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Mittwoch, 02.05.2007

Dänischer Politiker singt Nazi-Lieder

Ein Abgeordneter verlässt nach „Sieg Heil“-Rufen im Kopenhagener Tivoli die Regierungspartei DVP.

Von Thomas Borchert, Kopenhagen

Wenn der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen die Zeitung aufschlägt, springen ihm wieder Schlagzeilen mit schwer verdaulichen Äußerungen seines wichtigsten Regierungspartners ins Auge. Führende Politiker aus der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DVP) haben in den letzten Wochen Schwule als „Behinderte“, Frauen mit Kopftüchern als „psychiatriebedürftig“ und das Kopftuch selbst als islamisches Symbol „wie das nationalsozialistische Hakenkreuz“ eingeordnet.

Zum Hakenkreuz aber scheinen einige Politiker der DVP, Rasmussens parlamentarischer Mehrheitsbeschafferin, nicht nur ein negatives Verhältnis zu haben: Der Parlamentsabgeordnete Morten Messerschmidt sang im Vollrausch im Kopenhagener Vergnügungspark Tivoli Nazi-Lieder und rief mit ausgestrecktem Arm „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“. Messerschmidt bestritt Zeitungsberichte darüber zwar, trat aber aus seiner Partei aus. Der 26-jährige Nachwuchspolitiker bleibt aber als Unabhängiger im Folketing. Dabei gilt Ärger mit dem Regierungschef in Kopenhagen als eher unwahrscheinlich. Seit sechs Jahren arbeitet die Minderheitsregierung aus Rasmussens rechtsliberaler Partei „Venstre“ und Konservativen mit der DVP zusammen und ist von deren 23 Stimmen im Parlament abhängig. Gemeinsam hat man die härtesten Zuzugsbeschränkungen für Ausländer in Westeuropa durchgesetzt und damit Wahlen gewonnen.

Kampagne gegen Günter Grass

Von Beginn an flankierte DVP-Prominenz wie der evangelische Pastor Søren Krarup und der Europa-Abgeordnete Mogens Camre diese Zusammenarbeit immer wieder mit Äußerungen, die in anderen Ländern das sofortige Karriere-Aus bedeutet hätten. „Alle westlichen Länder sind von Muslimen infiltriert. Einige von ihnen reden freundlich mit uns und warten nur darauf, dass sie irgendwann genug sind, um uns totzuschlagen“, verkündete Camre auf einem Parteitag. Krarup fordert zu einem „Widerstandskampf“ gegen islamische Zuwanderung auf, „der vielleicht tiefgreifender als der gegen die deutschen Besatzer (im Zweiten Weltkrieg) wird, weil wir Widerstand gegen das leisten müssen, was schlicht die Vernichtung dänischer Freiheit, Volksherrschaft und Kultur bedeutet“.

Mit 13,3 Prozent wurde die DVP bei den Wahlen von 2005 drittstärkste Partei in Dänemark. Auch abseits der ganz großen Schlagzeilen werben die rechten Frontfiguren mit erheblichem Medienecho für ihre Ziele. Messerschmidt konnte eine stark beachtete Kampagne gegen das Sommerhaus des deutschen Nobelpreisträgers Günter Grass auf der dänischen Ostseeinsel Møn in Gang bringen. Damit sei gegen das Verbot des Verkaufs von Ferienhäusern an Ausländer verstoßen worden, sagte Messerschmidt und nannte als Hauptmotiv: „Für mich gilt: Dänen zuerst.“

Krarup verlangt als erster namhafter Kopenhagener Politiker seit dem Zweiten Weltkrieg die Übergabe von Teilen Schleswig-Holsteins an Dänemark. Als Gymnasiasten von der dänischen Minderheit aus Flensburg in Kopenhagen frohgemut über ihren Alltag mit deutsch- dänischen Elternpaaren berichteten, belehrte sie der Pastor, dass sie sich schon irgendwann entscheiden müssten: „Man kann nicht das Blut von zwei Vaterländern in sich haben. Das zerreißt den Menschen.“ (dpa)