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Montag, 11.06.2018

Der Deutsche Meister ist eine Meisterin

... und wie Hoyerswerda beinahe eine Weltrekordstrecke für Sechs-Stunden-Ultraläuferinnen geworden wäre.

Von Uwe Jordan

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Nele Alder-Baerens vom Ultrasportclub Marburg war Triumphatorin des Wochenendes: Sie gewann die Deutsche Meisterschaft über die Sechs-Stunden-Distanz mit 85 Runden plus Restmeter (78,927 km).
Nele Alder-Baerens vom Ultrasportclub Marburg war Triumphatorin des Wochenendes: Sie gewann die Deutsche Meisterschaft über die Sechs-Stunden-Distanz mit 85 Runden plus Restmeter (78,927 km).
  • Nele Alder-Baerens vom Ultrasportclub Marburg war Triumphatorin des Wochenendes: Sie gewann die Deutsche Meisterschaft über die Sechs-Stunden-Distanz mit 85 Runden plus Restmeter (78,927 km).
    Nele Alder-Baerens vom Ultrasportclub Marburg war Triumphatorin des Wochenendes: Sie gewann die Deutsche Meisterschaft über die Sechs-Stunden-Distanz mit 85 Runden plus Restmeter (78,927 km).
  • Tino Lingnau von den Two Face Runners nahm die zwölf Stunden in Angriff, absolvierte 49Runden. Als offenbartes Ganzkörperkunstwerk war er einer der Publikumslieblinge des Europalauf-Wochenendes.
    Tino Lingnau von den Two Face Runners nahm die zwölf Stunden in Angriff, absolvierte 49 Runden. Als offenbartes Ganzkörperkunstwerk war er einer der Publikumslieblinge des Europalauf-Wochenendes.
  • LINKS: Schon nach der ersten Runde war in glühheißer Hitze ein Schluck kühlen Wassers für die Mütze aus den bereitgestellten Wannen hoch willkommen. Michael Vanicek und Chris-Eleonore Timmler nahmen’s gerne an.RECHTS: Der sehbehinderte Harald Lange (201) gewann den 24-Stunden-Lauf. Um 10.34Uhr am Sonntag überquerte er als letzter im Rennen Verbliebener letztmals die Zeitmessung an der Ziellinie und sagte: „Genug“! Der Sieg war ihm da längst schon sicher.
    LINKS: Schon nach der ersten Runde war in glühheißer Hitze ein Schluck kühlen Wassers für die Mütze aus den bereitgestellten Wannen hoch willkommen. Michael Vanicek und Chris-Eleonore Timmler nahmen’s gerne an. RECHTS: Der sehbehinderte Harald Lange (201) gewann den 24-Stunden-Lauf. Um 10.34 Uhr am Sonntag überquerte er als letzter im Rennen Verbliebener letztmals die Zeitmessung an der Ziellinie und sagte: „Genug“! Der Sieg war ihm da längst schon sicher.
  • Beim 24-Minuten-(BARMER-)Lauf, Vorprogramm der großen Distanzen, war sie die schnellste Frau: Silvia Scheibe aus Dörgenhausen. Strahlendes Lächeln trotz hochsommerlicher Temperaturen.Fotos: Uwe Jordan (5)
    Beim 24-Minuten-(BARMER-)Lauf, Vorprogramm der großen Distanzen, war sie die schnellste Frau: Silvia Scheibe aus Dörgenhausen. Strahlendes Lächeln trotz hochsommerlicher Temperaturen.Fotos: Uwe Jordan (5)

