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Montag, 05.03.2018

„Das darf uns einfach nicht passieren“

Nach der Niederlage gegen Darmstadt betreiben die Dynamo-Spieler Ursachenforschung – und sparen nicht mit Kritik.

Von Cornelius de Haas

Auf der Suche nach dem verloren gegangenen Selbstbewusstsein? Fast sieht es so aus, als wollte Dynamo-Stürmer Lucas Röser die gegen Darmstadt so dringend benötigten Tugenden Mentalität und Körpersprache mit den Händen ausgraben.Foto: Robert Michael
Auf der Suche nach dem verloren gegangenen Selbstbewusstsein? Fast sieht es so aus, als wollte Dynamo-Stürmer Lucas Röser die gegen Darmstadt so dringend benötigten Tugenden Mentalität und Körpersprache mit den Händen ausgraben. Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Bei Dynamo fahren die Gefühle gern mal Achterbahn, das ist ein Markenzeichen des Vereins. Doch das dem euphorischen Hoch nach dem 3:2 bei Arminia Bielefeld vor einer Woche nur sieben Tage später der Fall in tiefste Depression folgen könnte, hätte selbst der erfahrene Uwe Neuhaus nicht für möglich gehalten. Dabei war der Dresdner Trainer vor dem 0:2 gegen Darmstadt 98 am Freitagabend wiederholt als Mahner aufgetreten. An seine Mannschaft hatte der 58-Jährige den deutlichen Appell gerichtet, sich nur auf die Aufgaben in der Partie gegen die Lilien zu konzentrieren, die durchaus noch vorhandenen Aufstiegshoffnungen auszublenden.

Während Neuhaus selbst noch keine Erklärung für die vor allem in der zweiten Halbzeit schwache Leistung hatte, suchten die Spieler nach Ursachen. Der Tenor: Fehlende Mentalität und mangelnde Körpersprache. Das verwundert vor allem deshalb, weil es gerade diese Tugenden waren, die gegen die Arminia dazu geführt hatten, dass die Schwarz-Gelben zum ersten Mal in dieser Saison ein Spiel nach Rückstand noch zu ihren Gunsten hatten drehen können. Danach hatte Mittelfeldspieler Manuel Konrad selbstbewusst erklärt, man lasse sich von einem Rückstand nicht mehr beeindrucken, die „Dynamos spielen wieder so, wie man sie kennt“.

Am Freitag klang das dann ganz anders. Er glaube nicht, „dass wir heute an die Leistungsgrenze gekommen sind“, sagte der 29-Jährige. Im Vergleich zu Bielefeld stellte Konrad fest: „Wir waren nicht giftig genug und fußballerisch nicht so stark, dass wir uns Chancen herausgespielt hätten.“ Und so verfiel die Mannschaft wieder in das alte Muster, nach einem Gegentor an sich zu zweifeln. Für Stürmer Lucas Röser unverständlich. „Eigentlich sind wir nicht schlecht ins Spiel gestartet, hatten zwar nicht die großen Torchancen, aber haben den Gegner kontrolliert und kriegen dann wieder ein dummes Gegentor – und schon lässt die Körpersprache wieder nach. Das darf uns einfach nicht passieren.“

Das Problem trat nicht zum ersten Mal auf – und ist in dieser Saison wohl die einzige Konstante der Dresdner. So hatte der momentan verletzte Kapitän Marco Hartmann nach dem 0:2 im Heimspiel gegen die Bielefelder Mitte September mehr Willen nach Rückstand eingefordert. „Aber: Dafür muss man eine ganz andere Körpersprache zeigen; eine mit Glaube und nicht: Och nee, jetzt läuft es schon wieder nicht“, hatte der 30-Jährige damals gesagt.

Diesmal übernahm Röser diese Ansage: „Wir wissen, was es bedeutet, hier zu Hause zu spielen, wie das Stadion fackelt, wenn wir eine gute Aktion haben – das haben wir nicht genutzt, sondern einfach weggeschmissen“, sagte Dynamos bester Torschütze, der sich bei seiner Kritik nicht ausnahm. „Ein paar Prozentpunkte haben bei jedem gefehlt.“ Dabei war das Problem bereits früh erkannt worden. Man habe in der Halbzeit angesprochen, dass die Stimmung auf dem Platz und den Aktionen der Dampf fehlte, wie Florian Ballas berichtete.

Zu viele falsche Entscheidungen

Den Abwehrspieler und Vize-Kapitän ärgerte vor allem, dass Darmstadt die meisten der „Fifty-Fifty-Situationen für sich entschieden hat“. In so einer Lage tue man „sich keinen Gefallen, das Spiel einfach so weiterzuspielen“. Bei einem Gegner, der gut verteidigen kann und tief steht, müsse man auch mal die Eins-gegen-Eins-Situationen suchen. Aber: „Natürlich sollte man dann auch mal in Erwägung ziehen – wenn es sinnvoll ist – vielleicht den besser Postierten anzuspielen“, kritisierte Ballas seine Kollegen ungewohnt deutlich.

Und die falschen Entscheidungen zogen sich gegen die Lilien wie ein roter Faden durch das Spiel. „Wir waren oft in der Situation, dass der letzte Pass, die letzte Flanke, die letzte Drehung oder der Abschluss gefehlt hat“, fasste Röser das Dilemma zusammen, zu dem mit fortlaufender Spieldauer auch noch frustriertes Lamentieren kam. „Ich weiß nicht, wie man nach verlorenen Zweikämpfen – ich weiß nicht wie oft – einfach sitzenbleiben kann“, schimpfte Neuhaus. „Ich kann mir nicht vorstellen, was da in den Köpfen vorgeht.“

Erste Anzeichen nachlassender Konzentration hatte der Coach bereits beim Dienstagstraining ausgemacht. „Natürlich habe ich die zwei Siege im Hinterkopf und weiß, dass es dann vielleicht als nicht mehr ganz so notwendig erachtet wird, dass man auch ordentlich trainiert.“ Nachdem er das Problem angesprochen habe, sei es eigentlich besser geworden. Doch auf die Nachfrage, ob an einer Leistung wie der gegen die Lilien zu erkennen sei, wie weit ein Spieler in Sachen Mentalität und Professionalität sei, blieb Neuhaus nur frustriert zu sagen: „Definitiv.“

Wie es mit der Dresdner Achterbahn wieder bergauf gehen könnte? Für Ballas klappt das nur, wenn alle verinnerlichen, dass es gar nicht der Anspruch sein darf, nach oben zu schauen. „Der erste Schritt ist erst einmal die Klasse zu sichern, alles andere kommt dann zwangsläufig.“


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