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Freitag, 09.03.2018

Dem Autoland Sachsen fehlt der Saft

VW verdoppelt in Dresden die Produktion des e-Golfs, doch bei den Ladestationen steht der Freistaat auf der Leitung.

Von Michael Rothe

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Am Montag startete VW in der Gläsernen Manufaktur die zweite Schicht. Nun werden in Dresden täglich 72 statt 36 e-Golf gebaut.
Am Montag startete VW in der Gläsernen Manufaktur die zweite Schicht. Nun werden in Dresden täglich 72 statt 36 e-Golf gebaut.

© Ronald Bonß

Dresden. „Deutschland und vor allem Sachsen stehen beim Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos auf dem Seitenstreifen, während andere Länder auf der Überholspur davonziehen.“ So kommentiert Stephan Kühn (Bündnis 90/Grüne) die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage seiner Bundestagsfraktion. Deutschland wolle Leitmarkt für Elektromobilität werden, doch Anspruch und Wirklichkeit klafften weit auseinander, sagt Kühn.

Mit einem Förderprogramm wollte die Bundesregierung flächendeckend Ladesäulen aufbauen. Aber ein Jahr nach dem Start seien die Förderanträge noch nicht abgearbeitet und nur 66 Ladepunkte nachweislich in Betrieb, so der Verkehrsexperte. Laut einem weiteren Programm mit dem Raststättenbetreiber Tank & Rast sollte an den Autobahnen mit 400 Stationen ein flächendeckendes Ladenetz stehen. „Auch das Ziel wurde verfehlt“, so Kühn. Laut der Antwort, die der SZ vorliegt, sind 300 Standorte ausgestattet. Tank & Rast, Marktführer mit 360 Tankstellen und 410 Raststätten, errichtete dort je ein bis zwei Dreifachlader mit 50 Kilowatt Ladeleistung – wie bereits an elf seiner zwölf Standorte in Sachsen.

Seit Anfang 2017 fördert der Bund anteilig den Aufbau öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur. In zwei Programmen standen insgesamt 400 Millionen Euro für bis zu 28 000 Normal- und Schnellladepunkte bereit. In Sachsen hielt sich das Interesse anfangs in Grenzen. Während in Nordrhein-Westfalen 2 874 Lademöglichkeiten bezuschusst wurden, sind es im Freistaat 190, in ganz Ostdeutschland 709. Die zweite Charge ist in Sachsen speziell bei Schnellladestellen jedoch überzeichnet: Es gibt 147 Anträge, das Geld reicht für 36.

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Von den Subventionen profitieren laut Stephan Kühn nur wenige Länder, Energieriesen wie Innogy SE und die Autoindustrie. Zwei Prozent der geförderten Ladepunkte entstünden in Sachsen – „zu wenig für einen Autostandort, der Vorreiter bei Elektromobilität werden will“. Es reiche nicht, dass in Dresden, Leipzig und bald in Zwickau Elektroautos gebaut werden, sie müssten dort auch fahren können. Ein flächendeckendes Ladenetz sei nötig.

Am Montag hatte VW in seiner Gläsernen Manufaktur die zweite Schicht gestartet. Nun werden in Dresden täglich 72 statt 36 e-Golf gebaut. Die Nachfrage zieht an. Folge: sieben Monate Wartezeit. Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle wurde bis Ende Februar aus Sachsen für 150 e-Golf der Umweltbonus beantragt. Trotz der Prämie von 4 000 Euro ist das Interesse an Elektroautos gering. 2017 wurden im Freistaat 620 solcher Pkws registriert, 0,5 Prozent aller Neuzulassungen. Damit liegt die Modellregion Elektromobilität unterm Bundesschnitt.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 7 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Larso

    Das E-Auto hat als solches eigentlich keine Berechtigung als gleichwertige Konkurrenz zum herkömmlichen Verbrennungsmotor bzw durch von solchem Verbrennungsmotor angetriebenen Fahrzeugen. Das E- Auto ist dem von durch Verbrennungsmotor angetriebenen Fahrzeug insgesamt unterlegen und das wird auch so bleiben. Die heimische wie die internationale Autoindustrie, und auf Deutschland bzw Sachsen bezogen die entsprechende Regierung haben, es versäumt entsprechende Forschungen zu betreiben hin, zu völlig abgas-bzw emissions-freien Antriebs- bzw Verbrennungsanlagen bei den Verbrennungsmotoren, egal ob Benziner- oder Diesel-Motoren-angetrieben. Auf Deutschland bezogen sollte als das Bundesforschungsministerium, und auf Sachsen bezogen das sächsische Forschungsministerium jetzt unbedingt heran gehen und schleunigst entsprechende Forschungen bzw solche Gelder für Forschung zu ermöglichen. Seit Bestehen des Automobilbaues wurde solche Forschung nicht gemacht und dies ist das eigentliche Problem ja

  2. Larso

    Das E-Auto hat als solches eigentlich keine Berechtigung als gleichwertige Konkurrenz zum herkömmlichen Verbrennungsmotor bzw durch von solchem Verbrennungsmotor angetriebenen Fahrzeugen. Das E- Auto ist dem von durch Verbrennungsmotor angetriebenen Fahrzeug insgesamt unterlegen und das wird auch so bleiben. Die heimische wie die internationale Autoindustrie, und auf Deutschland bzw Sachsen bezogen die entsprechende Regierung haben, es versäumt entsprechende Forschungen zu betreiben hin, zu völlig abgas-bzw emissions-freien Antriebs- bzw Verbrennungsanlagen bei den Verbrennungsmotoren, egal ob Benziner- oder Diesel-Motoren-angetrieben. Auf Deutschland bezogen sollte als das Bundesforschungsministerium, und auf Sachsen bezogen das sächsische Forschungsministerium jetzt unbedingt heran gehen und schleunigst entsprechende Forschungen bzw solche Gelder für Forschung zu ermöglichen. Seit Bestehen des Automobilbaues wurde solche Forschung nicht gemacht und dies ist das eigentliche Problem ja

  3. xy

    Bei dem Lohnniveau wundert mich das nicht, dass keiner die noch viel zu teuren E-Autos haben will.

  4. Nicole

    @Larso: abgas- und emissionsfreie Verbrennungsmotoren? Wie sollen die aussehen? Mit welchem Elektroauto konnten Sie Ihre fundierten Vergleichserfahrungen machen, die Sie eine dauerhafte Unterlegenheit feststellen lassen? Ich persönlich pendle völlig problemlos 100 km täglich und lade alle zwei ( im Sommer alle 3) Tage über Nacht an der heimischen Steckdose. Das Fahren selbst ist völlig angenehm und stressfrei. Mein Mann fährt täglich 24 km mit seinem E-Auto mit 100 km Reichweite. Unsere Erfahrung beläuft sich auf mehr als 20.000 elektrische km und die ist rundum positiv. Umd für die sommerliche Urlaubsfahrt wird eben ein Verbrenner gemietet. Ein Verbrenner wird im Übrigen NIE den Wirkungsgrad eines Elektromotors schlagen, das schafft nicht einmal die Brennstoffzelle, bei der auch einiges an Wärmeabfall entsteht.

  5. E.Benheiter

    "abgas- und emissionsfreie Verbrennungsmotoren? Wie sollen die aussehen?" Damit sind sicher H²-Verbrenner gemeint. Mazda hatte bereits in den 60ern eine Produktionslinie für Kfz mit H²-Wankel aufgebaut. Die Erdölindustrie kassierte die Pläne, ließ sie in Schubladen ganz weit unten verschwinden & verschrotte die Anlage.

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