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Dienstag, 15.05.2018

Den Sagenschatz für die Nachwelt erhalten

Der Schleifer Verein Kólesko gibt ein zweisprachiges Buch mit 152 Sagen der Region heraus.

Von Andreas Kirschke

Juliana Kaulfürstowa, Hartmut Hantscho und Dr. Hync Rychtar bei der Vorstellung der Sagensammlung in Schleife.
Juliana Kaulfürstowa, Hartmut Hantscho und Dr. Hync Rychtar bei der Vorstellung der Sagensammlung in Schleife.

© Andreas Kirschke

Schleife. Mit einer vielfältigen Sammlung will der Verein Spinnrad (Kólesko) Sagen des Schleifer Kirchspiels und der Muskauer Heide für die Nachwelt bewahren. Dies unterstreicht Vorsitzender Hartmut Hantscho im Atelier des Holzkünstlers Thomas Schwarz während der Vorstellung des neuen Schleifer Sagenbuches „Wie die Schleifer Kirche ihren Turm erhielt“. Das Buch enthält 152 Sagen in Deutsch und in Schleifer Sorbisch. Es ist Resultat der kontinuierlichen Vereinsarbeit. Das Buch, das der Verein mit einer Auflage von 800 Exemplaren herausgibt, bewahre kulturelles Erbe und sei ein weiterer Beitrag zur Sprachförderung des Schleifer Sorbisch, so der Vorsitzende. Für die Illustrationen sorgte der Rohner Maler, Restaurator und Stuckateurmeister Jörg Tausch.

Erhalt der sorbischen Sprache

Nach dem „Schleifer Liederbuch“, dem Akkordeon-Notenheft und dem 2016 in enger Zusammenarbeit mit dem Verein Njepila-Hof Rohne herausgegebenen Wörterbuch „Wie es einmal war, 1000 Worte Schleifer Sorbisch“ gibt der Verein Spinnrad damit ein weiteres Buch zum Erlernen des Schleifer Sorbisch heraus. Jahrelange intensive Detailarbeit liegt ihm zugrunde. „Hartmut Hantscho war im Besitz eines umfassenden Grundstockes an Anregungen zu den vorliegenden Sagen. Sie wurden von Dieter Reddo ergänzt und niedergeschrieben. Das wiederum musste handschriftlich von Hartmut Hantscho übertragen werden. Es ergab dann die Grundlage für die akribische Arbeit von Juliana Kaulfürstowa, dies in Schleifer Sorbisch zu Papier zu bringen“, würdigt Laudator Wolfgang Goldstein, Leiter der Schleifer Oberschule. Für das Endlektorat und für sprachliche Beratung sorgt Dr. Hync Rychtar. Vor allem Sagen wie „Lutki“, „Zmij“, „Pripoldnica“ und „Der alte Lawko aus Schleife“ begeistern ihn bis heute. Seine Großmutter erzählte ihm als Kind nicht nur über die Familie und das dörfliche Leben. „Sie erzählte viel über den Volksglauben“, schilderte Dr. Hync Rychtar. „Sie war sehr gesprächig und sehr klug. Sie hatte ein gutes Gedächtnis. Für mich als Kind war das eine Fundgrube.“

Das Schleifer Sorbisch, so betonte der Sorabist und Slawist in diesem Zusammenhang, ist ein regionaler Dialekt. Es weist heute einen reichen Fundus bewahrter schriftlicher Quellen auf. „Für mich ist es im Grunde derjenige sorbische Dialekt, der sich die ursprünglichen slawischen Elemente und Besonderheiten am besten bewahrt hat“, so der Wissenschaftler.

Im jetzt erschienenen „Schleifer Sagenbuch“ haben ihn einige Sagen und Anekdoten berührt. In ihnen zeigen sich Lebenswille, Schönheitssinn und Liebe zur Natur. „Die Menschen damals gaben sich nicht auf. Sie führten ihr Leben trotz aller Schicksalsschläge, Krisen, Todesfälle und Widrigkeiten immer weiter“, so der gebürtige Schleifer. „Trotz harter Arbeit konnten sie singen, fröhlich sein, Feste feiern.“

Lange Geschichte und Tradition

Wie Hync Rychtar freute sich Montag auch Helmut Hantscho über das entstandene „Schleifer Sagenbuch“. 1990 bis 2001 war er in Schleife Bürgermeister. Sein Urgroßvater Johann Hantscho-Hano und Willibald von Schulenburg veröffentlichten 1882 ihre Sammlung mit Sagen und Erzählungen im Buch „Wendisches Volkstum in Brauch und Sitte.“ Darin vertieft sich Helmut Hantscho immer wieder gern. Mit 14 Jahren las er erstmals in Robert Pohls „Sagenbuch des Kreises Rothenburg“ Urgroßvaters Sagen. So war seine Neugier geweckt. Er forschte genauer nach. 1972 schrieb er aus den „Niederlausitzer Mitteilungen“ alle dort enthaltenen Sagen des Urgroßvaters von Hand ab. So prägte er sie sich ein. In den Sagen entdeckte er die Schönheit der Landschaft im Schleifer Kirchspiel.

Die Sagen selbst erzählen von Glauben und Aberglauben. „Man liest auch, wie ärmlich und hart die Bauern damals ihr Leben fristeten“, meint Helmut Hantscho. Seinem Sohn Hartmut und Tochter Elvira gab er die Liebe zur Heimat und die tiefe Verbundenheit zur Geschichte weiter. Für das jetzt erschienene „Schleifer Sagenbuch“ stellt Helmut Hantscho ein Foto seines Urgroßvaters zur Verfügung.

Er unterstützte bereitwillig bei mancher offenen Frage. „In dieser Kompaktheit, in dieser Dichtheit, in dieser Vielfalt ist das jetzige Schleifer Sagenbuch sicher beispielhaft“, meinte der 79-Jährige während der Präsentation des neu erschienenen Buches. „Sehr originell und gelungen sind die Illustrationen.“