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Donnerstag, 13.09.2018

Der deutsche Mr. Warenhaus

Bei Karstadt hat Stephan Fanderl hart saniert. Jetzt wartet auf den Manager die Fusion mit Kaufhof.

Von Erich Reimann, Essen/Köln

Er glaubt an die Zukunft des Warenhauses: Stephan Fanderl war bei der Grundsteinlegung für ein neues Karstadt-Kaufhaus im Juni 2018 in Berlin-Tegel dabei.
Er glaubt an die Zukunft des Warenhauses: Stephan Fanderl war bei der Grundsteinlegung für ein neues Karstadt-Kaufhaus im Juni 2018 in Berlin-Tegel dabei.

© DAVIDS/Sven Darmer

Es ist kein offizieller Titel. Aber mit einigem Recht kann sich Stephan Fanderl ab sofort der neue deutsche „Mr. Warenhaus“ nennen. Unter seiner Führung soll der Traum von der Deutschen Warenhaus AG – der Fusion der Rivalen Karstadt und Kaufhof – Wirklichkeit werden. Die Grundlagen dafür hat der 54-jährige Manager in mühsamer Arbeit bei Karstadt gelegt.

Als der aus einer Ingolstädter Kaufmannsfamilie stammende Fanderl 2014 das Ruder bei dem Essener Unternehmen übernahm, war das der schwerste Job, der im deutschen Einzelhandel zu vergeben war. Nach der Pleite des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor hatten sich unter dem nächsten Eigentümer, dem Investor Nicolas Berggruen, die Problem eher noch verschärft. Am Ende musste Berggruen die Karstadt Warenhaus GmbH für den symbolischen Preis von einem Euro an die Signa-Holding des österreichischen Investors René Benko verkaufen.

Fanderl – bis zu diesem Zeitpunkt Aufsichtsratschef der Warenhauskette – übernahm auf Bitte von Benko den Vorstandsvorsitz. Er fing an, Karstadt umzukrempeln. Dabei begann er ganz oben. Die repräsentativen Vorstandsbüros in der Zentrale wurden abgeschafft, stattdessen saßen auch die Top-Manager im Großraumbüro.

Gleichzeitig verordnete Fanderl der Warenhauskette eine harte Sanierung, zu der auch der Abbau zahlreicher Stellen und Filialschließungen gehörten. Bei der Gewerkschaft stieß das auf heftigen Widerstand. Bei der Sanierungsarbeit kam dem Manager zugute, dass er den Einzelhandel als Sohn eines Edeka-Händlers gut kennt. Fanderl gelang, woran seine Vorgänger scheiterten. Für das Geschäftsjahr 2016/2017 wies das Unternehmen erstmals seit zwölf Jahren wieder einen Gewinn aus: 1,4 Millionen Euro. Der Erfolg wirkte umso beeindruckender, weil Konkurrent Kaufhof gleichzeitig unter dem kanadischen Eigentümer Hudson’s Bay Company in die roten Zahlen rutschte. Ein Problem, das jetzt Fanderl lösen muss. Dass die Fusion von Karstadt und Kaufhof der Königsweg ist, um die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland gegen Konkurrenz von Online-Anbietern wie Amazon, Billigketten wie Primark sowie Einkaufs- und Outlet-Centern zu sichern, steht für Fanderl fest. (dpa)