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Samstag, 09.07.2016

DDR-Museum geht in die Insolvenz

Grund sind gesunkene Besucherzahlen und zu hohe Mieten. Vielleicht kann eine Neugründung das Haus retten.

Hollywood-Schauspieler Tom Hanks war auch schon im Radebeuler DDR-Museum. Er suchte hier nach alten Schreibmaschinen der Erika-Reihe.
Hollywood-Schauspieler Tom Hanks war auch schon im Radebeuler DDR-Museum. Er suchte hier nach alten Schreibmaschinen der Erika-Reihe.

© dpa/Thomas Kube

Radebeul. Dem DDR-Museum in Radebeul geht es nicht gut. Seit dem 1. Juli läuft das offizielle Regelinsolvenzverfahren für die DDR Museum Zeitreise Wasaparkausstellungsgesellschaft mbH. Das bestätigt Rechtsanwalt Alexander Krusch, Anwaltskollege von Rüdiger Weiß, der vom Gericht als Insolvenzverwalter bestellt wurde.

Promis wollen, dass das DDR-Museum bleibt

Bereits am 7. April musste DDR-Museums-Geschäftsführer Hans Joachim Stephan anzeigen, dass die Museums GmbH in Zahlungsschwierigkeiten ist. Das Hauptproblem ist der Mietvertrag, die Miethöhe, sagt Anwalt Krusch. Laut Stephan beträgt die Miethöhe derzeit 3,80 Euro netto für 3 500 Quadratmeter. Rund 13 300 Euro Mietzahlung bedeutet das jeden Monat. „Das können wir derzeit nicht mehr erwirtschaften“, sagt Stephan.

Nach besseren Zeiten mit steigenden Besucherzahlen von bis zu 57 000 im Jahr kam 2015 der Einbruch auf 41 000 Besucher. Jetzt geht es zwar wieder leicht bergauf – die Halbjahreszahlen liegen Ende Juni bei gut 23 000 Besuchern. Aber Mietschulden von rund 60 000 Euro lasten dennoch auf der Museums GmbH. Geschäftsführer Stephan: „Wir haben auch weiter gespart, sind jetzt nur noch drei feste, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter und ich als Geschäftsführer, aber ohne eine Veränderung an der Miethöhe ist es nicht zu packen.“

Das sieht auch die für die Insolvenzverwaltung bestellte Dresdner Kanzler Wallner und Weiß so. Sie hatte bereits Schriftwechsel mit dem Besitzer des verglasten DDR-Plattenbaus an der Ecke Meißner Straße, Wasastraße in Radebeul-Ost. Es sind vermögende Spanier, die offenbar auch keinen Vertreter in Deutschland haben.

Anwalt Krusch: „Auf unsere Bitten, einen neuen Mietvertrag zu verhandeln, sind sie bisher nicht eingegangen. Wir haben auch eine vom Umsatz abhängige Miete angeboten.“ Der Austausch sei schwierig, weil eben nur Briefe oder Mails geschickt werden könnten.

Ganz ohne solche Schwierigkeiten hatte die Geschichte des DDR-Museums mal begonnen. Im Oktober 2005 öffneten Hans Joachim Stephan und Wolfram Kotte als gemeinsame Gesellschafter das DDR-Museum Zeitreise. Freudig sprachen sie damals von 10 000 Besuchern und einer zu erweiternden Ausstellungsfläche – noch heute auf der Internetseite des Museums unter Entwicklungskonzept nachzulesen.

Inzwischen ist das Museum gewachsen, hat Abteilungen zu nahezu allen Lebensbereichen der DDR und wird von Schulklassen, der Bundeswehr, Hochschulen und Universitäten zu Schulungs- und Forschungszwecken besucht. Die Volkssolidarität im Elbtalkreis-Meißen nutzt das Haus und die Gaststätte „Seventies“ nebenan für Veranstaltungen. Experten bestätigen dem Radebeuler DDR-Museum ein wissenschaftlich fundiertes Vorgehen und nicht nur eine Ansammlung von historischen Stücken.

Weil das so ist, haben sich selbst Promis wie Hollywood-Schauspieler Tom Hanks, die Entertainer Gunter Emmerlich und Hartmut Schulze-Gerlach (Künstlername Muck), der Schauspieler und Kabarettist Uwe Steimle und der Biathlon-Olympiasieger Frank-Peter Roetsch für das Haus eingesetzt. Hanks hat hier die Schreibmaschinensammlung aus dem Erika-Werk bewundert. Museumsgeschäftsführer Stephan: „Wir planen Veranstaltungen mit unseren prominenten Unterstützern.“

Wichtiger noch ist es, mit den Spaniern klarzukommen. Laut Stephan wollen diese neue Ansprechpartner. Der erste Versuch, eine gemeinnützige GmbH zu gründen, ging allerdings im Juni schief. In diese GmbH hätten mehrere Gesellschafter eintreten müssen – darunter die Volkssolidarität als einer der Betreiber des Museums. In einer Abstimmung zur Mitgliederversammlung der Volkssolidarität (VS) wurde das jedoch abgelehnt.

Den nächsten Versuch wollen die Mitstreiter um Stephan und den Radebeuler VS-Geschäftsführer Frank Stritzke Mitte August unternehmen. Dann soll ein gemeinnütziger Trägerverein gegründet werden. Dafür bestehen offenbar größere Chancen. Mit einem solchen Verein bestünden dann auch Möglichkeiten, Förderanträge zu stellen, was bei einer privaten GmbH, was das Museum jetzt ist, nicht machbar sei.

Wir möchten in den nächsten Monaten, ohne uns eine Frist zu setzen, eine Lösung hinbekommen“, heißt es von Anwalt Krusch. Der Museumsverkehr läuft normal weiter, das Haus ist wie bisher geöffnet, die Löhne für die Mitarbeiter können gezahlt werden. Das  alles sei auch wichtig, so Stephan, weil es wieder viele Anfragen von Schulen gibt, die das Museum zu Unterrichtszwecken besuchen wollen.

Auch nach Alternativen in anderen Immobilien schaue sich die Geschäftsführung um, heißt es. Zum Beispiel in Dresden.