erweiterte Suche
Dienstag, 17.03.2009

Chinesische Inspur-Gruppe bestätigt Interesse an Qimonda

Insolvenzverwalter Jaffé sieht gute Chancen für einen Anteilsverkauf – wenn Sachsen mit rund 20 Prozent einsteigt.

Von Ulrich Wolf

Ist gestern im siebten Stock des Hongkonger Messe- und Kongresszentrums über das Schicksal des insolventen Speicherchipherstellers Qimonda entschieden worden? Dort, im Konferenzraum 5, hatte Pishu Sun seine Aktionäre zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen. Der 46 Jahre alte Vorstandschef hatte nur ein Thema auf die Tagesordnung gesetzt: eine neue Struktur für die Beteiligungen der staatlichen Firmengruppe Inspur. Ob künftig auch Qimonda mit seinem Dresdner Werk dazugehören wird, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren. Fakt ist, dass erstmals ein potenzieller Investor sich zu seinem Interesse klar bekannt hat. „Ich kann nur sagen, dass beide Seiten die Absicht haben zu kooperieren“, sagte gestern ein Inspur-Sprecher. „Es ist eine große Chance für uns, größer und stärker zu werden.“

Qimonda-Verwalter Michael Jaffé sagte, es habe bereits zwei „vielversprechende und zielführende Verhandlungsrunde“ mit Inspur in Hongkong gegeben. Dort hat die Beteiligungsgesellschaft der Chinesen ihren Sitz. Die könnte nach Vorschlägen Jaffés 48 Prozent an Qimonda übernehmen. Der Freistaat Sachsen solle mit 20 Prozent einsteigen, Portugal mit 14 Prozent, den Rest könnten die Qimonda-Gläubiger tragen.

Die sächsische Regierung lehnt eine direkte Beteiligung bislang ab, die Portugiesen sind eher dafür. Dort ist Qimonda der größte Exporteur des Landes. Für kommenden Donnerstag wurde auf Antrag der Grünen und der Linken eine Sondersitzung des Landtags zu Qimonda einberufen. Das Unternehmen beschäftigt in Dresden 3 000 Mitarbeiter. Sie sollen von April an zum Großteil in eine Transfergesellschaft wechseln, da Ende März aus Geldgründen die Produktion vorerst eingestellt wird.

Die produzierenden Firmen der Inspur-Gruppe sind in Jinan, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Shandong, angesiedelt. Sie sind auf den Bau von Servern spezialisiert sowie auf Software. Die Herstellung von Speicherchips gehört bislang nicht zum Geschäft von Inspur. Die Gruppe macht einen Jahresumsatz von umgerechnet etwa 1,8 Milliarden Euro.

Jaffé zufolge hat Inspur ein „staatspolitisches Interesse“, technologisch von Korea, Taiwan und den USA unabhängig zu werden. Unternehmenschef Pishu Sun ist Abgeordneter des chinesischen Volkskongresses. Den Bau einer 2,5 Milliarden Euro teuren Fabrik in Shandong hat er bereits angekündigt. Dennoch ist Jaffé zufolge die Gefahr, dass die in Dresden für Speicherchips entwickelte neue Produktionstechnologie „Buried Wordline“ nach China abwandern wird, „sehr gering“.