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Freitag, 14.09.2018

Der Hurrikan-Fachmann

William Brock Long erlebte 1989 einen Wirbelsturm in seinem Heimatort. Heute leitet er den US-Katastrophenschutz.

Von Thomas Spang, SZ-Korrespondent in Washington

William Brock Long, Leiter der US-Behörde für Katastrophenhilfe (Fema), warnt vor dem zerstörerischen Potenzial von „Florence“.
William Brock Long, Leiter der US-Behörde für Katastrophenhilfe (Fema), warnt vor dem zerstörerischen Potenzial von „Florence“.

© dpa

Mit entschlossener Stimme warnt er jeden, der es hören will, vor „Hugos“ furchterregender Schwester „Florence“. Die nimmt als „Kategorie-4“-Hurrikan Kurs auf die Ostküste der USA. Der Wirbelsturm habe „ein sehr zerstörerisches Potenzial“ impfte William Brock Long, Chef der Katastrophenschutz-Organisation FEMA, auch Präsident Donald Trump bei einem Briefing im Oval Office ein. Zehntausende Menschen könnten für Wochen nicht in ihre Häuser zurück, viele mehr ohne Strom und andere Infrastruktur bleiben.

Im Fernsehen wiederholte der versierte Katastrophenmanager bei seinem Appell an die Bevölkerung, Schutz im Landesinneren zu suchen. Geschickt umschiffte der 43-Jährige dabei brisante Fragen – etwa die, warum der Bürgermeister von Willmington in North Carolina keine Zwangsevakuierung angeordnet hat. Stattdessen appelliert Long auf Twitter an die Vernunft der Küstenbewohner. „Das könnte der gefährlichste Sturm in der Geschichte Carolinas werden.“

Der junge FEMA-Direktor weiß, wovon er spricht. Er kann sich nur zu gut erinnern, wie er als 14-Jähriger in dem kleinen Örtchen Newton das Rasen „Hugos“ erlebte, der wegen seiner Zerstörungswut fest in der Erinnerung verankert ist. Dabei lag Newton fast 500 Kilometer von dem Ort entfernt, an dem der Hurrikan an Land ging. „Dieser Sturm entwickelt sich ganz ähnlich“, warnt Long.

Von 2008 bis 2011 rückte Long an die Spitze der Katastrophenschutz-Organisation des Bundesstaates Alabama. In seiner letzten Position vor seiner Berufung zum Direktor der FEMA arbeitete er als Vize-Präsident von „Hagerty Consulting“, das die Regierung zum Umgang mit Katastrophen berät. Der Senat bestätigte den über die Parteigrenzen hinweg anerkannten Experte 2017 mit nur vier Gegenstimmen.

Nun wartet auf Long ausgerechnet in seiner Heimat die vermutlich größte Bewährungsprobe seiner Karriere. Keinesfalls will er die Fehler wiederholen, die FEMA im Umgang mit Hurrikan „Maria“ in Puerto Rico machte, als die Agentur im vergangenen Jahr nach zwei früheren Stürmen in Texas und Florida völlig überfordert war.