Am Ende fehlte Nele Alder-Baerens (* 1.4.1978 in Berlin / startend für den Ultrasportclub Marburg) nicht viel zum totalen Glück: Vorgenommen hatte sich die absolute Weltrekordlerin im 6-Stunden-Ultralauf (85,492 km in dieser Zeit zurückgelegte Distanz / erzielt am 11. März 2017 bei einem Straßenrennen in Münster), nun am Wochenende bei den 9. Hoyerswerdaer VBH-Europaläufen auch den Weltrekord der Kategorie Bahn (was meint: Naturstrecke) über sechs Stunden in ihren Besitz zu bringen. Den hält Ricarda Botzin mit 81,896 km. Dass es am Ende für Nele mit 78,927 km auf der schnellen Runde um den Hoyerswerdaer Gondelteich nicht ganz reichte (sie schaffte 85 der 925-m-Zirkel und 302 sorgfältig vermessene „Restmeter“) war vor allem der brutalen Hitze an jenem Sonnabend, dem 9. Juni, geschuldet. 32 Grad Celsius sind definitiv kein Läuferwetter. Um so mehr Anerkennung gebührt Nele Alder-Baerens für eine Wahnsinns-Leistung bei Temperaturen, die andere (so auch den Reporter) schon das eigenhändige Öffnen einer Tonic-Water-Flasche als außerordentliche körperliche Leistung empfinden ließen.

Nele Alder-Baerens aber lief in der heißesten Tageszeit zwischen 11 und 17 Uhr besagte 85 Runden um den Hoyerswerdaer Gondelteich. Und darf sich damit Deutsche Meisterin; ja, „Deutscher Meister“ nennen – denn der schnellste beziehungsweise ausdauerndste männliche Konkurrent, Gerrit Wegner aus Berlin, schaffte „nur“ 83 Runden, mit Restmetern addiert zu 76,922 Kilometern. Aber auch da gilt: Chapeau!

Manfred Grüneberg vom die Läufe ausrichtenden Hoyerswerdaer Lauftreff Lausitz (LTL) konnte sich über einen neuen Teilnehmerrekord freuen: Die Tatsache, dass der Sechs-Stunden-Lauf diesmal als Deutsche Meisterschaft ausgeschrieben worden war (der erste Fall meines Wissens überhaupt, dass Hoyerswerda eine DM der Leichtathletik ausrichten durfte), hatte 107 Aktive allein auf dieser Distanz an die Strecke gebracht – mehr ist auf der Hoyerswerdaer Gondelteich-Runde kaum möglich. Und die Sechs-Stunden-Läufer mussten sich ja den Platz noch mit anderen Klassen teilen. Denn es gingen ebenfalls am Sonnabend um 11 Uhr noch die Zwölf- und 24-Stündler auf ihre Reise.

Weiterhin startete am Sonntag um Punkt 0 Uhr der Mitternachtsmarathon, der auf Grund seiner langen Zielzeit (elf Stunden statt der üblichen acht oder noch weniger) auch nicht so begnadeten Läufern erlaubt, sich den Traum vom vollendeten Marathon zu erfüllen. Nicht zu vergessen der Halbmarathon, der am Sonntag um 8 Uhr abgelassen wurde und der noch eine besondere Geschichte geschrieben hat – siehe das „Zum Tage“ gleich rechts.

24 Minuten als Appetithäppchen

Aber ehe die eben beschriebenen Läufe begannen, waren die Volkssportler dran: Am Sonnabend um 9 Uhr wurde das Feld der 24-Minuten-Läufer gestartet. Schade, schade, schade, dass die Schulen nicht viel mehr von dieser Chance Gebrauch machen, dem Nachwuchs eine Wettkampf-Möglichkeit einzuräumen. Denn gerade das kleine Feld bietet die perfekte Balance von Ausloten der eigenen Leistungsgrenzen, Trotzdem-Spaß-Haben und Appetit-Machen auf größere Läufe. Auch die „schreibende Zunft“ war vertreten. Während Tageblatt-Reporter Mirko Kolodziej nach vollbrachtem Lauf auf „die längsten 24 Minuten meines Lebens“ zurückblickte, war Tageblatt-Sonnabends-Kolumnistin Silvia Scheibe völlig entspannt: Gesamt-Platz 5 und schnellste Frau des Feldes (was meint: fünf Runden und einige Restmeter geschafft) – es sollte mich sehr wundern, wenn DAS nicht Stoff für eine neue, unterhaltsam-lesenswerte Betrachtung wäre.