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Mittwoch, 30.05.2018

Der Dynamo, der im WM-Camp mittrainiert

Manuel Neuer hat im Übungsspiel der Nationalelf gehalten – und Dynamos Markus Schubert stand beim Gegner im Tor.

Von Jens Mende und Sven Geisler

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Dynamo-Torwart Markus Schubert trifft seine Vorbilder bei der Nationalelf.
Dynamo-Torwart Markus Schubert trifft seine Vorbilder bei der Nationalelf.

© Robert Michael

  • Dynamo-Torwart Markus Schubert trifft seine Vorbilder bei der Nationalelf.
    Dynamo-Torwart Markus Schubert trifft seine Vorbilder bei der Nationalelf.
  • Er ist der Beste – und bereit für die WM? Eine Belastungsprobe hat Manuel Neuer bestanden, nun folgt der Härtetest.
    Er ist der Beste – und bereit für die WM? Eine Belastungsprobe hat Manuel Neuer bestanden, nun folgt der Härtetest.

Das Comeback ist gelungen, wobei nicht klar ist, wie sehr Manuel Neuer bei diesem Testspiel gefordert war – und ob überhaupt. In den Szenen, die der Deutsche Fußballbund (DFB) auf seiner Internetseite von dem Trainingsduell gegen die U 20 zeigt, ist der Torwart der A-Nationalelf nicht in Aktion zu sehen, den Gegentreffer beim 1:7 hatte Marc-André ter Stegen in der ersten Halbzeit hinnehmen müssen.

Dafür ist ein Dresdner dreimal im Bild, wobei Markus Schubert die Treffer von Leroy Sané (2) und Mario Gomez nicht verhindern konnte. Der Dynamo-Torwart, der in der abgelaufen Saison neunmal in der zweiten Liga gehalten hat, spielte am Montagabend 30 Minuten für die Nachwuchsauswahl. Seit Dienstag sind die Junioren mit im Trainingslager in Südtirol, ihr Auftrag in den Übungsspielen in der Sportzone Rungg: Das taktische Verhalten der deutschen WM-Gruppengegner Mexiko, Schweden und Südkorea simulieren. Am Mittwoch treten sie noch einmal als Sparingspartner gegen die A-Mannschaft an, bevor auch Schubert in den Urlaub abschwirren kann.

Für Neuer dagegen wird es dann erst richtig ernst. Er wird am Sonnabend, 18 Uhr, beim vorletzten WM-Test gegen Österreich in Klagenfurt im Tor stehen. Das hat Andreas Köpke angekündigt. „Das sind die Spiele, die er braucht, die ihm helfen, seine Sicherheit wiederzugewinnen“, erklärt der Bundestorwarttrainer. Das bisher letzte seiner 74 Länderspiele hat Neuer im Oktober 2016 bestritten, für den FC Bayern im September vorigen Jahres beim 4:0 gegen Mainz gespielt. Im Training hatte er sich den Mittelfuß gebrochen, bei einer Operation wurde eine Platte eingesetzt.

Köpke: Als wäre er nie weg gewesen

Erst zum Pokalfinale meldete sich der 32-Jährige wieder einsatzbereit, saß aber nur auf der Bank. Joachim Löw hatte ihn trotzdem in sein vorläufiges Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Russland berufen, die für das deutsche Team mit dem Spiel gegen Mexiko in Moskau am 17. Juni beginnt. „Ich bin guter Dinge, der Spaßfaktor ist hoch“, hat Neuer bereits kundgetan – und sein erster Kurzeinsatz stimmt nun selbst die Skeptiker ein wenig optimistischer. Im Training, berichtet Köpke, sehe man schon keinen Unterschied mehr. „Es ist, als wäre er nie weg gewesen.“

Und auch Miroslav Klose, der als Assistent des Trainerteams dabei ist, berichtet: „Ich sehe ihn im Training wie in alten Zeiten. Wir müssen zwar abwarten. Aber ich hätte auch jetzt genauso eine Ehrfurcht vor Manuel Neuer, wenn ich wieder vor ihm stehe als Stürmer, wie früher. Daran hat sich nichts geändert.“

Trotzdem bleibt ein Rest Zweifel und erst der echte Härtetest gegen die in der Qualifikation gescheiterten Österreicher wird endgültig Aufschluss geben über Neuers Turniertauglichkeit. „Danach müssen wir das Fingerspitzengefühl haben mit Manuel, ob es geht oder nicht“, sagte Köpke. Bedenken habe er derzeit jedoch keine. Am nächsten Montag muss Löw den endgültigen Kader mit 23 Akteuren dem Weltverband Fifa melden.

So viel steht fest: Wenn Neuer bereit ist, geht er als Nummer eins nach Russland, was für seine Mitspieler sowieso keine Frage ist. „Wenn er hundertprozentig fit ist, führt an einem viermaligen Welttorhüter kein Weg vorbei“, sagte Julian Draxler. Was wiederum für ter Stegen, der beim Confed-Cup-Sieg vor einem Jahr die Nummer eins war, nur die Rolle des Ersatzmannes bedeutet. Um die undankbare Situation für den zuletzt überragenden Keeper des FC Barcelona halbwegs zu moderieren, suchten die Trainer in den vergangenen Tagen extra das Gespräch mit dem 26-Jährigen. „Er weiß um die besondere Situation“, sagte Köpke: „Manu ist unser Kapitän und Weltmeister. Wir versuchen alles, dass es funktioniert. Natürlich würde Marc-André nach einer fantastischen Saison gern spielen. Aber er kann damit umgehen.“

Offen ist allerdings, wer dann als dritter deutscher Torhüter zur WM fahren wird: Noch machen sich Bernd Leno und Kevin Trapp Hoffnungen auf den vakanten Platz. Das, so Köpke, „wird eine ganz harte Entscheidung werden“.

Markus Schubert nimmt von der Begegnung mit seinen Vorbildern wichtige Erfahrungen mit. Über Neuer sagt er: „Er steht locker da, aber wenn der Gegenspieler zum Schuss ansetzt, hat er die richtige Position und die Spannung.“ Und über ter Stegen: „Wie präzise er die langen Bälle schlägt, egal ob mit rechts oder links – unfassbar.“ Seit 2015 gehört Schubert regelmäßig zum Aufgebot der Nachwuchsteams, hat die U17-WM 2015 in Chile sowie die U19-EM in Georgien voriges Jahr erlebt. „Als ich das erste Mal den Adler auf der Brust trug, hatte ich bei der Hymne so was von Gänsehaut“, erzählte der 19-Jährige.

Ob Schubert das Zeug hat, die Großen eines Tages im Tor der Nationalelf abzulösen, muss er zunächst bei Dynamo zeigen. In der nächsten Saison kämpft er wieder um den Stammplatz im Tor. Nachdem Marvin Schwäbe den Verein verlassen hat, weiß er noch nicht, mit wem. (dpa, mit sid)

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