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Mittwoch, 06.02.2008

,Daphne‘ soll digitalen Durchblick schaffen

DRESDEN - Wettiner oder jüdische Alteigentümer - immer wieder sind die Staatlichen Kunstsammlungen mit Restitutionsforderungen konfrontiert, die vor allem eines klar- machen: Genaue Kenntnisse über die Herkunft vieler Kunstwerke gibt es in vielen Fällen nicht.

„Wir wissen zu wenig über die jüngere Vergangenheit unserer Museen“, sagt Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Keine Museumsleitung im Osten, auch die Dresdner nicht, könne nach den Erfahrungen der Provenienzforschung der letzten Jahre ernsthaft behaupten, über ihre Bestände umfassend und im Detail Bescheid zu wissen.

Ausgelöst durch die massiven Rückforderungen der Wettiner und die Recherchen nach der Provenienz (Herkunft) der geforderten Kunstobjekte haben die SKD vor einigen Monaten beim Freistaat einen Projektantrag auf Generalinventarisierung gestellt (Morgenpost berichtete). Ziel ist der Aufbau eines digitalen Bestandverzeichnisses aller Kunstwerke in sämtlichen Museen der SKD, das unter anderem auch die Herkunft jedes einzelnen Stücks verzeichnen soll. Ein Recherchegroßprojekt, das nach der berühmten Jamnitzer-Figur aus dem Neuen Grünen Gewölbe „Daphne“ heißt, auf zehn Jahre angelegt ist und mit Kosten für zusätzliches Personal und allem Drum und Dran ca. 20 Millionen Euro aus der Staatskasse benötigt.

Der Projektantrag liegt zur Bearbeitung beim Finanzministerium (SMF) und wird, wie die Morgenpost erfuhr, befürwortet werden. „Grundsätzlich geben wir grünes Licht“, sagte Corinna Nolting, eine Sprecherin des SMF, die konkrete Ausgestaltung sei aber noch in Abstimmung. Auch im Kunstministerium ist das Interesse an der Durchführung des Projekts groß. „Sollte die Prüfung im Finanzministerium länger andauern, werden wir versuchen, in kürzerer Zeit Geld dafür zur Verfügung zu stellen“, so Ministeriums-Sprecherin Eileen Mägel im Hinblick darauf, dass der Projektantrag schon für 2008 gestellt worden war. gg/dpa