erweiterte Suche
Mittwoch, 13.06.2018 Kommentar

Chipkonzern verrechnet sich

Georg Moeritz über die Sparpläne bei Globalfoundries

© Robert Michael

Noch einmal fünf Prozent weniger Personal, bitte! Diese Parole haben die leitenden Manager von Globalfoundries in den USA für den gesamten Konzern ausgegeben. Der neue Dresdner Werkleiter Thomas Morgenstern soll den globalen Sparkurs mitmachen. Sein Vorgänger Rutger Wijburg hatte bereits ein 20-Prozent-Sparziel. Mehr als 500 Arbeitsplätze hat Dresdens größte Fabrik in den vergangenen Jahren gestrichen. Nun steht erneut Stellenabbau bevor. Außerdem muss ein Teil der Beschäftigten in die Kurzarbeit, also auf Geld verzichten.

Der neue Sparkurs trifft die Dresdner Mikrochipfabrik gerade zu einer Zeit, in der ihre Nachbarn kräftig investieren. Bosch baut neu und schafft 700 Arbeitsplätze. Infineon Dresden hat etwa 550 zusätzliche Stellen für die nächsten Jahre angekündigt. Der lokale Wettbewerb um Facharbeiter und Ingenieure dürfte härter werden. Wer in dieser Zeit einen Sparkurs nach Rasenmähermethode ankündigt, gefährdet seinen Ruf als Arbeitgeber.

Dresden hat lange gebraucht, nach der Qimonda-Pleite vor fast zehn Jahren wieder als aufstrebende Mikrochip-Region zu gelten. Nun bekommen Interessenten schon wieder den Hinweis, dass es in dieser Branche rasch abwärts gehen kann.

Es ist vernünftig, auf eine Flaute mit Kurzarbeit zu reagieren und die Beschäftigten im Betrieb zu halten. Wer aber nach Prozent-Vorgaben Stellen dauerhaft streicht, verrechnet sich – denn er schreckt Menschen ab und kann langfristig Nachwuchsmangel bekommen. Das müssen die Konzernchefs noch lernen.

>> E-Mail an Georg Moeritz