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Samstag, 02.12.2017

Das Ende gleich am Anfang

Die deutschen Handballerinnen starten furios in die Heim-WM. Doch für die Abwehrchefin ist das Turnier gelaufen.

Von Tino Meyer, Leipzig

Schon nach gut zwei Minuten ist das WM-Eröffnungsspiel für Kim Naidzinavicius vorbei – und womöglich sogar das ganze Turnier. Die deutschen Frauen starten dennoch erwartet erfolgreich.
Schon nach gut zwei Minuten ist das WM-Eröffnungsspiel für Kim Naidzinavicius vorbei – und womöglich sogar das ganze Turnier. Die deutschen Frauen starten dennoch erwartet erfolgreich.

© Fotostand/Weller

Das Ergebnis interessiert nur am Rande. Klar haben die deutschen Frauen ihr Auftaktspiel gewonnen, doch das haben sie schon vorm Anwurf am Freitagabend gewusst. Zu schwach ist Kamerun, der Dritte der Afrikameisterschaft. Ein richtig schöner, ein idealer Auftakt ist das also zum Warmwerden, Aufregung ablegen, Einspielen und Siegesserie starten. 28:15 lautet der Endstand vor 6 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena Leipzig

„Wir haben einen unglaublichen Teamgeist, wie ich ihn vorher noch nicht gesehen habe. Es ist dieses Feuer, jeder will sich den eigenen Fans zeigen“, sagt Torfrau Clara Woltering. Am Sonntag in der nächsten Vorrundenpartie gegen Südkorea soll es natürlich so weitergehen – und im besten Fall erst am dritten Advent mit dem Finale in Hamburg enden.

Ob Kim Naidzinavicius gegen Südkorea dabei ist, ob es für die deutsche Abwehrchefin und Spielmacherin überhaupt weitergeht bei dieser auch von ihr lang ersehnten Heim-WM, ist indes offen. Schon nach gut zwei Minuten knallt die 26-Jährige mit dem Knie auf eine der Gegnerinnen, deren Namen noch komplizierter zu buchstabieren, geschweige denn auszusprechen sind als Naidzinavicius.

Sie fällt, schreit, weint – und Bundestrainer Michael Biegler wütet an der Seitenlinie. Auf die unorthodoxe Spielweise der unerfahrenen Afrikanerinnen hat er zuvor hingewiesen. Dass er bei einem der ersten Angriffe seiner Mannschaft nun gleich auf diese Weise bestätigt wird, ist der denkbar ungünstigste Start in ein Turnier.

Minutenlang wird Naidzinavicius am Spielfeldrand behandelt und dann auf den Händen der Ärzte aus dem Innenraum getragen – da steht es bereits 4:1 für die Gastgeberinnen. Das Thema nach dem erwartet deutlichen Sieg ist deshalb ein anderes als weiter gestiegenes Selbstbewusstsein, aufkommende Euphorie oder Glücksgefühle jeglicher Art. Im Grunde genommen lassen sich die Gespräche im Anschluss auf die eine Frage reduzieren: Kreuzbandriss oder nicht? Die genaue Diagnose steht aus.

Rein sportlich gibt es ebenfalls nur wenig konkrete Antworten. Am Sieg hat niemand gezweifelt, und dass die Gastgeberinnen von ihrer Bestform noch ein ganzes Stück entfernt sind, ist ihnen angesichts des nicht unbedingt überzeugenden Auftritts zum Auftakt zu wünschen. Das Ziel lautet immerhin Medaille.

Andererseits: Die Gäste, bei denen Vanessa Djiepmou Medibe nach einem groben Foul in der 42. Minute die Rote Karte sieht, sind tatsächlich kein Gradmesser. Bestform ist also auch gar nicht nötig, vermutlich brauchen sie die erst am nächsten Freitag im letzten Gruppenspiel gegen den Turnierfavoriten Niederlande.

Nach zehn Minuten steht es 5:2 und zur Halbzeit 12:7, ehe die Deutschen endgültig davonziehen. Wirklich zufrieden ist der Bundestrainer zwar nicht, aber das ist er eigentlich nie. Und seine Vorgabe, „mit genügend Ruhe und Kalkül spielen“, hat die Mannschaft umgesetzt. „Wir müssen das Spiel einfach nutzen, um in die Vorrunde reinzukommen“, so Biegler.

TV-Tipp: Sport1 überträgt das Spiel der Deutschen am Sonntag ab 20.30 Uhr live.

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