erweiterte Suche
Dienstag, 10.07.2018

Der Allrounder

PORTRÄT: „Ryuichi Sakamoto: Coda“ von Stephen Nomura Schible

Der Japaner Ryuichi Sakamoto ist ein sensibler Klangforscher. Foto: Salzgeber
Der Japaner Ryuichi Sakamoto ist ein sensibler Klangforscher. Foto: Salzgeber

Der japanische Ausnahmemusiker Ryuichi Sakamoto ist selbst ein Kinomann. Zahlreiche Soundtracks hat er für kleine und große internationale Produktionen geschrieben und eingespielt. Die Titel? Spannen sich von „Der letzte Kaiser“ und „Himmel über der Wüste“ über „Die Geschichte der Dienerin“ und „Femme Fatale“ bis hin zu „Seide“ und „The Revenant“. Sakamoto ist ein Großer und auch für jüngere Kollegen wie Nils Frahm, Hauschka oder Max Richter stets ein Orientierungspunkt gewesen.

Regisseur Stephen Nomura Schible begann 2012, an seinem Film über den Pianisten, Komponisten und nicht zuletzt Anti-Atomkraft-Aktivisten zu arbeiten. Aus „Ryuichi Sakamoto: Coda“ ist nunmehr vieles geworden: Ode, Hommage, Meditation, Essay. Den klassischen Mitteln einer Musiker-Dokumentation entzieht sich Schible geschickt. Er sagt: „Ich bin im Tokio der 70er und 80er aufgewachsen, wusste also, dass Ryuichi einst während des japanischen Wirtschaftsbooms mit seiner Techno-Pop-Band Yellow Magic Orchestra ein bestimmtes, von technologischer Entwicklung angetriebenes Ethos verkörperte. Ich fand es spannend, wie er nun Haltung gegen das Establishment annahm und angetrieben wurde von einer reuevollen Besorgtheit gegenüber Technologie, ins-besondere in Zusammenhang mit der Zerstörung unserer Umwelt.“

„Coda“ begleitet den heute 66-Jährigen ein Stück des Lebenswegs, der in dieser Zeit durch zwei Ereignisse besonders geprägt wird: dem Atomunfall von Fukushima und der eigenen Krebserkrankung. Der Film ist klar auf Sakamoto fixiert, verfolgt ihn sehr dicht, zeigt ihn live, im Studio, draußen in der Natur, wo er Ideen und Inspiration sucht. Entstanden ist ein sensibles Porträt – für Kenner und Neugierige gleichermaßen. MkF

„Ryuichi Sakamoto: Coda“ startet nur im kino im dach, DD.