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Mittwoch, 20.04.2016

Der große Zampano der ARD

Ingo Zamperoni kehrt aus den USA zurück: Im November löst er Thomas Roth als Anchorman der ARD-Tagesthemen ab.

Von Oliver Reinhard

Wie seine Vorgänger Tom Buhrow und Thomas Roth musste auch „Der große Zamperoni“ erst als Korrespondent in die USA, bevor man ihn an die Tagesthemen-Spitze holt.
Wie seine Vorgänger Tom Buhrow und Thomas Roth musste auch „Der große Zamperoni“ erst als Korrespondent in die USA, bevor man ihn an die Tagesthemen-Spitze holt.

© dpa

Ob Ulrich Wickert, Wolf von Lojewski, Claus Kleber, Tom Buhrow oder Thomas Roth; alle berühmten öffentlich-rechtlichen Ankermänner mussten über dieselben Karrierestufen klettern, um zu werden, was sie wurden. Denn vor den Ruhm des Chefmoderators der Nachrichtenmagazine von ARD und ZDF haben die Sendergötter den Arbeitsschweiß als US-Korrespondent zwischengeschaltet. Wohlgemerkt, als Korrespondent. Eine Frau ward auf diesem Weg bislang nicht gesehen.

Auch Ingo Zamperoni hat seinen Dienst in Washington bald abgeleistet und wird den Weg seiner Vorgänger gehen, zurück nach Hamburg. Im November löst er Thomas Roth als Chefsprecher der „Tagesthemen“ ab. Von ARD-Kollege und Spaßbacke Kurt Krömer anfangs noch verwechselt („Zamperoni – is dit ’n Clown?“), galt der heute 41-Jährige trotzdem schon vor seinem Weggang als „der große Zamperoni“, der seine bisherigen Jobs sämtlich mit Bravour erledigt hatte.

Nach dem Studium von Amerikanistik, Jura und Geschichte in Konstanz, Berlin und Boston ließ sich Ingo Zamperoni beim NDR zum Journalisten ausbilden, wo er seit 2002 Nachrichtenbeiträge drehte und ab 2007 erste Einsätze als Moderator hatte. 2012 fand er Aufnahme in die Sprecherriege der „Tagesthemen“, doch 2014 schickte man ihn nach Washington. Zamperoni ist Mitglied des einflussreichen Netzwerkes Atlantik-Brücke, das sich um gute Beziehungen zwischen Deutschland und den USA kümmert.

Böse Zungen behaupten bis heute, der Wechsel sei eine Strafversetzung gewesen. Weil sich der Sohn einer Deutschen und eines Italieners während der Fußball-EM 2012 beim Stand von 2:0 im Spiel Italien – Deutschland aus der Halbzeitpause zweisprachig mit „Möge der Bessere gewinnen“ verabschiedet und dabei so verdächtig südländisch gelächelt hatte – und Deutschland dann auch verlor. Aber wie gesagt ist die Station in Washington traditionell nicht Strafe, sondern Sprungbrett.

Pinar Atalay, seit Ingo Antonio Zamperonis Weggang im „Tagesthemen“-Team, soll nach dessen Rückkehr die Sendung nur noch präsentieren, wenn der neue Anchorman oder Mitmoderatorin Caren Miosga im Urlaub sind. Thomas Roth scheidet mit Vollendung seines 65. Lebensjahrs am 21. November regulär aus der ARD aus.