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Dienstag, 12.06.2018

„Das ist Hoywoy ... aber nur für uns“

Ein Abend im früheren Centrum-Warenhaus widmete sich den Anfängen der Hoyerswerdaer Neustadt.

Von Mirko Kolodziej

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Diese Bilder stammen aus dem Filmfragment „Der Elefant von Hoyerswerda“. Der Titel bezieht sich auf die Arbeit des Portalkrans beim ersten vollständigen Aufbau einer Stadt aus vorgefertigten Betonelementen. Der Streifen erzählt aus einer wilden Zeit, in der die Bauarbeiter noch bauten, während die Kinder die Baustellen als Spielplätze nutzten. Hier zu sehen ist sehr wahrscheinlich ein Blick in die Günter-Peters-Straße, die bis 1991 Philipp-Müller-Straße hieß.
Diese Bilder stammen aus dem Filmfragment „Der Elefant von Hoyerswerda“. Der Titel bezieht sich auf die Arbeit des Portalkrans beim ersten vollständigen Aufbau einer Stadt aus vorgefertigten Betonelementen. Der Streifen erzählt aus einer wilden Zeit, in der die Bauarbeiter noch bauten, während die Kinder die Baustellen als Spielplätze nutzten. Hier zu sehen ist sehr wahrscheinlich ein Blick in die Günter-Peters-Straße, die bis 1991 Philipp-Müller-Straße hieß.

© Filmuniversität Babelsberg / KuFa

  • Diese Bilder stammen aus dem Filmfragment „Der Elefant von Hoyerswerda“. Der Titel bezieht sich auf die Arbeit des Portalkrans beim ersten vollständigen Aufbau einer Stadt aus vorgefertigten Betonelementen. Der Streifen erzählt aus einer wilden Zeit, in der die Bauarbeiter noch bauten, während die Kinder die Baustellen als Spielplätze nutzten. Hier zu sehen ist sehr wahrscheinlich ein Blick in die Günter-Peters-Straße, die bis 1991 Philipp-Müller-Straße hieß.
    Diese Bilder stammen aus dem Filmfragment „Der Elefant von Hoyerswerda“. Der Titel bezieht sich auf die Arbeit des Portalkrans beim ersten vollständigen Aufbau einer Stadt aus vorgefertigten Betonelementen. Der Streifen erzählt aus einer wilden Zeit, in der die Bauarbeiter noch bauten, während die Kinder die Baustellen als Spielplätze nutzten. Hier zu sehen ist sehr wahrscheinlich ein Blick in die Günter-Peters-Straße, die bis 1991 Philipp-Müller-Straße hieß.

Während der 60. Geburtstag der Hoyerswerdaer Neustadt 2017 öffentlich keine große Rolle spielte, wird er dieser Tage im Zusammenhang mit der 750-Jahr-Feier der Stadt gewissermaßen nachgeholt. Im Rathaus ist bis August eine Ausstellung von Neustadt-Ansichtskarten zu sehen und diese Woche wird nicht nur im Stadtmuseum der neue Teil der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte nach 1945 eröffnet, sondern auch im WK I eine Gedenktafel enthüllt zur Erinnerung an die offizielle Grundsteinlegung am 15. Juni 1957.

In die Reihe dieser Veranstaltungen passte jetzt auch ein Abend im früheren Centrum-Warenhaus, das am 28. Juni seinen 50. Geburtstag haben wird. Erstmals seit Jahren hatten sich Kunstverein und KulturFabrik wieder einmal zusammengetan. Sie wollten vor allem die beiden Kunst-Ikonen würdigen, die während der DDR-Zeit in Hoyerswerda wirkten. Während Autorin Brigitte Reimann († 20.2.1973) am 21. Juli 85 geworden wäre, ist bereits in der kommenden Woche, am 21. Juni, der zwanzigste Todestag von Musiker Gerhard Gundermann ( geb. 21.2.1955).

Das Programm mit dem Titel „Das war der Anfang“ vereinte von Angela Potowski sowie Helene Schmidt gelesene Reimann-Texte und von Christian Völker vorgetragene Gundermann-Lieder mit kaum bekannten Filmsequenzen. Da berichtete eine vor einem Kohlezug stehende Brigitte Reimann mit Mikrofon in der Hand von einem literarischen Vorhaben. Da tönte der 1956 vom „Defa-Studio für populärwissenschaftliche Filme“ veröffentlichte Agitations-Streifen „...unter anderem Schwarze Pumpe“ von künftigen Erfolgen des Kombinates, für das erst im Jahr zuvor der Grundstein gelegt worden war und dessen Belegschaft diese Erfolge dann härter erkämpfen musste, als die Filmleute sich das entweder vorstellen konnten oder wahrhaben wollten. Und da war vor allem der Film „Der Elefant von Hoyerswerda“, eher eine Kamerastudie ohne Ton, dessen beeindruckende Bilder vom Aufbau des WK I die rund 100 Besucher im früheren Warenhaus zu einem lebhaft murmelnden Publikum machten. Ist es der Deutschen Hochschule für Filmkunst doch vor sechs Jahrzehnten gelungen, den Geist des Aufbruchs einzufangen: Zimmerleute mit großen Hüten; Bauarbeiter ohne Helme, aber dafür mit Zigaretten in den Mündern; hölzerne Baugerüste; aus dem damals neuen Betonwerk Zeißig kommende Lkw mit Bauplatten als Fracht; zwischendrin spielende Kinder – und natürlich der namensgebende Elefant: der mächtige Portalkran. Schließlich streicht eine Hausfrau im neuen Wohnzimmer unter einem opulenten Kronleuchter die weiße Decke auf dem Esstisch glatt und in der Ernst-Schneller-Schule, die heute bald Hoyerswerdas Oberschule werden soll, malt ein Mädchen den Portalkran bei der Arbeit an eine Tafel.

Was die Bilder nicht schildern, schildern die Briefe der Reimann: Die Tristesse der damaligen Wohnsiedlung; die Kämpfe der Zeit; die politische Düsternis, wie viele kreative Köpfe sie wohl während der Ulbricht-Jahre erlebt haben müssen. Und auch Gundi Gundermann hat sich abgearbeitet an dieser „blassen Blume auf Sand“, die von Außenstehenden Arbeit erfordert, wenn sie sie denn verstehen wollen: „Das ist Hoywoy ... aber nur für uns.“

Der Abend im ehemaligen Centrum, in dem die jüngere Geschichte der Stadt schon eine Woche zuvor während der „Manifest“-Vorstellungen eine Rolle spielte, weckte bei den Besuchern Erinnerungen, Sentimentalität gar. „Ich habe meine Jugend wiedererkannt“, meinte der inzwischen 80-jährige Kunstvereinsvorsitzende Martin Schmidt. Es wurde viel geklatscht. Das Publikum spendete sogar Applaus für Christian Völkers Vorschlag, die Clara-Zetkin-Straße im WK I in Gerhard-Gundermann-Straße umzubenennen. Hier wäre er schließlich beisammen mit anderen Größen der Stadtgeschichte – mit Museumsgründer Otto Damerau, mit Zoogründer Günter Peters, mit Computervater Konrad Zuse – und natürlich nicht zuletzt mit „Ankunft-im-Alltag“-Autorin Brigitte Reimann.

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