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Samstag, 27.01.2018

Der Bundesliga droht der internationale Abstieg

Von Alexander Hiller

Im November bejubelten die DSC-Damen um Katharina Schwabe, Mareen Apitz und Barbara Wezorke (v.l.) im Heimspiel einen knappen 3:2-Sieg über Stuttgart.
Im November bejubelten die DSC-Damen um Katharina Schwabe, Mareen Apitz und Barbara Wezorke (v. l.) im Heimspiel einen knappen 3:2-Sieg über Stuttgart.

© Ronald Bonß

Nach dem Europacup ist vor der Bundesliga. Oder umgekehrt? Im Falle des bevorstehenden Spitzenspiels in der Volleyball-Bundesliga der Frauen zwischen dem Tabellenzweiten Stuttgart und Spitzenreiter Dresdner SC ist beides richtig.

Denn das zweite Punkteduell dieser Spielzeit könnte man getrost auch als Generalprobe für das Viertelfinale im europäischen CEV-Cup interpretieren. Am internationalen Aufeinandertreffen besteht nach den souveränen Achtelfinal-Hinspielen am Mittwoch von Stuttgart (3:0 gegen Kieldrecht) und des DSC (3:0 beim TS Düdingen) kaum mehr ein Zweifel. Auch der dritte deutsche CEV-Starter, Meister Schwerin, steht nach einem 3:0 gegen Chimik Juschni mit einem Bein in der Runde der letzten acht. Über diese geballte Power deutscher Schmetterkünste könnte man sich durchaus freuen.

Wenn es nicht nur die halbe Wahrheit wäre. Zur ganzen gehört, dass der Schweriner SC aus finanziellen Erwägungen auf den Start in der Meisterklasse verzichtete und nur über eine Sonderentscheidung des europäischen Verbandes CEV in den zweitklassigen CEV-Cup rutschte, anstatt in den lediglich drittklassigen Challenge-Cup.

Stuttgart ließ die Chance aus, sich über eine Qualifikation in die Hauptrunde der Champions League zu spielen. Wird der Verzicht des Meisters zur Dauerlösung, droht dem deutschen Verband DVV der Verlust des festen Startplatzes in der Königsklasse. Derzeit liegt Deutschland im Ranking auf Rang fünf, nur den besten acht Nationen steht mindestens ein fester Platz zu. „Für diese Wertung werden immer die Ergebnisse der letzten drei Jahre herangezogen“, erläutert DSC-Geschäftsführerin Sandra Zimmermann. Also für die Spielzeit 2017/18 die Punkte von 2014 bis 2016. Und in der Champions League sammelt man die meisten Punkte. Allein zehn für den Start in der Hauptrunde, im CEV-Cup sind es lediglich fünf.

„Wir haben bei unserer Entscheidung pro Champions League immer berücksichtigt, dass das keine rein individuelle Entscheidung eines Vereins ist, sondern wir damit auch eine gewisse Verantwortung für die Zukunft unserer Sportart haben“, sagt Sandra Zimmermann. Der Dresdner SC war zuletzt fünfmal in Folge in der Meisterklasse angetreten und hatte sich auch als Dritter der deutschen Meisterschaft für die Champions League beworben. „Wir haben uns bei der CEV darum bemüht, dass wir mit einer Sondergenehmigung mit Schwerin die Startplätze in den beiden Europacups tauschen“, erklärt Zimmermann. Der Antrag wurde abgelehnt.

„Die Champions League ist ein riesiges Unterfangen, wir wollen niemanden kritisieren, der dieses Risiko scheut“, betont die Geschäftsführerin, „aber letztlich sind die drei großen Klubs auch die Leuchttürme ihrer Sportart in Deutschland“. Das lässt Raum für Interpretationen. „Ich hoffe sehr, dass der DVV diesen einen festen Startplatz nicht verliert. Da steckt eine gewisse Tragik und Wut drin“, gibt sie zu. Die einfachste Lösung, um dies zu verhindern: Der Dresdner SC gewinnt die Meisterschaft zum sechsten Mal und qualifiziert sich so direkt für die Königsklasse.

Ein Sieg am Sonntag in Stuttgart würde dabei helfen. Das Spitzenspiel steht unter besonderen Vorzeichen. Während die Schwäbinnen innerhalb von vier Tagen das zweite Heimspiel bestreiten, musste das DSC-Team im selben Zeitraum 2 217 Kilometer reisen. „Das ist“, sagt Zimmermann, „von der Belastung her ein Nachteil“.

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