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Dienstag, 15.05.2018

Das sagt die Polizei zum Fall des Heideschützen

Sachsens Innenminister Roland Wöller und Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar erklären, was den Mord an der Nachbarin und die Angriffe auf die Polizei auslöste.

Polizeipräsident Horst Kretzschmar (Mitte) und Innenminister Roland Wöller (rechts) bei der Pressekonferenz am Dienstag.
Polizeipräsident Horst Kretzschmar (Mitte) und Innenminister Roland Wöller (rechts) bei der Pressekonferenz am Dienstag.

© SZ

Dresden. Der Fall des Sportschützen Robert K.: Mutmaßlicher Mörder seiner Nachbarin. Dann die Flucht in die Königsbrücker Heide, Schusswechsel mit der Polizei und schließlich sein Selbstmord. Am Dienstag erklärte Innenminister Roland Wöller gemeinsam mit Polizeipräsident Horst Kretzschmar was wann passierte. Die neuen Fakten im Überblick:

Motiv und Brief

Am Donnerstag gab es in der Wohnung von Robert K. auf der Waldemarstraße in Dresden Kaditz einen Polizeieinsatz. Die Beamten fanden sieben Waffen, die sie in Verwahrung nahmen - laut Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar ein wichtiger Fakt für das Motiv des Täters.

Nachdem K. am Samstag seine 75 Jahre alte Nachbarin tötete, fanden Beamten einen Brief in der Wohnung des 33-Jährigen, in dem er sich selbst als Opfer polizeilicher Willkür sieht. K. nannte in dem Schriftstück insbesondere die gegen ihn getroffenen polizeilichen Maßnahmen am Männertag. Als Reaktion kündigte er an, zu Handlungen überzugehen, die sich an Bewohner seines Hauses richten. Außerdem sollten gezielt die Verantwortlichen (die Polizei) zur Rechenschaft gezogen werden, heißt es.

Aufgrund der Analyse, dass der Täter Angriffe auf die Polizei abzielt, wurde sich schnell um Spezialkräfte bemüht und die Öffentlichkeitsfahndung eingeleitet, erklärt der Polizeipräsident.

Tatwaffe

Robert K. schoss mit einer 356 Smith & Wesson auf einen GSG9-Beamten, als dieser die Tür zum Dachboden in dem Kasernenbau in Königsbrück öffnete, in welchem sich K. am Montag verschanzte. Der Beamte wurde am rechten Unterarm getroffen. Er ist laut Innenminister Wöller wohlauf und ansprechbar. Auch ein Hund wurde beim Einsatz angeschossen. Ob er den Tag überleben wird, ist unklar, sagte Wöller. K. selbst schoss sich später mit dieser Waffe in den Kopf. Eine Obduktion des Leichnams soll die genaue Todesursache klären.

Der Revolver stammt dem Schützenverein in Dresden-Klotzsche, in dem K. seit rund zehn Jahren aktives Mitglied war. Das teilte die Polizei am Dienstagnachmittag mit. K. hatte die Waffe dort am Freitag gestohlen.

Täter

Robert K. soll ein Einzelgänger gewesen sein, dessen Lebensmittelpunkt der Schützenverein war. Anhaltspunkte, dass er der rechten Szene angehörte oder Reichsbürger war, gibt es nicht.

Ausrüstung der Polizei

Insgesamt 921 Beamte waren im Einsatz: mobile Einsatzkommandos aus Sachsen und Brandenburg, die Bundespolizei sowie Beamte der GSG9. Von dieser Spezialeinheit waren auch alle gepanzerten Fahrzeuge im Einsatz. Sie spielten während der Fahndung in der Königsbrücker Heide eine wichtige Rolle, erklärte Kretzschmar. Als sich die Beamten dem Kasernenbau näherten, wurden sie unvermittelt vom Täter beschossen. Drei Spezialfahrzeuge der Polizei wurden beschädigt. Die Einschusslöcher an den Fahrzeugen wurden am Dienstagnachmittag bei einer zweiten Pressekonferenz gezeigt. (szo)

Die Pressekonferenz im Video (ab Minute 16)