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Freitag, 07.09.2018

„Der beste Sprint, den ich jemals hingelegt habe

Von Thomas Riemer

Achmed Goltzsche (Startnummer 5094) inmitten des riesigen Starterfeldes bei der Amateur-Weltmeisterschaft in Italien vor gut einer Woche. Am Ende schrammte der Riesaer denkbar knapp an einer Medaille vorbei, wurde Fünfter in seiner Altersklasse. Foto: privat
Achmed Goltzsche (Startnummer 5094) inmitten des riesigen Starterfeldes bei der Amateur-Weltmeisterschaft in Italien vor gut einer Woche. Am Ende schrammte der Riesaer denkbar knapp an einer Medaille vorbei, wurde Fünfter in seiner Altersklasse. Foto: privat

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Im Mutterland des Radsports – in Italien – ging Achmed Goltzsche vom SC Riesa bei der UCI World Championships der Radamateure im Zeitfahren und Straßenrennen in der Provinz Lombardei unweit von Mailand an den Start. „Es ist der alljährliche Höhepunkt der lizenzierten Radamateure und Masters aller Altersklassen mit einem viertägigen Rahmenprogramm in der Provinzhauptstadt Varese, das sich durchaus mit einer Profi-WM messen konnte“, so Goltzsche.

Er hatte sich mit einem Sieg beim Rennen in Luxemburg für das „Grande Finale“ qualifiziert. Und fast hätte es für den 55-Jährigen zum großen Wurf gereicht. Als Fünfter seiner Altersklasse und bester Deutscher fehlten nur 70 Hundertstelsekunden auf Silber. „Wie hoch das Niveau in diesem Rennen war, kann man daran ablesen, dass der Vorjahresweltmeister in dieser Altersklasse diesmal auf Platz 13 einkam“, so Achmed Goltzsche.

Schon die Teilnehmerzahlen brachen alle Rekorde. Über 3 000 Starter aus 61 Nationen hatten sich in allen Altersklassen für die WM qualifiziert. Deutschland stellte dabei mit 60 Fahrern eins der kleinsten Kontingente, nicht zu vergleichen mit den professionell organisierten Teams aus Belgien, Italien, Australien oder England.

Da in der Vorbereitung des Rennens durch die große Hitze in Deutschland nicht alles nach Plan lief, waren Achmed Goltzsches Ziele nicht allzu hoch gesteckt. Eine Platzierung im vorderen Drittel des Feldes sollte es wenigstens sein.

Besonderer „Luxus“ dann am Start. Alle Qualifikationssieger hatten einen separaten Zugang zur ersten Startreihe, was das Startprozedere wesentlich vereinfachte. Ein Feld von 271 Teilnehmern hatte sich in der Seniorenklasse von Achmed Goltzsche qualifiziert und nahm den 130 Kilometer langen Kurs in Angriff – mit 2 000 Höhenmetern, engen Kurven, schmalen und teils schlechten Straßenverhältnissen. Dazu vier Anstiege auf einer Länge von vier und sechs Kilometern.

Die ersten 15 Kilometer wurden in einem Höllentempo von über 40 km/h absolviert. Dann der erste Berg. Dass es extrem viele gute Radsportler weltweit gibt, sah man schon im ersten Anstieg. „Ich musste schon da 110 Prozent geben, um mich zu behaupten, was aber gut gelang“, so Achmed Goltzsche. Schon da wurden die ersten Fahrer der vorher gestarteten jüngeren Altersklassen eingeholt, was den Aufstieg noch erschwerte.

Bereits nach 22 Kilometern bildete sich eine etwa 20 Mann starke Spitzengruppe, aus der dann bis zum Ziel noch rund acht Fahrer herausfielen. Massenhaft Defekte sowie einige Stürze auf den winkligen Abfahrten prägten das Geschehen. „Die neuen Reifen mit einer Baumwollkarkasse sowie Latexschläuchen waren gegen die Schlaglöcher genau das richtige Mittel“ so Goltzsche. Zudem wurde auch im flachen Teil ständig attackiert, was bei Goltzsche 20 Kilometer vor dem Ziel zu leichte Krämpfen führte. Bei einem dieser Vorstöße setzte sich ein Belgier ab, der dann auch das Rennen gewann.

Dreieinhalb Kilometer vor dem Ziel dann die Frage nach der richtigen Strategie für den Endkampf. „Es war wohl der beste Sprint, den ich jemals hingelegt habe. Mir war fast schwarz vor Augen. Kaum auszumachen die Platzierungen“, so Achmed Goltzsche. Am Ende dann erst Enttäuschung über verpasstes Edelmetall, später doch Riesenfreude über einen herausragenden 5. Platz.