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Dienstag, 15.05.2018

Delikates von der Insel

Das britische Duo Sleaford Mods pöbelt erfolgreich gegen „die da oben“.

Von Tom Vörös

Eindeutige Bildsprache: Das Duo übt Kritik am modernen Arbeitsleben, am Starkult und am Raubtier-Kapitalismus.Foto: Duncan Stafford / PR
Eindeutige Bildsprache: Das Duo übt Kritik am modernen Arbeitsleben, am Starkult und am Raubtier-Kapitalismus.Foto: Duncan Stafford / PR

Die Szene trifft einen Nerv der Zeit: Während ein wohlgenährter Bademantel-Pascha samt Drink und Zigarre den lieben langen Tag auf seiner Yacht über den Fluss tingelt, pöbelt ein als Normalo verkleideter Musiker ins Mikrofon, als gäbe es kein Morgen auf dieser schönen Welt, wo Arm und Reich sich streng beäugen. Der Mann im Musikvideo heißt Jason Williamson und die Band Sleaford Mods. Es ist eine Art Post-Punkmusik, die minimalistischer kaum sein könnte. Ein großer Happen Hip-Hop, gewürzt mit dem Geist verzerrter Gitarren und Techno-Elementen.

Musik wie

Pommes mit Zwiebeln

Das Duo gibt sich trotz sparsamer Instrumentierung aus Laptop-Elektronika und ebenjenen kontrollierten Wutausbrüchen betont arbeitsam, wie es sich eben gehört für Jungs aus der Arbeiterklasse. Der Mann am Laptop, Andrew Robert Lindsay Fearn, macht dabei die gute Miene zur bösen des Sprechsängers. Obwohl das alles irgendwie klischeehaft klingt, so wirken die beiden doch keinesfalls wie ein Kunstprodukt vom Fließband.

Ob eigene Geldnöte im kreativen Prozess eine Rolle spielten, sei mal dahingestellt. Zumindest haben die Sleaford Mods inzwischen so viel Erfolg mit ihrer Musik, dass sie sich das eine oder andere Schnitzel mit Spargel leisten können. Die Themen der zwei aus Nottingham sind auch auf dem aktuellen Album „English Tapas“ globaler Natur. Ob Trump, Brexit oder allgemeiner: Gier, Korruption, Diskriminierung und Ausbeutung – es gibt genügend Stoff für Texte, die den Massen aus den Herzen sprechen könnten. Über sein eigenes Land sagt Jason Williamson zum Beispiel: „Ich weiß nicht, was Theresa May macht. Sie macht nicht viel. Der Verfall hat schon eingesetzt.“ Und auch über seine Heimatstadt Nottingham äußerst er sich mit Worten, die man lieber nicht aufschreiben sollte. „Aber es ist eben mein Zuhause.“

Ganz ohne Humor geht es dann doch nicht. Zum Albumnamen sagt Williamson: „Tapas sind ja eigentlich lecker. Und dann bekommst du die englische Version serviert. Eine Schüssel Pommes mit eingelegter Zwiebel. Wow.“

Service

Was: Sleaford Mods

Wann: 17. Mai, 20 Uhr

Wo: Beatpol, Dresden

Tickets: 28,20 Euro

Hotline: 0351 866 600

Internet: www.sleaford-mods.myshopify.com

Verlosung

Wir vergeben zweimal zwei Freikarten – über [email protected], mit Angabe von Name & Stichwort. Die Gewinner werden bereits am Donnerstag ab 12 Uhr per E-Mail benachrichtigt.