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Montag, 08.01.2018

Der besondere Auftrag

Die RB-Fußballer räumen bei der Sportlerwahl mit zwei Titeln ab, vergessen die anderen Sportarten aber nicht.

Von Michaela Widder

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Mannschaft des Jahres: Leipzigs Kapitän Willi Orban mit seinen Teamkollegen Marcel Halstenberg, Peter Gulacsi, Lukas Klostermann und Trainer Ralph Hasenhüttl (v.l.).
Mannschaft des Jahres: Leipzigs Kapitän Willi Orban mit seinen Teamkollegen Marcel Halstenberg, Peter Gulacsi, Lukas Klostermann und Trainer Ralph Hasenhüttl (v.l.).

© Ronald Bonß

  • Mannschaft des Jahres: Leipzigs Kapitän Willi Orban mit seinen Teamkollegen Marcel Halstenberg, Peter Gulacsi, Lukas Klostermann und Trainer Ralph Hasenhüttl (v.l.).
    Mannschaft des Jahres: Leipzigs Kapitän Willi Orban mit seinen Teamkollegen Marcel Halstenberg, Peter Gulacsi, Lukas Klostermann und Trainer Ralph Hasenhüttl (v.l.).
  • Mit dem WM-Titel am Schwebebalken war Pauline Schäfer die große Favoritin auf Sachsens Sportlerkrone.
    Mit dem WM-Titel am Schwebebalken war Pauline Schäfer die große Favoritin auf Sachsens Sportlerkrone.

Über die Anspielung des Moderators kann sogar Willi Orban schmunzeln. Diesen Sieg in Dresden, wo sie unweit des Congress Centers im Sommer 2016 gegen die SG Dynamo eine Schmach erlebten und im DFB-Pokal ausschieden, genießt jetzt eine kleine Delegation des Fußball-Bundesligisten auf der Bühne. Zum ersten Mal wurde RB Leipzig zur Mannschaft des Jahres im Freistaat gekürt. „Selbst in Dresden haben wir jetzt Sympathien“, meint der Kapitän, und es dürften am Samstagabend noch einige dazugekommen sein.

Animiert von einer 1000-Euro-Spontan-Spende ihres zum Trainer des Jahres gewählten Coaches Ralph Hasenhüttl rundet die Mannschaft auf 10 000 Euro auf. Das Geld kommt der Stiftung Sporthilfe Sachsen zugute, also dem Nachwuchs. „Wir haben das Privileg, im Fußball über sehr, sehr viel Aufmerksamkeit zu verfügen, natürlich auch finanziell wahnsinnig viel Unterstützung zu bekommen“, erklärt Hasenhüttl. „Viele Vereine, die mindestens genauso viel leisten, haben diese Unterstützung aber nicht. Wir wollen etwas zurückgeben, dass auch Sportarten in anderen Bereichen gefördert werden können.“

Mit Hasenhüttl ist bei der Sächsischen Sportlerwahl zum ersten Mal ein Fußballlehrer zum Trainer des Jahres gewählt worden. In seiner Heimat Österreich hatte der 50-Jährige früher schon mal eine ähnliche Ehrung erhalten. „Ich habe gehört, dass das bisher hier nicht so unser Beutegebiet war, wo wir viel gewonnen haben.“

Ganz anders als Dauersieger Eric Frenzel. Der 26 Jahre alte Doppel-Weltmeister hatte zum fünften Mal nacheinander den Gesamtweltcup in der Nordischen Kombination gewonnen – und schon zum vierten Mal in Serie bei der Sportlerwahl in Sachsen. Damit zieht er mit Skispringer Jens Weißflog und Diskuswerfer Lars Riedel gleich. Frenzel fehlt jedoch erneut beim Gala-Abend, der für Wintersportler zum Jahresanfang stets ein unglücklicher Zeitpunkt ist. Zwar fiel der Weltcup im estnischen Otepäa dieses Wochenende wegen Schneemangels aus, doch das Team arbeitet im Trainingslager in Seefeld am Feinschliff für Olympia.

Weniger Stress hat im Moment Pauline Schäfer. Die Schwebebalken-Weltmeisterin, die bei der deutschlandweiten Umfrage auf Platz zwei kam, gewinnt erstmals den Titel als Sportkönigin von Sachsen. „Ich freue mich riesig“, sagt sie. Zusammen mit ihrer Vorgängerin und Chemnitzer Vereinskollegin Sophie Scheder, ihrer jüngeren Schwester Helene und Trainerin Gabi Frehse genießt sie den Ballabend, bevor sie am Sonntagvormittag zum ersten Lehrgang nach Frankfurt aufbricht. „Bei uns läufts einfach“, meint Schäfer, die im Moment der Ehrung an die wichtigsten Menschen in ihrem Umfeld denkt. „Ohne Gabi würde ich hier oben nicht stehen. Sie scheucht mich tagtäglich durch die Halle.“

2017 hatte Frehse die Auszeichnung erhalten, die diesmal an Hasenhüttl geht. „Ich bin sehr stolz, dass ich nicht verhindern konnte, dass meine Mannschaft erfolgreich ist. Wir haben es geschafft, Menschen zu begeistern, mit unserer Art zu spielen“, sagt der Trainer. RB hatte im vergangenen Jahr als Aufsteiger den Sprung in die Champions League geschafft. Für Hasenhüttl sind Preise jedoch „immer nur Auftrag, das Geleistete zu wiederholen und zu versuchen, dass man es vielleicht toppen kann“. Er weiß natürlich, „das ist nicht einfach, wenn man Vizemeister ist. Wir wollen wieder in die Champions League einziehen.“ Eine Liebeserklärung an Leipzig gibt er nebenbei noch ab, oder kann das bei RB sogar als mündliche Vertragsverlängerung verstanden werden? „Ich fühle mich heimisch in dieser wunderschönen Stadt und hoffe, dass ich noch lange die Gelegenheit habe, dort Trainer zu sein.“

Hasenhüttl kontert aber auch eine kleine Anspielung schlagfertig. Handballcoach Christian Prokop, der vor zwei Jahren als Trainers des Jahres geehrt wurde, sei ja mittlerweile Bundestrainer, sagt Laudator Torsten Teichert vom Sächsischen Sportjournalisten-Verein bei der Preisübergabe. „Das ist noch kein Thema. Acht Spiele wären mir doch zu wenig in einem Jahr“, meint der Österreicher.

Angestoßen hat er am Abend nur mit Wasser. Hasenhüttl, der unter seinem Anzug einen Rollkragen-Pulliver trägt, ist nicht fit. Geplagt vom einem Virusinfekt fällt der Galaabend in der Landeshauptstaat nach dem Testspiel gegen Prag nur kurz aus. Als der offizielle Teil vorbei ist, verschwindet Hasenhüttl umgehend – ohne einen Abstecher ans Dessert-Büfett.

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