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Samstag, 24.02.2018

„Der absolute Knock-out fehlt“

Eissprinter Nico Ihle verpasst die angestrebte Medaille deutlich. Die Analyse beginnt direkt danach im Interview.

Zunge raus und doch nicht K.o.? Nico Ihle hadert nach seinem Lauf.
Zunge raus und doch nicht K.o.? Nico Ihle hadert nach seinem Lauf.

© dpa

Er war die letzte realistische Hoffnung auf eine Medaille für die deutschen Eisschnellläufer. Denn ein Erfolg von Claudia Pechstein im abschließenden Massenstart am Samstagmittag galt als unwahrscheinlich. Aber auch Nico Ihle ist über die 1 000 Meter beim Olympiasieg des Niederländers Kjeld Nuis deutlich am Podest vorbei gelaufen. Er wurde nur Achter. Nach der Enttäuschung stellte sich der 32 Jahre alte Chemnitzer in der Mixed-Zone zum Interview – und war selbst überrascht, dass er schon wieder sprechen konnte.

Herr Ihle, Sie wurden zweimal Achter bei Olympia. Wie groß ist die Ernüchterung?

Ich muss das erst mal sacken lassen. Das Ziel war ein ganz anderes – die Top drei. Es waren über die 1 000 Meter Leute vor mir, die sonst deutlich hinter mir sind. Das darf so nicht passieren. Es war so ein Okay-Lauf, nicht das Besondere. Genau das was mir auch bei 500 Metern gefehlt hat.

Wie lief das Rennen aus Ihrer Sicht?

Ich habe versucht, von vorn zu laufen, das passte auch alles. Die ersten 600 Meter waren richtig schnell, aber die zweite Runde habe ich verloren, obwohl es sich nicht so anfühlte. Vielleicht war das Rennen zu sehr auf Kraft gelaufen. Die Zeit geht in Ordnung, mit 1:08,94 Minuten läufst du in die Top-Ten. Das habe ich immer drauf. Aber es ist eben nicht das Besondere.

Dabei hatten Sie angekündigt, das Rennen Ihres Lebens laufen zu wollen …

Das war es nicht. Wahrscheinlich bin ich für den Vierkampf nächste Woche bei der Sprint-WM bereit. Aber du musst es eben bei Olympia schaffen, alles aus Dir rauszuholen. Da komme ich irgendwie gerade nicht ran. Dafür bin ich auch noch zu gut drauf. Sonst könnte ich auch nicht so locker das Interview geben.

Wie müssten Sie sich denn fühlen, wenn Sie alles aus sich herausgeholt hätten?

Ich erwarte dann, dass die Beine richtig tot sind, wirklich richtig brennen, und ich kaum noch atmen kann. Das war nicht so. Es gab schon Rennen, da gehe ich vom Eis und mir fehlt die Luft, der Kopf dröhnt, ich möchte am liebsten in die Tonne spucken. Das ist ausgeblieben. Das zeugt von einem guten Trainingszustand, aber der absolute Knock-out fehlt mir.

War es vielleicht Kopfsache? Immerhin galten Sie als letzte Medaillenhoffnung für den Verband?

Ach nein. Auch wenn eine Medaille verlangt wird, das habe ich überhaupt nicht rankommen lassen. Das war mir egal. Klar, ich hätte es gern bewiesen, dass ich es kann. Mental war ich gut drauf.

Schon 2014 in Sotschi blieben die Eisschnellläufer ohne Medaille. Was sagen Sie zum schlechten Abschneiden?

Dass wir zu Medaillen fähig sind, haben wir voriges Jahr bei der WM gezeigt. Aber Olympia ist noch mal ein anderes Event, du musst auf den Punkt da sein. Das haben wir durch die Bank weg nicht geschafft.

Noch die vordersten Plätze aus deutscher Sicht erreichten Patrick Beckert und Claudia Pechstein, die wie Sie außerhalb des Verbandssystems trainieren. Wie bewerten Sie diese Situation?

Ich kann für mich nur sagen, ich bin froh, dass ich meinen Weg gehen konnte und hoffe, dass ich ihn so weitergehen kann. Klar ist es ein Nachteil, dass ich viel alleine machen muss, wenn es zum Höhepunkt hingeht. Die Konkurrenz im Ausland hat immer drei, vier Trainingspartner auf demselben Level. Da kann man sich im Training doch mal verstecken, spart ein paar Kräfte und läuft trotzdem eine schnelle Runde.

Werden Sie Ihre Karriere fortsetzen?

So ein Ergebnis bei Olympia kann ich nicht auf mir sitzenlassen. Das ärgert mich so sehr, da muss ich noch mal angreifen. Aber mal schauen. Das große Ziel ist nächstes Jahr die Weltmeisterschaft in Inzell. Das ist ein großer Ansporn, im eigenen Land vorn dabei zu sein. Ich hoffe, dass ich weiter mit meinem Bruder Denny trainieren kann. Vielleicht kommt der eine oder andere dazu. Ich bin gespannt, wie sich der Verband nach der Saison outen wird.

Aufgezeichnet von Michaela Widder.

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