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Samstag, 18.02.2017

Das Ende des Fresswürfels

Die Gaststätte am Zwinger war zu ihrer Zeit der größte Komplex seiner Art. Vor 25 Jahren wurde das Gebäude geschlossen.

Von Holger Naumann

Die Gaststätte „Am Zwinger“ - im Volksmund „Fresswürfel“ ist auf dieser Postkarte von 1970 zu sehen.
Die Gaststätte „Am Zwinger“ - im Volksmund „Fresswürfel“ ist auf dieser Postkarte von 1970 zu sehen.

© Sammlung Holger Naumann

Am Ende war er ein trauriger Anblick. Am 10. Februar 1992 war der Gaststättenkomplex „Am Zwinger“ aus baulichen und hygienischen Gründen von der Stadtverwaltung geschlossen worden. Die 138 Mitarbeiter des Hauses wurden auf Kurzarbeit null gesetzt. In den Folgejahren stand der Würfel am Postplatz leer und verfiel immer mehr. 2007 wurde er schließlich abgerissen und durch das Büro- und Geschäftshaus „Wilsdruffer Kubus“ ersetzt.

Ein Stück DDR-Geschichte ging damit für immer verloren. Denn trotz seiner eher funktionalen, statt ansehnlichen Architektur war die Gaststätte bei der Bevölkerung zunächst sehr beliebt. Der nach zweijähriger Bauzeit auf dem Areal der 1962/1963 gesprengten Sophienkirche errichtete Gaststättenkomplex war am 28. April 1967 seiner Bestimmung übergeben worden. Die Entwürfe für das Gebäude mit seiner Stahl-Aluminium-Glas-Fassade stammten von den Architekten Gerhard Müller und Günther Gruner. Für die insgesamt schlicht gehaltene Innengestaltung war Martin Gersdorf verantwortlich.

Im Volksmund wurde die Gaststätte „Fresswürfel“ genannt. Mit ihren sieben Abteilungen war sie mit 1 416 Plätzen und 380 Mitarbeitern zum damaligen Zeitpunkt größter Gaststättenkomplex in der DDR. Betreiber war die volkseigene Handelsorganisation (HO). Im Erdgeschoss befanden sich eine große Selbstbedienungsgaststätte und eine Mokkastube. Während im Untergeschoss der „Radeberger Bierkeller“ seine Gäste in den Bann zog, gab’s im ersten Stock auch Discoveranstaltungen. Selbst Abschlussbälle von Tanzstunden wurden hier gefeiert. (mit SZ/lk)