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Freitag, 09.11.2018

„Das ist kein Fehlstart“

DSC-Vorstandschef Jörg Dittrich glaubt trotz Pokal-Aus an sein Volleyballteam, bangt aber vor dem Jahr 2021.

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Eine Abwechslung in der harten Trainingswoche vor dem ersten Heimspiel war der Abend im Kurländer Palais. Die Mannschaft stellte sich ihren Sponsoren vor.
Eine Abwechslung in der harten Trainingswoche vor dem ersten Heimspiel war der Abend im Kurländer Palais. Die Mannschaft stellte sich ihren Sponsoren vor.

© Robert Michael

  • Eine Abwechslung in der harten Trainingswoche vor dem ersten Heimspiel war der Abend im Kurländer Palais. Die Mannschaft stellte sich ihren Sponsoren vor.
    Eine Abwechslung in der harten Trainingswoche vor dem ersten Heimspiel war der Abend im Kurländer Palais. Die Mannschaft stellte sich ihren Sponsoren vor.
  • In Redelaune und optimistisch ist Jörg Dittrich beim Sponsorenabend.
    In Redelaune und optimistisch ist Jörg Dittrich beim Sponsorenabend.

Auf der Videoleinwand laufen Bilder aus besseren Tagen. Vom gewonnenen Meisterschaftsfinale 2015. Ein Filmchen vom diesjährigen Pokalsieg hatte Jörg Dittrich auch vorbereitet. Doch der Vorstandschef der Dresdner Volleyball-Frauen fand das beim Sponsorenempfang angesichts der derzeitigen Situation offenbar nicht angebracht. „Es ist schon eine komische Saisoneröffnung“, gibt Dittrich zu. „Zwei Titel sind schon weg.“ Der DSC verlor erst den unwichtigen Supercup, dann die erste Runde im Pokal gegen Stuttgart. Wie der ambitionierte Klub mit dem ersten verpassten Ziel umgeht, erklärt der 49-Jährige im SZ-Interview vor dem ersten Heimspiel der Saison am Sonnabend gegen Erfurt.

Jörg Dittrich, würden Sie von einem Fehlstart sprechen?

Das ist kein Fehlstart. Dass wir enttäuscht sind, ist aber keine Frage. Es ist ja etwas passiert, was wir erst in zwölf Monaten wieder reparieren können.

Wie gehen Sie mit den Niederlagen um? Sie sind extrem schmerzlich, aber wir können aufzeigen, dass man mit diesen Dingen umgehen muss. Aufstehen, Krone richten und einfach vorwärtswalzen. Es ist nicht unser Anspruch, zwei Spiele so zu verlieren. Wir müssen jetzt mit Teamfähigkeit, Bescheidenheit und auch Entschlossenheit punkten.

Welchen Eindruck haben Sie von der jetzigen Mannschaft?

Ich glaube, dass die Einzelspielerinnen sehr gut sind. Der Trainerstab hat die Aufgabe, diese Einzelbegabungen herauszuarbeiten und zu einem Team zusammenzufügen. Das hat in den beiden verlorenen Spielen noch nicht gereicht. Für die Saison bin ich aber sehr optimistisch – vor allem, wenn Piia Korhonen wieder gesund ist.

Die Mannschaft wurde im Sommer noch einmal verstärkt. Haben Sie dafür auch Ihren Etat aufgestockt?

Ja, wir haben unseren Etat auf knapp 1,8 Millionen Euro erhöht, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir haben ihn in den vergangenen acht Jahren mehr als verdoppelt. Es muss das klare Ziel sein, in den nächsten acht Jahren mindestens dasselbe zu erreichen. Dafür müssen wir mehr überregionale Aufmerksamkeit erzeugen.

Am liebsten im Fernsehen?

Wir bemühen uns um eine engere Kooperation mit dem MDR. Wir werden in dieser Saison in zehn Hauptrundenspielen auf Sport 1 zu sehen sein – auch eine Steigerung. Wir möchten Trendsetter sein, im Sport, im Management und im Event. Wir hatten früher das Ziel, in Europa anzukommen, das sind wir. Aber finanziell können wir noch lange nicht mit italienischen, türkischen, russischen Klubs mithalten.

Die Basketball-Bundesliga erhält bereits vier Millionen Euro Fernsehgeld pro Saison. Wann fließt TV-Geld in den Volleyball zurück?

Das entwickelt sich nicht von einer Saison auf die andere. Aber dass wir für Sport 1 interessant sind, lässt uns hoffen. Es ist das Alleinstellungsmerkmal des Volleyballs, dass die Frauen-Bundesliga höhere Quoten als die der Männer erzielt. Es kann sein, dass es eine Ausschüttung an die Liga gibt, das wissen wir aber noch nicht. Vielleicht entscheidet man sich auch gemeinschaftlich dazu, dieses Geld zu nutzen, um noch mehr Spiele zu produzieren. Das wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Bringt Ihnen das frühe Pokal-Aus vielleicht sogar einen finanziellen Vorteil?

Das ist kein Vorteil, das ist schlecht. Unser Produkt ist Volleyball. Am wenigsten Geld würden wir natürlich verbrauchen, wenn wir den Spielbetrieb einstellen. Aber wir wollen so viel Volleyball wie möglich. Deshalb kritisieren wir die internationalen Verbände. Unser Saisonzeitfenster wird immer kleiner. Wenn wir wettbewerbsübergreifend vielleicht vier Heimspiele binnen 14 Tagen haben, ist das nicht sinnvoll.

