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Donnerstag, 12.07.2018

Damals war’s

Von Thomas Niklaus

Mario Götze machte Deutschland mit seinem Tor im Finale gegen Argentinien 2014 zum Weltmeister. Vier Jahre später war der „Held von Rio“ gar nicht dabei – und auch sonst ist nicht viel geblieben von dem „Geschenk für das ganze Land“, wie der Bundespräsident sagte.Foto: dpa/Marcus Brandt
Mario Götze machte Deutschland mit seinem Tor im Finale gegen Argentinien 2014 zum Weltmeister. Vier Jahre später war der „Held von Rio“ gar nicht dabei – und auch sonst ist nicht viel geblieben von dem „Geschenk für das ganze Land“, wie der Bundespräsident sagte. Foto: dpa/Marcus Brandt

© dpa

Es lief die 113. Minute an jenem 13. Juli 2014 im legendären Maracana-Stadion in Rio de Janeiro, als sich Mario Götze unsterblich machte. Eine Flanke von André Schürrle von der linken Seite nahm der damals 22-Jährige gekonnt mit der Brust an und verwertete den Ball volley zum 1:0-Siegtreffer für Deutschland im WM-Finale gegen Argentinien. Es war ein Schuss für die Geschichtsbücher, „ein technisch so starker Treffer – eigentlich das Tor des Jahrhunderts“, wie Bundestrainer Joachim Löw schwärmte. Götze habe durch jenen speziellen Moment „in der Wahrnehmung von allen auch immer etwas Besonderes“.

In jener magischen Nacht von Rio befand sich die deutsche (Fußball-)Nation im Rausch. Bundespräsident Joachim Gauck verlieh der Mannschaft das „Silberne Lorbeerblatt“, lobte das „Wir-Gefühl“ der kickenden Botschafter und sprach von einem „bleibenden Geschenk für das ganze Land“.

Und jetzt? Der vierte Stern hat in Russland reichlich Kratzer abbekommen, vom Ruhm der „quasi vierten Macht im Staate“, wie Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff großspurig erklärt hatte, ist nicht viel geblieben. Nach dem WM-Desaster 2018 steht Löw genauso massiv in der Kritik wie Bierhoff, der Deutsche Fußball-Bund um seinen Präsidenten Reinhard Grindel und die neun verbliebenen Rio-Helden. Der gefeierte Siegtorschütze Götze gehörte nach einer schwachen Saison nicht mal mehr zum Kader.

So ändern sich die Zeiten. 2014 durfte Götze, dem Löw bei der Final-Einwechslung ins Ohr geflüstert hatte, „besser als Messi“ zu sein, auf keinem roten Teppich fehlen. Auch Manuel Neuer, Kapitän Philipp Lahm oder Anführer Bastian Schweinsteiger wurden zum Bambi geladen und in sämtlichen Jahresrückblicken gewürdigt, fast eine Million Zuschauer sahen den Kinofilm „Die Mannschaft“.

Dieser Begriff steht inzwischen auf dem Index. Er gilt längst als Symbol der viel kritisierten Kommerzialisierung im Fußball. 2018 sollte „die Mannschaft“ den Triumph von Rio wiederholen – und zwar „#zsmmn“. Ein Projekt, das krachend scheiterte und nur Verlierer hervorbrachte. In Brasilien war das deutsche Team dagegen noch als verschworene Einheit gefeiert worden – mit Löw als Baumeister. Nach dem legendären 7:1 im Halbfinale gegen den Gastgeber hatten sich Lahm und Co. durch ihr vorbildliches Verhalten viel Respekt und große Sympathien erworben. Um das damalige Quartier Campo Bahia entstand ein Mythos. Watutinki 2018 wird dagegen negativ behaftet bleiben.

Am 24. August sollen nun Löw und Bierhoff bei Grindel die große Analyse des Scheiterns vorlegen. „Gravierende Veränderungen“ sind bereits von allen Seiten angekündigt. 2014 waren Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker auf dem Höhepunkt abgetreten. Schweinsteiger und Lukas Podolski folgten zwei Jahre später. Aktuell hat noch keiner der Russland-Versager seinen Abschied angekündigt.

Die jüngsten Äußerungen von Bierhoff und Grindel legen den Verdacht nahe, Mesut Özil soll das Bauernopfer sein. Er selbst schweigt bisher, „Erdogate“ und der klägliche Umgang aller Beteiligten damit beherrschen dennoch die Schlagzeilen. (sid)

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