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Mittwoch, 25.03.2015

D-Mark-Umtausch in Dresden vor dem Aus

Die Deutsche Bundesbank schließt ihre Filiale in Sachsens Hauptstadt. An den Blumenkübeln klebt schon: Leipzig.

Von Georg Moeritz

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Die letzten Pfennige: Wer DM in der Dresdner Bundesbankfiliale abgibt, bekommt getrennte Quittungen für Münzen und Scheine – aber nur noch bis Montag.
Die letzten Pfennige: Wer DM in der Dresdner Bundesbankfiliale abgibt, bekommt getrennte Quittungen für Münzen und Scheine – aber nur noch bis Montag.
  • Die letzten Pfennige: Wer DM in der Dresdner Bundesbankfiliale abgibt, bekommt getrennte Quittungen für Münzen und Scheine – aber nur noch bis Montag.
    Die letzten Pfennige: Wer DM in der Dresdner Bundesbankfiliale abgibt, bekommt getrennte Quittungen für Münzen und Scheine – aber nur noch bis Montag.
  • Das Haus von 1930 mit rotem Neubautrakt steht zum Verkauf.
    Das Haus von 1930 mit rotem Neubautrakt steht zum Verkauf.

Dresden. Ganz schön laut, meine letzten fünf Münzen in D-Mark und Pfennigen. Sie klimpern in einen Stahltrichter von der Größe einer Schüssel. Eine Zählmaschine steht darunter, daran hängen Säckchen aus grobem Gewebe. „Neun D-Mark und zwei Pfennige in Münzen“, sagt die Bankangestellte hinter der Scheibe, ich höre sie durch den Lautsprecher. Sie ist in Turnschuhen unterwegs zwischen Schalter, Geldzählgeräten und Druckern. Durch die Lade unter der Scheibe schiebt sie mir Euros zu und getrennte Umtauschquittungen für Münzen und Scheine: für 39,02 D-Mark, die ich noch in einem alten Portemonnaie im Schreibtisch hatte. Es ist beinahe die letzte Chance im Bezirk Dresden, das Altgeld umzutauschen. Am kommenden Montagmittag schließt der Schalter in der Innenstadt.

Die Deutsche Bundesbank hat das Aus ihrer Filiale gegenüber der Dresdner Synagoge nicht groß bekannt gemacht. Aushänge an der Tür und eine Notiz auf der Internetseite verweisen knapp darauf, dass das „Jedermann-Geschäft“ am 30. März endet. Auf Nachfrage erklärt eine Sprecherin in Frankfurt am Main, der Beschluss sei im Dezember 1999 vom Vorstand gefasst worden. Auch die Filialen in Lübeck und Gießen würden diesen Monat geschlossen.

Die 44 Beschäftigten der Dresdner Filiale haben alle ein Angebot zur Weiterbeschäftigung erhalten, sagt Kristin Gruner-Ziegler, Sprecherin der Hauptverwaltung für Sachsen und Thüringen in Leipzig. Die meisten würden künftig in den Filialen Leipzig oder Chemnitz arbeiten, der amtierende Leiter Frank Donner soll die Filialleitung in Leipzig unterstützen. Dass für den Umzug schon alles vorbereitet ist, sieht der Besucher in der Schalterhalle: „Leipzig“ steht handgeschrieben auf Klebezetteln an den großen Kübeln der Grünpflanzen. Dasselbe steht auf den Tischchen neben den Wartesitzen; ein Praktiker hat gleich die Maße der Tischchen dazugeschrieben.

Sachsen tauschen Millionen um

An Zahlen ist in dieser Behörde kein Mangel: Der unveränderte Wechselkurs von 1,95583 D-Mark zu einem Euro steht auf den Quittungen. 1,275 Millionen DM wurden voriges Jahr in der Dresdner Filiale zum Umtausch abgegeben. Im Jahr 2009 waren es noch 1,639 Millionen DM. Auch die Zahl der Kunden im „Jedermann-Geschäft“ hat sich in den fünf Jahren verringert: von 5 574 auf die 3 749, die im vorigen Jahr ihr Geld umtauschten.

Doch an einem gewöhnlichen Vormittag kommt alle paar Minuten jemand in die Schalterhalle. Zwei Frauen gehen auf den offenen Tresen zu, eine öffnet gleich ihre Geldbörse und will den Inhalt vorzeigen – doch die Bankangestellte erklärt ihr, dass sie noch waren müsse. Denn zum Geldumtausch geht jeder einzeln zur Kasse, durch eine schwere Tür mit Spion und Hinweis auf Überwachungskameras. Alles sehr sicher – nur an der Vitrine mit den Bekanntmachungen steckt der Schlüssel. Dort sind hinter Glas die Signaturen der 17 Unterschriftsberechtigten dieser Bank zu lesen, dazu die Angabe, wer an erster und wer an zweiter Stelle unterschreiben darf.

Die Dresdner Bundesbanker sind nicht nur für den D-Mark-Umtausch zuständig. Sie haben vor allem mit Euros zu tun: Werttransporteure holen dort die neuen Scheine für die Geldautomaten oder geben Geld von Banken und Händlern ab. Das läuft durch Maschinen, die Falschgeld aussortieren. „Damit wir einen sauberen Kreislauf haben“, sagt Kristin Gruner-Ziegler. Außerdem stehen ihre Kollegen vor Schulklassen, berichten über Geldpolitik und die Merkmale echter Banknoten. Künftig können Gymnasien und Berufsschulen diese Experten in Leipzig anfordern.

Das Bankgebäude in Dresden steht nun zum Verkauf, 25 Jahre nach dem Einzug der Deutschen Bundesbank. Das alte Reichsbankgebäude stammt aus den Jahren 1928-30, der rot gestrichene Anbau kam 1998 dazu. Als Käufer kämen nicht nu Banken infrage, sagt Sprecherin Gruner-Ziegler; das habe sich schon bei den bisherigen Filialschließungen gezeigt. Vor drei Jahren schlossen die Filialen in Cottbus und Meiningen, Flensburg, Duisburg und Kassel. Dresden ist nicht die einzige Landeshauptstadt, die von der Bundesbank verlassen wird: Im September trifft der Schrumpfkurs Kiel und Bremen.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. Martin H.

    Wie immer verzichtet Dresden zugunsten Leipzigs. Irgendwann wird auch die Landeshauptstadt verlegt. Da steht dann auch ganz klein an der Tür der Noch-Staatskanzlei. Danke CDU.

  2. PS

    "der rot gestrichene Anbau kam 1998 dazu" - das stimmt nicht ganz. Er wurde anstelle des im Krieg zerstörten Gebäudeteils neu aufgebaut - leider in neuer Architektur, statt originalgetreu wiederaufzubauen.

  3. David

    @1: Damit hat die CDU ausnahmsweise mal nicht schuld, sondern die Bundesbanker in Frankfurt - Sparkurs überall. Blöd wir es für regionale Banken, welche jetzt für die Bargeldlogistik nach Leipzig eiern müssen.

  4. Dresden schafft sich ab

    Läden Sonntags zu, Behörden weg, Wirtschaftsschrumpfung, Linksgrüner Pöstchenverteil- und Investoren-Blockier-Stadtrat, ...

  5. entejens

    @Martin H. #1: Hä? Wieso verzichtet Dresden? Das war, so sagt es der Artikel, ein Beschluß des Vorstands der Deutschen Bank vor 16 Jahren. Lesen bildet ...

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