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Donnerstag, 13.09.2018

Das bange Warten auf den Hurrikan

Hurrikan „Florence“ rückt auf die Südostküste der USA zu, die Behörden warnen vor lebensbedrohlichen Bedingungen. Und trotzdem: Nicht alle Menschen fliehen vor dem Sturm.

Von Maren Hennemuth

Lieber nichts dem Zufall überlassen: Ein Mann verbarrikadiert am Mittwoch ein Fenster seines Hauses in der Nähe von Charleston, Virginia.
Lieber nichts dem Zufall überlassen: Ein Mann verbarrikadiert am Mittwoch ein Fenster seines Hauses in der Nähe von Charleston, Virginia.

© Maren Hennemuth/dpa

Myrtle Beach. Die Straßen von Myrtle Beach sind wie leer gefegt, die Strandpromenade des Touristenorts in South Carolina ist verwaist, die Hotels am Wasser sind geschlossen. An einem Motel verbarrikadieren Arbeiter die Fenster mit Spanplatten, vor vielen Läden liegen Sandsäcke. Der sonst so belebte Ort wirkt an manchen Ecken wie eine Geisterstadt. Hurrikan „Florence“ nähert sich der Südostküste der USA - und wer fliehen konnte ist geflohen. Mehr als eine Million Menschen sollen dazu aufgerufen worden sein, sich in Sicherheit zu bringen.

Der Hurrikan wurde zwar am Mittwochabend von Stufe drei auf zwei heruntergestuft, könnte aber weiterhin sehr gefährlich werden und immense Schäden anrichten. Die Behörden warnen vor lebensbedrohlichen Bedingungen durch schwere Regenfälle, Sturmfluten und heftige Winde. Sie wappnen sich für das Schlimmste.

„Florence“ könnte nach seinem Zug über den Atlantik am Freitag auf die Küste von North Carolina oder South Carolina treffen. Der genaue Weg ist aber wegen der ungewöhnlichen Kurve des Sturms unklar, das macht die Lage so kompliziert.

Nicht alle Menschen, deren Häuser in der Evakuierungszone liegen, sind gegangen. Jack Edward Baldwin II. will bleiben und den Sturm in seinem Haus aussitzen. Angst habe er nicht wirklich, er müsse eben sehen, was passiere, sagt der 33-Jährige. Ändern könne er die Situation nicht. „Ich habe nicht die Mittel, um meine Wertsachen zu packen, ich habe nicht das Geld, um für eine Woche oder mehr woanders zu wohnen. Und ich werde meine fünf Hunde nicht im Stich lassen“, sagt der Taxiunternehmer. Außerdem müsse er mögliche Schäden am Haus sofort reparieren, um Schlimmeres zu verhindern. Zur Sicherheit wolle er zwei Bäume in seinem Garten fällen, die sonst aufs Dach fallen könnten.

Baldwin sitzt in einem Spirituosenladen mit Bar am Highway 17. Das Geschäft ist eines von wenigen in der Gegend, das noch geöffnet hat. Die meisten Schnellrestaurants an der Straße sind geschlossen, ihre Neonlichter leuchten nicht, ein seltenes Bild in den USA.

Ein bisschen weiter südlich am Highway 17 hat Beryl Oberst gerade noch ein paar Besorgungen in einen Einkaufswagen gepackt. Die 77-Jährige und ihr Mann haben ein Haus am Meer, eigentlich wollten sie dort bleiben. Aber weil es nun doch schlimmer aussehe, hätten sie sich anders entschieden und wollten in eine Notunterkunft gehen, sagt Oberst. Auch sie hat Hunde, die sie nicht alleine lassen will. Ihre Lieblingssachen wolle sie mitnehmen, sagt die Rentnerin. Die Fenster ihres Hauses seien gesichert. Die Waschbecken wolle sie mit Wasser füllen - eine Vorsichtsmaßnahme, falls die Wasserversorgung nach dem Sturm nicht funktioniert.

An vielen Orten entlang der Küste sieht man verbarrikadierte Fenster. Auch Errol Thomas schraubt gerade noch eine Spanplatte an. Er wohnt nordwestlich der Stadt Charleston, seine Siedlung liegt ein bisschen erhöht. Er mache sich keine Sorgen, sagt Thomas. Andernorts in der Gegend sei die Hauptsorge, dass es zu Überflutungen kommt, meint er. Charleston erwischte es schon vor zwei Jahren schwer, als Hurrikan „Matthew“ in South Carolina sein Unwesen trieb. Damals verwandelten sich ganze Straßen in der historischen Stadt in Flüsse.

Errol Thomas muss am Donnerstag in die Stadt fahren, er ist IT-Direktor bei dem lokalen Sender WCSC, in der Redaktion wird Hochbetrieb herrschen. Alle rüsten sich für Hurrikan „Florence“. (dpa)