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Montag, 10.09.2018

Das ist der neue Dynamo-Trainer

Die Sportgemeinschaft hat es geschafft, den Namen bis zuletzt geheim zu halten. Dabei stand er von Anfang an auf der Kandidatenliste.

Von Sven Geisler und Daniel Klein

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Maik Walpurgis am Rande des Spielfelds im Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor in Darmstadt am 19. November 2016.
Maik Walpurgis am Rande des Spielfelds im Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor in Darmstadt am 19. November 2016.

© Uwe Anspach/dpa

Dresden. Lediglich 20 Zaungäste verirrten sich am Montagvormittag in den Großen Garten zu Dynamos Übungseinheit. Ein deutliches Indiz dafür, dass die Hoffnung, den neuen Trainer durch den Maschendrahtzaun erspähen zu können, sehr gering war. Und eine Überraschung blieb auch aus, erneut gab Christian Fiel die Anweisungen. Wie in den Tagen zuvor engagiert, lautstark, gestenreich. Kein Anzeichen dafür, dass es womöglich seine vorletzte Einheit als Interimschef war.

Doch im Laufe des Tages verdichteten sich die Anzeichen, dass am Dienstag der neue Chefcoach vorgestellt werden könnte, also fast genau drei Wochen, nachdem Uwe Neuhaus beurlaubt worden ist. In dem Schwebezustand folgt ein Gerücht auf das nächste. Drei Namen machen die Runde. Alexander Nouri wird es nicht. Die Information kommt direkt aus Bremen. Der 39-Jährige hat bei Werder noch einen bis Juli 2019 gültigen Vertrag, der ihm geschätzt eine Million Euro bringt.

Eigentlich schon aus dem Rennen

Torsten Lieberknecht klingt zwar mindestens genauso spannend. Er hat bei Eintracht Braunschweig bewiesen, dass er eine Mannschaft entwickeln und nach Rückschlägen neu aufbauen kann. Nach zehn Jahren und zwei Tagen endete die Erfolgsgeschichte im Mai jedoch mit dem Abstieg in die 3. Liga und dem tränenreichen Abschied von dem Trainer, der den deutschen Meister von 1967 nach 28 Jahren zurück in die Bundesliga geführt hatte.

Doch nach Informationen der SZ ist Maik Walpurgis der von Dynamo Auserwählte. Der 44-Jährige soll am Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden und am Nachmittag das Training leiten. Er stand mit Lukas Kwasniok praktisch von Beginn an auf der Liste der Kandidaten, über die öffentlich spekuliert worden ist. Das Fachmagazin Kicker hatte jedoch vorige Woche berichtet, beide seien aus dem Rennen. Offenbar war die zugrundeliegende Information ein geschicktes Ablenkungsmanöver, um weiter im Verborgenen mit Walpurgis verhandeln zu können.

Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge und Kristian Walter sollen nur einen ganz engen Kreis ihres Vertrauens in die Gespräche eingeweiht haben, damit der Name nicht durchsickert, bevor der Vertrag geschlossen worden ist. In der Vergangenheit war mancher Kandidat davon abgeschreckt worden. Andererseits bleibt – was am Wochenende auch DFB-Präsident Reinhard Grindel beklagt hatte – im Fußball nichts geheim. Ein neuer Arbeitsplatz für einen Trainer, der schon in der Bundesliga gearbeitet hat, macht in der Szene schnell die Runde, selbst wenn die eigenen Vereinsgremien dichthalten.

Walpurgis musste seine Karriere als Spieler schon mit 18 Jahren wegen mehrerer Verletzungen beenden, schlug unmittelbar danach die Laufbahn als Trainer ein. Im November 2016 wurde er überraschend als neuer Chefcoach des FC Ingolstadt in der Bundesliga vorgestellt, konnte den Abstieg aber nicht verhindern. Als der FCI nach einem Fehlstart in die vorige Saison mit drei Niederlagen auf dem letzten Platz in Liga zwei stand, wurde Walpurgis entlassen. Sein Vertrag bei den Bayern ist im Sommer ausgelaufen. Davor hatte er beim VfL Osnabrück gearbeitet. Mit der zweiten Mannschaft von Arminia Bielefeld war er 2004 in die Regionalliga aufgestiegen.

Bei Dynamo muss er – abgesehen von mindestens einem Co-Trainer – zunächst mit dem vorhandenen Personal arbeiten. Das Potenzial der Mannschaft sollte aber ausreichen, um das gesteckte Saisonziel mit 47 Punkten erreichen zu können. Das nächste Spiel steht bereits am Freitagabend in Regensburg an. Danach folgt ein Mammutprogramm mit fünf Spielen in 17 Tagen, inklusive der Nachholpartie gegen den Hamburger SV in einer Woche.

Hartmann trainiert wieder mit

Am Montag hat Fiel die Mannschaft noch auf die nächste Aufgabe vorbereitet. In den Spielformen lag sein Schwerpunkt auf der eleganten Befreiung aus Pressingsituationen, eine taktische Variante, die Jahn Regensburg bevorzugt. Marco Hartmann wird am Freitag vermutlich noch nicht spielen. Der Kapitän trainiert aber nach einem Muskelfaserriss im Oberschenkel wieder mit und wird in Abstimmung mit den Physiotherapeuten die Belastung nach und nach steigern, wie ihn der Verein in einer Mitteilung zitiert.

Nach rund einer Stunde schaute am Montag auch Minge persönlich im Großen Garten vorbei, allerdings war er schnell abgelenkt durch ein ausgedehntes Telefonat – mit dem neuen Trainer? Die Mannschaft war längst in der Kabine verschwunden, als der Sportdirektor immer noch mit dem Handy am Ohr allein über den Übungsplatz schlenderte.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 26 Kommentare

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  1. Keine Ausreden

    Viel Glück, Herr Walpurgis! Ich hoffe, Sie dürfen länger bleiben als die Trainer im Durchschnitt der vergangenen Jahre.

  2. Mal ne Anmerkung

    @1 Keine Ausreden-Es liegt aber auch am Trainer wie "lange er bleiben darf".Natürlich ist er das schwächste Glied in der Kette und das ist nun mal im Profifußball so. Schaun wir mal und wünschen ihm viel Glück.

  3. @1

    Am 30.4. ist definitiv wieder Schluss für ihn.

  4. Fred

    Unsere sportliche Leitung arbeitet erfolgreich an der schnellen Rückkehr in Liga 3 . Wo ist das Gespür für richtige Entscheidungen hin ? Erst geht man mit dem alten Trainer in die neue Saison und wurstelt sich durch die Vorbereitung. Dann schickt man einen Stürmer weg zu einem Konkurrenten, weil er angeblich nicht mehr zum System des Trainers passt um 1 Woche später diesen Trainer zu entlassen. Ein neuer Stürmer wird nicht geholt, stattdessen nun wohl ein Übungsleiter der aber auch überhaupt nicht hierher passt. Das wird der 2. große Fehlgriff nach Herrn Böger. Wie bitte sollen wir mit diesem Trainer besser Fußball spielen? Wenn ich an seine Station in Ingolstadt denke da schüttelt es doch einen.

  5. Marc Brossmann

    Na, jetzt gehts aber straight ahead zum Champions League Triumph. Zweifellos!:-)

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