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Freitag, 14.09.2018

Der dritte OB-Kandidat bleibt im Rennen

Martin Bahrmann macht den Ausgang der Wahl in Meißen spannend. Eine Prognose ist sehr schwierig.

Von Peter Anderson und Ulf Mallek

Im Fokus: Martin Bahrmann ist der letzte der ursprünglich fünf OB-Kandidaten, der jetzt erklärt hat, ob er im zweiten Wahlgang antritt oder auch nicht.
Im Fokus: Martin Bahrmann ist der letzte der ursprünglich fünf OB-Kandidaten, der jetzt erklärt hat, ob er im zweiten Wahlgang antritt oder auch nicht.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Vielleicht war es dieser unfreiwillig belauschte Streit, der für den Meißner OB-Kandidaten Martin Bahrmann von der FDP entscheidend war. Von seinem Arbeitszimmer aus habe er in den vergangenen Tagen mit anhören müssen, wie sich auf der Straße zwei heimische Gewerbetreibende angeschrien hätten. So erzählt es der 31-Jährige am Freitagnachmittag im Gasthaus Zur Altstadt in der Görnischen Gasse. Der Grund: Die beiden Geschäftsmänner hegten für den zweiten Wahlgang im Wettbewerb um den Chefsessel im Meißner Rathaus unterschiedliche Vorlieben. Der eine bevorzugte Amtsinhaber Olaf Raschke (parteilos), der andere den Herausforderer Frank Richter (parteilos).

„Es ist für mich nicht nachvollziehbar, woher diese Zuspitzung und dieser Hass im Wahlkampf kommen“, sagt Bahrmann. In den vergangenen Wochen habe sich in Meißen erneut ein tiefer Graben aufgetan. Gastwirte und Händler hätten Boykott-Drohungen erhalten, weil sie die eine oder andere Seite unterstützten. Aufträge seien gekündigt worden. Diese Auswüchse hätten mit den Ausschlag gegeben, dass er sich nach mehreren Tagen des Nachdenkens nun entschlossen habe, im zweiten Wahlgang am 23. September erneut anzutreten.

Bahrmann greift zu einer Rolle hinter dem großen Kaffeetisch im Gasthaus Zur Altstadt und entrollt sein neues Wahlkampfplakat. Ein Lego-Männlein, das nach seinem Vorbild gestaltet sein könnte, ist darauf vor der Kulisse der Meißner Burg zu sehen. „Für Meißen: Neues wagen“, ist daneben zu lesen.

Der Spruch trifft es auf den Punkt. Bahrmann möchte als Alternative sowohl zu Raschke als auch zu Richter antreten. Die Spekulationen darüber, ob er eine reale Chance habe oder nicht, seien ihm egal, so der Meißner. Ihn motiviere eine Aussage, welche er vor allem von jüngeren Meißnern sehr oft gehört habe: „Wen sollen wir denn wählen, wenn Du nicht mehr antrittst“, hätten diese gefragt. Darauf gebe es nun eine klare Antwort.

Ein weiterer Punkt, der den Familienvater und Ur-Meißner bewegt hat: Er betrachte seine Wähler nicht als Verfügungsmasse. Bei den Bürgermeisterwahlen handele es sich um Personenwahlen. Die dahinterstehende Partei spiele in den seltensten Fällen eine entscheidende Rolle. Deshalb sei es ihm auch völlig unangebracht erschienen, eine Empfehlung für den einen der anderen der beiden noch verbliebenen Bewerber auszusprechen.

Nach Bahrmanns Entschluss wird im Richter- und im Raschke-Lager mit spitzem Bleistift gerechnet. Was bedeutet die Teilnahme von Martin Bahrmann für den Ausgang des Kopf-an-Kopf-Rennens der beiden Kandidaten an der Spitze? Bahrmann lenkt vermutlich etwas mehr potenzielle Richter- als Raschke-Wähler auf seine Person. Eine Prognose für die Wahl am 23. September ist extrem schwierig. Richter hatte 473 Stimmen Vorsprung auf Raschke. In einem neutralen Szenario, alle mobilisieren ihre Wähler wie bisher, dürfte Raschke gewinnen. Denn die 1 533 AfD-Wähler werden von der Partei aufgefordert, nicht für Richter zu stimmen. Wenn nur knapp die Hälfte von ihnen Raschke wählen, hätte es der Amtsinhaber geschafft.

Dieses neutrale Szenario ist aber nicht sehr wahrscheinlich. Aus drei Gründen: Erstens hat Frank Richter ein richtig gutes Momentum, einen guten Lauf. Seine Person ist deutschlandweit im Gespräch, das dürfte auf Meißen zurückwirken. Vermutlich wird sein großes motiviertes Wahlkampfteam noch mit weiteren Überraschungen aufwarten. Ein dickes Plus für Richter. Zweitens hat OB Olaf Raschke bisher einen verhaltenen Wahlkampf geführt. Er kann sich steigern. Das wäre ein Plus für den Amtsinhaber. Drittens hat sich die AfD, anders als zuvor, ganz klar gegen Richter positioniert. Ein Minus für Richter. Der Ausgang: Er bleibt völlig offen.

Damit kämpfen insgesamt drei Kandidaten am 23. September um die Gunst der Wähler in Meißen. Neben Bahrmann treten auch Frank Richter (parteilos), der im ersten Wahlgang mit 36,7 Prozent die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte, und Amtsinhaber Olaf Raschke (parteilos) im zweiten Wahlgang an. Der Kandidat der AfD, Joachim Keiler, und Heiko Lorenz von der SVP hatten in den letzten Tagen bereits ihren Verzicht erklärt. (szo)