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Freitag, 13.07.2018 Aus dem Gerichtssaal

Dealerin vor Gericht

Eine 38-jährige Leisnigerin soll mehrfach mit Drogen gehandelt haben. Nun muss sie selbst regelmäßig zum Drogentest.

Von Helene Krause

© Symbolbild/dpa

Döbeln. Eine 38-jährige Frau aus Leisnig wollte sich durch den Handel mit Crystal eine Einnahmequelle verschaffen. Deshalb verkaufte sie Mitte März 2017 einem Bekannten vier Gramm der Droge im Wert von 62 Euro. Wenig später erwarb der Mann von ihr 29,35 Gramm Crystal im Wert von 1 885  Euro. Das Betäubungsmittel hatte einen Wirkstoffgehalt von 73,2 Prozent Metamphetamin. Drei Monate später soll die Angeklagte 1,85 Gramm Crystal bei sich gehabt haben. Das brachte sie vors Amtsgericht Döbeln. Der Vorwurf: unerlaubter Erwerb und Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.

Gleich zu Beginn der Verhandlung bittet Verteidiger Peter Hollstein aus Dresden das Gericht um ein Rechtsgespräch. Dessen Ergebnis ist, dass die Angeklagte, sollte sie ein umfassendes Geständnis ablegen, nur mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten rechnen muss. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.

Daraufhin gesteht die Beschuldigte, die nach eigenen Angaben 2017 das letzte Mal Crystal konsumierte, die Taten. Wie sie dazu kam, Betäubungsmittel zu nehmen, kann sie nicht mehr genau sagen. „Ich bin irgendwie ins Drogenmilieu reingerutscht“, so die Angeklagte, die sechs Kinder hat, jahrelang als Krankenschwester tätig war und deren Mann bis 2022 in Haft ist. Dem Bekannten verkaufte sie das Crystal auf Kommissionsbasis. Die Menge, die er am 15. März 2017 erwarb, bezahlte er am 17. März. An dem Tag nahm er dann die 29,35 Gramm des Betäubungsmittels mit, die er beim nächsten Kauf bezahlt hätte.

Im Falle des Klipptütchens mit 1,85  Gramm Crystal kann die Beschuldigte nicht mehr sagen, ob es ihr gehört hat oder ob es ein anderer in dem Haus, in dem sie wohnt, verloren hat. Daraufhin stellt das Gericht das Verfahren in diesem Anklagepunkt ein.

Durch das umfassende Geständnis der Beschuldigten werden die Zeugen entlassen. Nur der Kunde, der bei ihr das Crystal erworben hat und der wegen der Tat schon verurteilt wurde, wird gehört. Er bestätigt die Aussage der Angeklagten.

Vor Gericht ist die Beschuldigte nicht unbekannt. Vier Einträge hat sie im Bundeszentralregister stehen. Drogendelikte sind nicht darunter. Erst Anfang dieses Jahres war sie vom Amtsgericht Döbeln wegen Diebstahls und wegen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden (DA berichtete).

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Karin Fahlberg verurteilt die Beschuldigte zu der vorgeschlagenen Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre und sechs Monate Bewährung. Das eingenommene Drogengeld in Höhe von 260 Euro wird als Wertersatz vom Gericht eingezogen – genau wie bei ihr gefundenen Drogenutensilien und ihr Handy. Die Angeklagte muss mehrere Auflagen erfüllen: zur Suchtberatung gehen, auf eigene Kosten Drogentests anfertigen lassen und dem Gericht vorlegen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.