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Mittwoch, 16.05.2018

Das Krematorium wird wie es mal war

Das Jugendstilgebäude in Tolkewitz erhielt zu DDR-Zeiten mehrere Anbauten. Jetzt sind die Restauratoren am Werk.

Von Kay Haufe

Hoch über Restaurator Ralf Vogelreuter von der Firma Fuchs und Girke kreisen die Turmfalken, die im Krematorium brüten. Unter ihnen entsteht die Ansicht des Ostflügels neu.
Hoch über Restaurator Ralf Vogelreuter von der Firma Fuchs und Girke kreisen die Turmfalken, die im Krematorium brüten. Unter ihnen entsteht die Ansicht des Ostflügels neu.

© Christian Juppe

So viel Stadtgeschichte findet sich selten an einem Ort. Auf dem Tolkewitzer Urnenhain liegen nicht nur bedeutende Persönlichkeiten Dresdens begraben, sondern der Friedhof entstand nach den Ideen der Reformbewegung. Die Feuerbestattung war darin ein wichtiger Bestandteil, die durch das Krematorium hier 1911 erstmals in Dresden möglich war.

2011 feierte das monumentale Sandsteingebäude, das vom Reformarchitekten Fritz Schumacher entworfen wurde, sein 100-jähriges Jubiläum. Die Öfen lodern darin allerdings schon seit 1994 nicht mehr. Übergangsweise war eine Baracke in Betrieb, die 2005 durch eine moderne Verbrennungsanlage in einem Betonbau ersetzt wurde. Doch am Krematorium wird inzwischen wieder gearbeitet.

„Wir haben bereits vor zwei Jahren einen Anbau aus den 1970er Jahren am Ostflügel abreißen lassen, in dem sich früher die Umkleide-und Duschräume der Feuerbestatter befanden“, sagt Robert Arnrich, der Leiter des städtischen Eigenbetrieb Friedhofs- und Bestattungswesen. Das Jahr 2017 wurde genutzt, um Fördermittel für die Wiederherstellung der ursprünglichen Ansicht zu beantragen. Nun sind Restauratoren und Maurer dabei, diese Originalansicht wiederherzustellen.

Im September sollen die angegriffenen Sandsteinbögen der Fassade neu verblendet und die Wände verputzt sein. „Die Ansicht von der Elbe wird dann wieder fast die ursprüngliche sein“, sagt Jens Börner, der Leiter des Urnenhains. Denn einen Anbau gibt es noch auf der Westseite des Krematoriums, der auch noch verschwinden soll. Doch vorher muss der Wandelgang saniert werden, der sich bereits an einigen Stellen senkt. „Das haben wir bereits eingeplant. In drei bis vier Jahren wird Geld dafür da sein“, sagt Robert Arnrich. Erst danach könne auch der letzte Anbau verschwinden.

Fast 150 000 Euro kostet die Wiederherstellung der östlichen Fassadenansicht. Rund 60 000 Euro davon sollen aus Denkmalschutz-Fördertöpfen der Landesdirektion kommen. „Allerdings werden die meist sehr spät bewilligt, sodass wir in die kalte Jahreszeit gekommen und nicht mehr fertig geworden wären“, sagt Arnrich. Deshalb hat er vorfristig mit dem Bau begonnen. „Auf eigenes Risiko“, sagt er. Doch selbst der Denkmalschutz bestätigt, dass das Tolkewitzer Krematorium so bedeutend sei, dass wohl mit dem Geld gerechnet werden kann.

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