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Freitag, 17.09.2010

Chemnitzer lehrte die Bayern das Saufen

Prost! In diesem Jahr feiert München mit Millionen Feierlaunigen große Jubiläums-Wiesn und lässt es zünftig krachen. Denn das Oktoberfest wird 200 Jahre alt. Kaum einer weiß: Ein Chemnitzer sorgt dabei seit fast hundert Jahren mit seinem Trinkspruch „Ein Prosit der Gemütlichkeit ... Oans, zwoa, gsuffa!“ für kollektives Schunkeln.

Unglaublich! Schon vor vielen Jahrzehnten haben Sachsen in Bayern den Ton angegeben. Bernhard Dietrich brachte den Bayern durch „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ das Saufen bei. Der Komponist (1840 bis 1902) aus Chemnitz hatte vor mehr als hundert Jahren den einprägsamen Geistesblitz „Eins, zwei, drei, gsuffa“ und bringt seither die Bayern und ihre Gäste aus aller Welt in Feierlaune. Das trällern Genießer heute von Amerika bis China.

Über Dietrich, den Verfasser, ist kaum etwas bekannt. Von 1860 bis 1896 war der Sohn des Webers Johann Traugott Leberecht Dietrich Mitglied des Jakobikirchenchors. Er lernte den gleichen Beruf wie sein Vater, aber arbeitete später 40 Jahre lang als Prokurist bei seinem Onkel Gagstädter. Im Nachruf im Chemnitzer Tageblatt heißt es: „Das Werden und Emporblühen des Männergesanges verdankt unsere Stadt zum großen Teil Bernhard Dietrich.“ Von seinem großen Erfolg in Bayern hat er nichts mehr mitbekommen: Denn der Wiesn-Knaller etablierte sich erst 1912. Übrigens: Auch der Bierdeckel wurde 1892 in Sachsen erfunden, vom Dresdner Robert Sputh.

Auch das Einsiedler Brauhaus feiert dieses Jahr Jubiläum - seit 125 Jahren versorgen die Bierexperten Chemnitz mit Gerstensaft und verschenken heute drei Bierkästen feinstes Weißbier: 12 Uhr die 0371/6949979 anrufen. Viel Glück und oans, zwoa ... (cka)