Es gibt das Gerücht, dass einige Sponsoren den DSC verlassen haben und zu anderen Dresdner Vereinen gegangen sein sollen …

Das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Ich wüsste nicht einen Unterstützer, der zu einem anderen Klub abgewandert wäre. Wir haben einige dazugewonnen, und die Sponsoren, die bereits bei uns sind, haben teilweise ihr Engagement erhöht. Wir haben knapp 130 Sponsoren, mit den Partnern, die auch Tickets in Größenordnungen bezahlen, sind wir locker bei 140.

Vor zwei Jahren stand der DSC kurz vor dem Abschluss mit einem großen Namenssponsor. Gibt es in dieser Richtung Bewegung?

Ein solcher Unterstützer ist derzeit nicht in Sicht. Aber das muss definitiv unser Anspruch sein.

Eine andere Baustelle ist seit längerem die Margonarena. Wie ist die Hallensituation?

Kurzfristig wissen wir, dass das Dach undicht ist und bleiben wird. Und wir haben Probleme mit dem Brandschutz, aber die Hoffnung, dass wir in der Margonarena bleiben können. Unter welchen Auflagen, wissen wir jedoch noch nicht. Langfristig soll ein Umbau oder eine Ertüchtigung der Arena stattfinden. Was genau gebaut werden soll, können wir nicht sagen. Aber als Hauptnutzer, der dieser Halle eine öffentliche Wahrnehmung gibt, wäre es nett, zu wissen, was da passiert. Angekündigt wurde, dass wir ab 2021 vermutlich zwei Jahre nicht in der Halle spielen können.

Was würde das für Ihren Spielbetrieb bedeuten?

Falls das tatsächlich so kommen sollte, kann uns das um Jahrzehnte zurückwerfen. Ich vermute, dass ein Gedanke ist, in die Handballarena vom HC Elbflorenz zu gehen. Das Team in eine andere Stadt auszulagern, ist keine Alternative.

Sie wirken bei dem Thema frustriert. Fehlt Ihnen die Perspektive?

Ja. Es gibt momentan in Dresden keine Halle, die unseren Anforderungen entspricht. Der DSC hat in den vergangenen weit über 20 Jahren Herausragendes für die Stadt geleistet. Wir haben es einfach verdient, dass sich die Stadt zum DSC bekennt, dieses Problem gemeinsam mit uns löst und wir dieselbe Wertschätzung erfahren wie die Dresdner Philharmonie, der Kreuzchor und Dynamo Dresden.

Gespräch: Alexander Hiller, Michaela Widder

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Marc Brossmann

    Der letzten Aussage ist nur beizupflichten. Die DSC-Damen spielen seit mehr als 20 Jahren regelmäßig um den Titel, gewannen diesen einige Male und fristen leider doch nur ein Nischendasein. Andere (genannte) Vereine haben noch nie um irgendetwas Relevantes gespielt, genießen aber eine unverhältnismäßige mediale und letzlich auch finanzielle Aufmerksamkeit. Aber am Ende läuft es darauf hinaus, dass das Publikum in dieser Stadt, in diesem Land sich aus welchen Gründen auch immer ausschließlich dem - naja - mäßig attraktiven Fußball widmet. Daran haben durchaus auch Medien ihren Anteil, aber selbstredend auch seltsame Verbände und ihre nicht minder seltsamen Spielbetriebe. Ein Blick gen USA zeigt trotz aller Defizite ganz gut, wie eine attraktive und vielfältige Sportlandschaft ausschaut. Aber das Vorbild gilt hierzulande als Ausgeburt der Hölle, hier will man das Rad immer neu erfinden und bejammert am Ende stets lautstark, dass die Sache nicht rund wird. Sport frei...

  2. bernoi

    Es gibt nicht nur Fussball Dynamo und Eishockey Eislöwen und Radrennen und Marathonläufer. Der Breitensport ist viel größer in Dresden. Aber darüber wird am meisten berichtet wenn es um sportliche und finanzielle Erfolge geht. Ich betreibe auch 3 Sportarten wie Inlineskaten und Klettern und Windsurfen aber nehme nie an irgendwelchen Wettkämpfen teil und benötige auch nicht für mein Selbstwertgefühl Pokale und Urkunden. Mir geht es ausschliesslich um den Spass daran. Wenn ich mal die Gelegenheit habe spiele ich stümperhaft gern Volleyball und Tischtennis. Mich interessiert es nur nicht dabei anderen stundenlang zu zuschauen. Meine Kinder interessieren sich auch nicht für Ballsportarten aber sie machen regelmäßig mit viel Freude ihren Sport 2 mal die Woche beim Taekwondo -und Turnverein. Gerade übers Turnen wird auch extrem wenig in den Medien berichtet. Und sowieso ist Leistungssport nicht jedermanns Sache...auch der DSC Volleyball wird überleben...

  3. Rainer

    @1: volle Zustimmung! Es sei auch angemerkt, dass sellbst beim American Football sich mal ein paar Hitzköpfe AUF dem Feld nahekommen; aber sich niemals Fans prügeln oder derartige "Sicherheitsorgien" wie beim Dresdener Fußball nötig sind! Gerade was die Fankultur angeht, hat der Volleyball anderes verdient!

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