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Samstag, 01.09.2018

Das Dresdner Stadion bleibt leer

30 000 Fans wollten das Spiel gegen den Hamburger SV verfolgen. Nun müssen sie auf einen Ersatztermin warten. Was Fans jetzt wissen müssen.

Von Daniel Klein

So wird das Stadion auch am Samstagmittag aussehen. Die einzigen, die dann arbeiten können, sind die Greenkeeper.
So wird das Stadion auch am Samstagmittag aussehen. Die einzigen, die dann arbeiten können, sind die Greenkeeper.

© Robert Michael

Die Absage traf auch Dynamo völlig unerwartet. 13.30 Uhr erklärten am Freitag noch Interimstrainer Cristian Fiel und Interimskapitän Patrick Ebert auf einer Pressekonferenz, warum die Mannschaft gegen den Bundesliga-Absteiger Hamburger SV nicht chancenlos ist. 15.34 Uhr erfuhren die Medien, wie genau die Bekanntgabe des neuen Stadionnamens vor dem Anpfiff ablaufen soll. Drei Stunden später war das eine wie das andere hinfällig. Die für Samstag, 13 Uhr, angesetzte Partie wurde kurzfristig von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) auf Bitte des sächsischen Innenministeriums abgesagt. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wann wird das Spielgegen den HSV nachgeholt?

Einen neuen Termin kann einzig die DFL festlegen – das aber auch nur nach Rücksprache mit den Sicherheitsbehörden. Ein kurzfristiges Ausweichen auf die nächste Woche ist mehr als unwahrscheinlich. Zwar hat auch die 2. Bundesliga wegen der Länderspielpause frei, doch in den Reihen des HSV stehen Auswahlkader, die von ihren jeweiligen Nationaltrainern berufen wurden. Die Hamburger müssten dann ohne sie in Dresden antreten. Das käme einer Wettbewerbsverzerrung gleich, und die ist unzulässig. Sehr wahrscheinlich wird die Partie an einem Mittwochabend nachgeholt. Infrage käme zum Beispiel der 19. September.

Wie reagieren die beiden Vereineauf die Absage?

Mit großem Bedauern. Sowohl Dynamo als auch der HSV betonen, dass man auf die Entscheidung keinerlei Einfluss hatte. „Wir hatten uns wie mehr als 30 000 Fans auf ein Fußballfest gefreut“, erklärte Geschäftsführer Michael Born. Sein Hamburger Kollege Bernd Hoffmann meinte: „Natürlich hätten wir gern morgen in Dresden gespielt und sind sportlich vorbereitet gewesen. Entsprechend enttäuscht sind wir. Aber wir müssen wie unser Gegner der Anordnung des sächsischen Innenministeriums folgen.“ Die HSV-Mannschaft war bereits in Sachsen eingetroffen, trat nach der Absage am Freitagabend – deutlich früher als geplant – wieder die Heimreise an.

Was bedeutet das freie Wochenende für Cristian Fiel und die Mannschaft?

Zunächst einmal wird Fiel seine Bilanz als Interimstrainer nicht verbessern können. Die 1:3-Niederlage gegen Heidenheim bleibt wohl sein vorerst einziges Spiel auf der Dynamo-Bank. Anfang nächster Woche wird wahrscheinlich der Nachfolger von Uwe Neuhaus präsentiert. Als Kandidaten gelten Lukas Kwasniok, bis Juli Jugend-Trainer beim Karlsruher SC, und Maik Walpurgis, bis August 2017 Chefcoach beim FC Ingolstadt. Bei den beiden Testspielen am 7. September gegen die tschechischen Vereine FK Usti nad Labem und FC Bohemians Prag wird der neue Dynamo-Trainer bereits im Amt sein.

Was passiert mit den gekauften Eintrittskarten für das Spiel?

Die behalten ihre Gültigkeit. Es besteht laut einer Mitteilung von Dynamo kein Anspruch auf Erstattung der Ticketpreise. Es liegt ein Fall höherer Gewalt vor. Da scheidet eine Haftung aus. Allerdings können Fans, die beim Ausweichtermin verhindert sind, ihre Karten auf dem offiziellen Zweitmarkt des Vereins anbieten. Wird das Ticket verkauft, bekommen sie einen Großteil des Preises zurück. Härter wird es die HSV-Fans treffen. 3 000 wollten nach Dresden kommen. Ob sie sich nun alle an einem Mittwoch freinehmen können, ist unwahrscheinlich.

Gab es vergleichbare Fälle mit Dynamo-Beteiligung schon einmal?

Ja, und das liegt noch gar nicht so lange zurück. Das Achtelfinale im Sachsenpokal zwischen den Dresdnern und dem Chemnitzer FC wurde um einen Tag auf den 9. Oktober 2015 vorverlegt – wegen „weiterer sicherheitsrelevanter Veranstaltungen“. Auch Testspiele traf es schon, zum Beispiel die für den 2. Juli 2017 geplante Partie beim FC Carl Zeiss Jena. Damals wurde die Polizei beim G-20-Gipfel benötigt.

Und was ist eigentlich mit dem neuen Stürmer?

Diese Personalie ging bei der ganzen Aufregung fast unter – aber auch aus einem anderen Grund: Es gibt schlicht keinen neuen Angreifer. Bis zum Ende der Transferperiode am Freitag um 18 Uhr vermeldete Dynamo keinen weiteren Neuzugang.