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Dienstag, 27.03.2018

Bussard von Windrad getötet?

Windkraftgegner sehen die Anlagen als Bedrohung für die Tierwelt. Vier Vögel wurden bislang erschlagen.

Von Anja Weber

Dieser Mäusebussard ist offenbar in ein Rotorblatt geraten.
Dieser Mäusebussard ist offenbar in ein Rotorblatt geraten.

© privat

Stolpen. In unmittelbarer Nähe einer Windenergieanlage bei Schmiedefeld nahe Bischofswerda hat am 25. März ein Anwohner beim Spaziergang erneut einen toten Greifvogel gefunden. „Dieser wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Rotorblatt der Windenergieanlage erschlagen“, sagt Sven Noack von der Bürgerinitiative der Windkraftgegner aus dem Stolpener Ortsteil Rennersdorf-Neudörfel. Gemeinsam mit Detlef Wächtler setzt er sich seit einigen Jahren dafür ein, dass keine weiteren Windräder errichtet werden. Sie haben sich deshalb den landesweit aktiven Windkraftgegnern angeschlossen.

Ihrem Ziel sind sie bereits nähergekommen. Die Windkraftanlagen in Rennersdorf-Neudörfel dürfen nicht erhöht und auch keine neuen aufgebaut werden. Unweit davon allerdings, in Schmiedefeld, ist dies anders. Und deshalb beobachten die Windkraftgegner auch dieses Gebiet ganz genau. Der Fund wird nun der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Bautzen gemeldet. Diese ist verpflichtet, den Kadaver untersuchen zu lassen, um die Todesursache zu ermitteln. Denn der getötete Mäusebussard gehöre zu den in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützten Tieren, sagt Sven Noack.

Seine Statistik über die getöteten Exemplare hat er bereits aktualisiert. Mit diesem Fund erhöht sich die Zahl auf vier angeblich nachgewiesene Fälle. Da es sich jeweils um Zufallsfunde handele, dürfte die tatsächliche Opferzahl deutlich höher liegen, schätzt er. Im März 2011 war es ein Rotmilan, den eine Windenergieanlage auf Rennersdorfer Flur das Leben gekostet hat. Gefolgt von einem weiteren Rotmilan im April 2015. Dieser wurde ebenfalls an einer Windkraftanlage in Schmiedefeld getötet. Danach, im März 2016 war es wieder das Rotorblatt einer Rennersdorfer Anlage, das einen Mäusebussard erschlagen hatte.

Sven Noack weiß auch, weshalb die Vögel keine Chance haben, wenn sie in solch eine Anlage geraten. Die Spitzen der Rotorblätter erreichen Geschwindigkeiten von weit über 200 Kilometer pro Stunde. Derart schnell herannahende Feinde kommen im natürlichen Lebensraum der Greifvögel nicht vor. „Daher haben die Tiere regelmäßig keine Chance auszuweichen“, sagt er.

Damit werde in der Datenbank für Anflugopfer der Vogelschutzwarte in Brandenburg zu den bereits registrierten drei Greifvögeln ein vierter hinzugefügt, dem die Windenergieanlagen in Rennersdorf und Schmiedefeld das Leben gekostet haben sollen. „Ein eigentlich nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschütztes Leben“, sagt Sven Noack.