern mit noch mehr Geld? Soll die Meisterschaft per Beschluss dauerhaft bei den Münchnern bleiben? Wozu dann noch eine Bundesliga?

  3. Kribü

    Danke für die ersten beiden Meinungen. Ich dachte schon, ich bin der einzige der den Sport, insbesondere natürlich den Fußball, von dieser Seite sehr kritisch sieht. Heute entscheiden kaum noch nur sportliche Leistungen, sondern es wird der Gewinner, der Erste, der Beste sein, der mit dem meisten Geld den Erfolg (mit den talentiertesten Sportlern, der besten Technik und den besten Rahmenbedingungen) erkauft. Die Fußball-Bundesliga ist ein einziger Langweiler betreffs der Meisterschaft. So sollten es auch die Medien sehen und nicht „künstliche“ Spannung hineinreden bzw. schreiben. Dass Deutschland, etwas überspitzt gemeint, auch ohne Sport kann, haben die Hamburger entschieden. Endlich einmal eine Entscheidung der Basis und nicht von „oben“! Und von oben herab dürfen auch die Münchner Bayern nicht schauen, die Gier sollte der Solidarität den Vorrang geben.

  4. ole

    Wo die Gier keine Grenzen mehr kennt, fragt man sich in Hinblick auf die Bayern München Konzern AG, was die Welt eigentlich mit dem Brause-Klub aus Leipzig für ein Problem hat. Und genaugenommen müsste man sich als Fan freuen, wenn Dynamo nicht aufsteigt. Momentan machts mehr Spaß als am Tropf der DFL.

  5. Didi

    @Ole: Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Bayern München hat als kleiner Verein begonnen, wie jeder Verein eigentlich, und sich nach oben gespielt. Bei Leipzig... naja die Geschichte kennt ja jeder.

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