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Mittwoch, 08.08.2018

Das Sofa aus dem Internet

Die Branchengrößen beherrschen zwar noch immer den Möbelhandel. Doch der Onlineverkauf macht ihnen inzwischen spürbar Konkurrenz.

Von Erich Reimann

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Beim schwedischen Möbelriesen Ikea soll der Umsatz im Internet in den nächsten Jahren von derzeit sechs auf bis zu 30 Prozent steigen. „Die Zeit der großen Möbel-Paläste am Stadtrand ist vorbei“, meint der Ikea-Deutschland-Chef Dennis Balslev.
Beim schwedischen Möbelriesen Ikea soll der Umsatz im Internet in den nächsten Jahren von derzeit sechs auf bis zu 30 Prozent steigen. „Die Zeit der großen Möbel-Paläste am Stadtrand ist vorbei“, meint der Ikea-Deutschland-Chef Dennis Balslev.

© dpa

Die Deutschen kaufen im Internet nicht nur Bekleidung, Bücher und Elektronik, sondern auch immer mehr Möbel. Dem muss jetzt sogar Deutschlands größter Möbelhändler Ikea Rechnung tragen. Der schwedische Konzern will keine zusätzlichen blauen Riesengeschäfte auf der grünen Wiese mehr bauen, stattdessen verstärkt er seine Online-Angebote und plant kleinere, innenstadtnahe Geschäfte.

„Die Zeit der großen Möbel-Paläste am Stadtrand ist vorbei“, sagte Ikea-Deutschland-Chef Dennis Balslev kürzlich in einem Interview mit der Tageszeitung Welt. Die Zahl der Online-Bestellungen wachse schnell. Ikea werde deshalb seine Online-Präsenz deutlich ausbauen. „Das ist die Zukunft, da haben wir keinen Zweifel.“

Tatsächlich steht nach einer Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS im Auftrag des Handelsriesen Otto jeder zweite Deutsche dem Möbelkauf im Netz offen gegenüber. Jeder Dritte hat schon einmal ein Einrichtungsstück im Internet gekauft. „Der Möbelhandel ist beim Thema E-Commerce schon viel weiter, als den meisten bewusst ist. Der Online-Anteil an den Umsätzen liegt heute schon bei zehn Prozent – und dabei geht es nicht um Accessoires, sondern echte Möbel“, betont der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Punkten kann das Internet bei Möbelkäufern demnach nicht zuletzt, weil dort die Suche nach dem besten Preis viel einfacher ist als in den klassischen Möbelläden. Und dabei geht es um viel Geld. Laut der kürzlich von der Unternehmensberatung KPMG und dem Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) herausgegebenen Studie „Auf Zukunft eingerichtet“ geben die Deutschen jährlich insgesamt mehr als 40 Milliarden Euro für die Gestaltung der eigenen vier Wände aus.

Aber auch als Inspirationsquelle verlieren die Möbelpaläste – egal, ob von Ikea oder den Rivalen XXXLutz oder Höffner betrieben – gerade bei jungen Leuten an Bedeutung. Während sich von den 50- bis 59-jährigen Verbrauchern noch 59 Prozent beim Bummel durch ein Möbelhaus inspirieren lassen, sind es bei den unter 30-jährigen nur noch 46 Prozent, wie kürzlich die Studie „Wohnen und Leben 2018“ ergab. Stattdessen dienen die Wohnungen von Freunden, Online-Blogs oder Reiseerlebnisse als Inspirationsquelle. Vorreiter beim Online-Handel mit Möbeln ist in Deutschland der Versandhändler Otto. „Sein Marktanteil liegt wohl um die 50 Prozent – mit steigender Tendenz“, berichtet Heinemann. Doch auch Amazon hat es nach einem Ranking des Fachmagazins „Möbel Kultur“ inzwischen unter die Top 10 der deutschen Möbelhändler geschafft. Für den etablierten Möbelhandel ist das eine Herausforderung. Denn auch, wenn viele Händler eigene Online-Shops haben, ihr Geschäftsmodell passt nicht unbedingt in die neue Zeit. „Bei den traditionellen Möbelhändlern müssen die Kunden heute ja oft noch mit drei bis vier Monaten Lieferzeit rechnen. Das geht im Online-Handel nicht. Da bremst sich der Möbelhandel selbst aus“, beschreibt Heinemann das Problem. Den Verzicht auf den neuen Vertriebsweg kann sich kein Händler leisten. Denn die Geschäfte mit Sofas, Schränken, Tischen und Co. laufen im Moment eher schlecht, die Nachfrage stagniert. Der Möbelbedarf hierzulande sei nach vier wachstumsstarken Jahren offensichtlich vorerst gedeckt, glaubt nicht nur der IFH-Möbelexperte Uwe Krüger.

Nur der Internethandel scheint immun zu sein gegen die Kaufzurückhaltung. Online gaben die Bundesbürger nach Angaben des E-Commerce-Branchenverbandes im Jahr 2017 sogar über 20 Prozent mehr für Einrichtung aus als im Vorjahr.

Kein Wunder also, dass praktisch alle großen Möbelhändler inzwischen Online-Auftritte haben. Der unangefochtene Marktführer im deutschen Möbelhandel, Ikea, der nach Ansicht von Experten das Online-Geschäft lange „mit angezogener Handbremse“ betrieb, will jetzt im Internet richtig Gas geben. Der Umsatzanteil des Internethandels bei Ikea könne innerhalb weniger Jahre von derzeit sechs auf 26  bis 30 Prozent steigen, prognostiziert Deutschland-Chef Balslev. Dazu will das Unternehmen nicht zuletzt den Lieferservice beschleunigen. Ziel sei eine „Lieferung am selben oder am Folgetag“, heißt es bei Ikea. Doch nicht nur bei Ikea tut sich etwas. Der Internet-Möbelhändler Home24 hat sich mit seinem Börsengang Geld für zusätzliche Wachstumsspielräume besorgt. Und auch etliche andere Onlinehändler wie Westwing oder Wayfair kämpfen um ein Stück vom Kuchen.

„Der Online-Handel mit Möbeln wird weiter massiv an Bedeutung gewinnen“, ist Handelsexperte Heinemann überzeugt. Wenn es erst einmal gelinge, die langen Lieferfristen abzuschaffen, werde „der Online-Anteil am Möbelhandel irgendwann genauso hoch sein wie heute schon bei Bekleidung“, glaubt der Experte. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Black Forrest

    Der Markt und das Konsumverhalten der Leute entwickelt sich ständig hin und her, das spüren wir im Ladenbau ganz deutlich. Die Mischung macht es, ein reines Ladengeschäft kann ohne Onlinehandel nicht mehr bestehen und es gibt genauso reine Onlinegeschäfte die anfangen Läden zu bauen, und wenn es nur reine Showrooms sind. Und das gilt für so ziemlich alle Produktgruppen. Wer diese Entwicklung als Verkäufer/Ladenbesitzer verschläft oder sich eben nur einseitig entwickelt der wird über kurz oder lang auf der Strecke bleiben oder brauch sich nicht wundern wenn der Umsatz ausbleibt.

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