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Dienstag, 19.06.2018

„Das Konzept ist gut, hat aber Hänger“

Auf der Bunten Republik Neustadt gab es zum ersten Mal Inseln. BRN-Koordinatorin Ulla Wacker zieht ein erstes Fazit.

Von Nora Domschke

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Hatte am vergangenen Wochenende in der Neustadt alles im Griff: BRN-Koordinatorin Ulla Wacker.
Hatte am vergangenen Wochenende in der Neustadt alles im Griff: BRN-Koordinatorin Ulla Wacker.

© Sven Ellger

Die Bunte Republik Neustadt 2018 ist Geschichte. Hinter Anwohnern, die selbst etwas auf die Beine gestellt haben, und vielen anderen Veranstaltern liegt eine anstrengende und nervenaufreibende Vorbereitungszeit. Auch hinter BRN-Koordinatorin Ulla Wacker. In ihrem Büro versuchte sie in den vergangenen Tagen vor und während des Festes den Überblick über das „geordnete Chaos“ zu behalten, wie sie selbst sagt. Das blieb auch in diesem Jahr nicht aus. Mit der SZ spricht sie über verspätete Genehmigungen, die Sicherheit und das neue Konzept mit den Inseln.

Frau Wacker, haben Sie auf der BRN etwas entdeckt, das Sie überrascht hat?

Ja, die Insel Nordbad-Passage. Das war komplett nur von Anwohnern organisiert. Dort stellte sich der Verein Buchkinder vor, das war wirklich zauberhaft. Der Bauzaun, der Wildpinkler abhalten sollte, wurde zur Bildergalerie umfunktioniert. Aber wir haben bis kurz vor dem Fest geschwitzt, ob der Eigentümer seine Zustimmung gibt.

Apropos Zustimmung: Warum gab es auch dieses Mal wieder Probleme mit den Genehmigungen der Stadt?

In manchen Fällen flatterte der Bescheid wirklich erst einen Tag vor dem Fest ein. Oder im schlimmsten Fall: die Absage. Wie bei einer Gruppe von Studenten, die an der Ecke Bautzner/Rothenburger Straße einen selbst gebauten Spielautomaten aufstellen wollten. Das wurde abgelehnt. Wir haben dann in der Nordbad-Passage einen Stellplatz gefunden.

Es gab aber auch in diesem Jahr wieder etliche Beispiele dafür, wie schwierig es ist, das Sicherheitskonzept umzusetzen. So stand die Bühne vor der Kneipe „Blondes“ in der Louisenstraße bis zuletzt auf der Kippe, weil es gegenüber zwei Bars mit Außenbestuhlung gibt. Die Befürchtung war groß, dass es dann zu eng ist. Die Genehmigung dafür kam auf den letzten Drücker.

Gab es denn wegen der späten Bescheide auch Absagen von Veranstaltern?

Die meisten hatten Geduld, aber ja, es gab auch vereinzelte Absagen. Was ja durchaus verständlich ist, wenn die Veranstalter schon Geld investieren sollen, obwohl der Bescheid noch aussteht. Ich frage mich immer, ob die Verwaltung denn nicht weiß, dass man sich nicht erst einen Tag vor dem Fest um Tontechniker, Musiker, Getränke oder Essen kümmern kann.

Nun kommt noch dazu, dass die Verantwortlichen der zehn Inseln noch keine Bescheide über die Gebühren bekommen haben, die die Stadt für das Aufstellen von den Ständen erhebt. Wir müssen jetzt klären, wer dann die Kosten für jene Stände übernimmt, die abgesagt wurden. Da hoffe ich, dass die Stadt uns entgegenkommt.

Das klingt nach einer Menge Aufwand für die Inselverantwortlichen, auch nach der BRN. Welche Reaktionen haben Sie von ihnen?

Das Konzept mit den verschiedenen Inseln, das ja die Stadtverwaltung gefordert hat, ist im Prinzip gut. Anwohner, die etwas auf die Beine stellen wollen, haben nun einen Ansprechpartner. Da ist viel Gutes passiert, zum Beispiel auf der Insel „Vogelschutzgebiet“ mit den Anwohnern der Tal-, Schönfelder und Kamenzer Straße. Aber das Konzept hat auch Hänger. Es hat sich eben gezeigt, dass es sehr viel Arbeit für die Inselverantwortlichen ist, die sich unter anderem um die Anmeldung von Ständen und Bühnen kümmern und alles koordinieren. Wenn dieser Aufwand mit zu spät ausgestellten Genehmigungen gefährdet wird, ist das schade. Das muss im nächsten Jahr einfach besser laufen. Bislang hat allerdings noch kein Inselverantwortlicher zu mir gesagt, dass er nicht mehr dabei sein wird. Gut bewertet wurde der Workshop im Januar, bei dem die Stadt das Inselkonzept vorgestellt hat. Gleich danach bildeten sich die zehn Inseln, die wir nun zur BRN erlebt haben. Danach wäre allerdings ein weiteres Treffen nötig gewesen.

Sind die Insellösungen also ein Konzept für die Zukunft?

Ich formuliere es mal so: Es ist ein zartes Pflänzchen, das nun wachsen und gedeihen muss. Wir sind bereit, daran zu arbeiten. Deshalb wünschen wir uns von der Stadt, dass wir in die Auswertung der diesjährigen BRN und die weiteren Planungen mit einbezogen werden. Jeder, der zur nächsten BRN wieder etwas veranstalten will, sollte möglichst bald wissen, ob und wie es 2019 weitergeht.

Was ist aus dem Gutachten geworden, das sich mit den Strukturen und der Bedeutung der BRN befasst?

Matthias Munkwitz ist Professor an der Hochschule Zittau/Görlitz und arbeitet derzeit noch an diesem Gutachten. Spätestens Ende des Jahres sollen die Ergebnisse vorgestellt werden. In den vergangenen Tagen führte er Gespräche mit der Verwaltung, den Veranstaltern und auch mit mir. Das größte Problem sei die Bürokratie. Das Chaos brauche eine Form, sagte er zu mir. Und dass er einen Ansatz gefunden hat, wie sich das umsetzen lässt. Wir sind gespannt, wie diese Lösung aussieht.

Das Gespräch führte Nora Domschke.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Heinz

    Ich wünsche mir eine BRN "Chillout-Edition", ohne diesen Musik-Wahnsinn, denn für mich ist die BRN kein familienfreundliches Fest, wenn Kinder mit Gehörschutz herumlaufen müssen und man selbst irgendwann durchdreht, weil einem fünf Musikrichtungen gleichzeitig um die Ohren wehen.

  2. Jan

    Auf jeden Fall mal ein riesiges Dankeschön an die Inselverantwortlichen und an Ulla und ihr Team.

  3. Berg

    Ein Polizeibericht enthielt 2 (zwei!!!) Frauen, die unverhofft und ungewollt geküsst wurden. Ein Afghane hat da etwas falsch verstanden. Aber man sieht: auch in der erotischen Komponente waren die Teilnehmer sehr brav.

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