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Montag, 17.09.2018

Dampfer mit Tarnanstrich

Im Zweiten Weltkrieg hatte die Weiße Flotte Verluste zu beklagen – nicht nur an Schiffen. Die „Riesa“ wurde dabei von der SS gesprengt.

Von Udo Lemke

Das Foto zeigt den Raddampfer „Meissen“ in Krippen im Jahr 1944. Deutlich ist der Tarnanstrich gegen Fliegerangriffe zu sehen.
Das Foto zeigt den Raddampfer „Meissen“ in Krippen im Jahr 1944. Deutlich ist der Tarnanstrich gegen Fliegerangriffe zu sehen.

© E. Heller

Elbland. Zwischen 1923 und 1947 wurde die Weiße Flotte von der Sächsisch-Böhmischen Dampfschiffahrt Aktiengesellschaft (SBDA) betrieben. In dieser Zeit, 1936, wurde die Fahrstrecke elbabwärts bis ins anhaltinische Dessau ausgedehnt. Vom böhmischen Leitmeritz wurden damit bis 1941 fahrplanmäßig mit 27 Schiffen 319 Flusskilometer bedient. Das war die längste Strecke, die die Weiße Flotte auf der Elbe jemals befuhr. Noch 1940 wurden fast drei Millionen Fahrgäste befördert.

Doch schon 1942 wurden Schiffe der SBDA zur Evakuierung von durch die Bombenangriffe der Alliierten obdachlos gewordenen Einwohner von Hamburg eingesetzt. Diese Schiffe waren die Ersten, die zum Schutz vor Fliegerangriffen einen Tarnanstrich erhielten. „Der Dampfer ,Leipzig‘ wurde 1944 zum Lazarettschiff und die Dampfer ,Herrnskretschen‘ und ,Lössnitz‘ zu Versorgungs- bzw. Verpflegungsschiffen für die Wehrmacht umgebaut.“ Durch Bombentreffer wurden die „Leipzig“ und die „Herrnskretschen“ versenkt. Die an der Laubegaster Elbewerft liegende „Riesa“ wurde von der SS gesprengt. Damit hatte die Weiße Flotte drei Schiffe durch direkte Kriegseinwirkung verloren.

Die 1929 gebaute „Leipzig“ war nicht nur der jüngste, sondern auch der größte Schaufelraddampfer der SBDA. Mit seinen elegant ausgestatteten Salons und den großzügigen Freidecks galt die „Leipzig“ als Stolz der Weißen Flotte. Nach dem Bombentreffer am 2. März 1945, der fast das ganze Heck abgerissen hatte, lag der einstige Luxusdampfer auf den Elbwiesen gegenüber der Hosterwitzer Kirche. Am 24. und 25. Dezember 1945 wurde das Schiff durch Freiwillige der Elbewerft geborgen. „In Ermangelung eines Schleppfahrzeuges treidelten die 20 freiwilligen Helfer den Kahn mit einem Hanfseil über der Schulter zum Bergungsort.“ Der Dampfer wurde mit Winden auf die Laubegaster Werft hinaufgezogen und instandgesetzt und ging am 7. Juni 1947 wieder auf Fahrt.

Verluste anderer Art brachte die Konfiszierung von Schiffen der Weißen Flotte. Die Sowjetunion ließ die fünf modernsten und neuesten Dampfschiffe als Reparationsleistung abtransportieren. 1948 gab die Tschechische Republik zwei 1945 beschlagnahmte Dampfer wieder zurück. Zur Bilanz des Krieges gehören aber auch unzählige zerstörte Landungsbrücken und sonstige Anlage und die zerstörten Elbbrücken, wodurch keine durchgehende Fahrt mehr möglich war. So wurde die flach gehende „Diesbar“ als erstes Schiff wieder in Betrieb genommen, und zwar als Fähre zwischen der Dresdner Alt- und Neustadt, weil die Brücken ja zerstört waren. „Pfingsten 1946 legte der Dampfer ,Lössnitz‘, noch immer mit grauem Tarnanstrich versehen, zur ersten Fahrt elbaufwärts ab und markierte damit einen neuen Beginn.“

Ein Verlust traf die Weiße Flotte aber besonders empfindlich: „Ein Großteil der Belegschaft kehrt nicht von den Schlachtfeldern heim.“

Benutzte Quellen: „Mit Dampf und Schaufelrad auf der Oberelbe“, transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1988 und www.historikerkreis-elbeschiffahrt.de.