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Freitag, 29.09.2017

Der beste Entwurf gewinnt

Architekturwettbewerbe – die Stadt setzt bei wichtigen Neubauten darauf. Doch sind die überhaupt sinnvoll?

Von Nina Schirmer

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Für den Neubau der Feuerwehrwache West gab es einen Wettbewerb. Das Haus gewann später den Bauherrenpreis.
Für den Neubau der Feuerwehrwache West gab es einen Wettbewerb. Das Haus gewann später den Bauherrenpreis.

© Norbert Millauer

  • Für den Neubau der Feuerwehrwache West gab es einen Wettbewerb. Das Haus gewann später den Bauherrenpreis.
    Für den Neubau der Feuerwehrwache West gab es einen Wettbewerb. Das Haus gewann später den Bauherrenpreis.
  • Der erste Wettbewerb drehte sich um das Weinberghaus vom Gymnasium Luisenstift.
    Der erste Wettbewerb drehte sich um das Weinberghaus vom Gymnasium Luisenstift.
  • Das ist der Siegerentwurf für den neuen Hort Oberlößnitz.
    Das ist der Siegerentwurf für den neuen Hort Oberlößnitz.
  • Beim Wettbewerb um den Neubau des Schillerhorts hat dieser Entwurf gewonnen.
    Beim Wettbewerb um den Neubau des Schillerhorts hat dieser Entwurf gewonnen.

Radebeul. Die neue Oberschule für Kötzschenbroda ist das jüngste Beispiel. Das Gebäude wird zwischen Herman-Ilgen und Harmoniestraße gebaut. Wie genau es aussehen soll, dazu will die Stadt Vorschläge von Architekten bekommen, die mit ihren Entwürfen in einem Wettbewerb gegeneinander antreten. Die Idee ist nicht neu. Seit 2003 führt die Stadt für große kommunale Bauprojekte Architekturwettbewerbe durch. Los ging es mit dem Weinberghaus am Gymnasium Luisenstift. Es folgten unter anderem die Feuerwehrwache in West und der Hort in Oberlößnitz, der noch gebaut werden soll.

Doch sind diese Wettbewerbe wirklich sinnvoll, oder kosten sie unnütz Geld? Diese Frage kam unter den Stadträten auf. Immerhin müssen Preisgelder gezahlt werden und auch die Jury bekommt ein Honorar. Wäre es da nicht günstiger, die Aufträge für Neubauten direkt an Architekten zu vergeben und sich den ganzen Aufwand zu sparen? Auf keinen Fall, findet Baubürgermeister Jörg Müller und begründete das kürzlich im Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss.

„Auf diese Lösung wären wir ohne Wettbewerb nie gekommen“, wiederholt Müller gebetsmühlenartig, wann immer der Siegerentwurf eines Architekturwettbewerbs vorgestellt wird. In der Regel werden bei einem Wettbewerb 30 Vorschläge begutachtet. Bei einer direkten Vergabe wären es deutlich weniger. 2016 und 2017 wurden im Stadtbauamt insgesamt vier Architekturwettbewerbe durchgeführt. Die dadurch gefundenen Baulösungen seien vor allem bei den zukünftigen Nutzern gut angekommen. Weil sie mitentscheiden durften. Zum Beispiel saß die Leiterin des Horts Oberlößnitz mit in der Jury, als über einen Neubauentwurf abgestimmt wurde. Bisher sei die abschließende Entscheidung immer einstimmig gefallen.

Die Stadt wolle durch einen Wettbewerb die beste Lösung finden. Aber auch andere Punkte spielen eine Rolle. Die Abstimmung soll möglichst schnell gehen. Ein Wettbewerb dauere von der ersten Vorbereitung bis zur Entscheidung durchschnittlich sechs Monate. Durch die vorgegebene Richtlinie habe die Stadt außerdem eine rechtssichere Grundlage und faktisch kein Prozessrisiko.

Und die Kosten? Sind bei einem Wettbewerb auch nicht höher, als bei einer Vergabe, sagt die Stadt und macht eine Rechnung am Beispiel des Luisentifts auf. Der Wettbewerb für einen Neubau am alten Schulhaus hat rund 72 000 Euro gekostet. Etwa 46 000 Euro mussten als Preisgelder gezahlt werden. Das Honorar , das der Sieger bekommt, wird allerdings später verrechnet, sodass der Architekt für ein und dieselbe Leistung nicht zwei Mal vergütet wird. Laut Rechnung der Stadt hätte sie auch bei einer direkten Vergabe 45 000 Euro Aufwandsentschädigungen an Architekten zahlen müssen – dann allerdings für nur fünf Lösungsvorschläge. Insgesamt hätte die Vergabe nach Schätzung der Verwaltung sogar über 5 000 Euro mehr gekostet, als der Wettbewerb.

Nicht zuletzt ist es das geltende Recht, an das sich die Stadt mit Architekturwettbewerben halten muss. Planungsleistungen von Architekten bis hin zur Bauleitung, die mehr als 209 000 Euro kosten, müssen europaweit ausgeschrieben werden. Die Vergabeordnung verlangt einen Vorrang für Architekturwettbewerbe. Entscheidet sich die Stadt gegen einen Wettbewerb, muss sie das explizit begründen.