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Donnerstag, 08.11.2018

Burgberg-Aufzug soll länger und ganzjährig fahren

Die Anlieger am Domplatz wehren sich dagegen, die Laufzeit des Lifts einzuschränken.

Von Peter Anderson

Noch ist er im Bau, doch schon jetzt wird über die weitere Zukunft des Panorama-Aufzugs am Meißner Burgberg gestritten.
Noch ist er im Bau, doch schon jetzt wird über die weitere Zukunft des Panorama-Aufzugs am Meißner Burgberg gestritten.

© Andreas Weihs

Meißen. Die Bürgersprech- und Fragerunde im Meißner Stadtrat hat eine neue Dynamik in die Sitzungen gebracht. Das war jetzt erneut im Rathaus zu erleben. Zu den ersten Tagesordnungspunkten zählten die Betriebszeiten des Panorama-Aufzugs am Burgberg. Laut Beschlussvorschlag sollte dieser in den Monaten März bis Dezember nur noch von 8 Uhr bis 20 Uhr verkehren, und zwar ausschließlich mit Personal. Für Januar und Februar war eine komplette Winterruhe vorgesehen. Wegen mehrerer Bedenken und Eingaben wurde dieses Vorhaben jedoch hinten angestellt und das Thema zu nochmaliger Diskussion in die Ausschüsse verwiesen.

Burgchef Uwe Michel trat als erster Redner ans Pult. Er erinnerte daran, dass der Burgberg in Sachsen auch heiliger Berg genannt werde. Der Domplatz sei einer der schönsten Plätze im Freistaat. Bedauerlicherweise falle er „im Stadtmarketing ein bisschen hinten runter.“ Aus seiner Sicht müsse der Burgbergaufzug zwölf Monate im Jahr funktionieren, so Uwe Michel. Mit der jetzt laufenden Generalreparatur sei suggeriert worden, dass im Anschluss wieder ein ganzjähriger und täglich 24-stündiger Betrieb aufgenommen werden könne. Werde dies nicht realisiert, rechne er alljährlich im Januar und Februar mit einer ähnlichen Situation wie derzeit, wo wild auf dem historischen Gelände geparkt werde. Dabei sei der Aufzug explizit mit dem Ziel errichtet worden, den Platz frei von Autos zu halten. Eingeschränkte Betriebszeiten würden darüber hinaus dem Plan des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements zuwiderlaufen, durch Abschleifen des Pflasters einen barrierefreien Zugang zu Albrechtsburg und Dom zu schaffen. „Da wird nicht wenig Geld in die Hand genommen“, so Michel. Es könne nicht sein, dass die Bahnen für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer dann zwei Monate im Jahr von Autos zugeparkt würden.

Ein weiterer Kritikpunkt in der Ansprache des Schlossleiters war die zeitliche Begrenztheit. „Wir laden Gäste zu Veranstaltungen in die Stadt ein und empfehlen das Parkdeck unten im Meisatal.“ Wenn der Aufzug jedoch bereits 20 Uhr seinen Betrieb einstelle, werde dieses Angebot überflüssig. Dann müsse sich die Stadt ein neues Konzept einfallen lassen, wo die Besucher parken könnten, so Michel.

Unterstützt wurde Michels Position von der Geschäftsleiterin des Amtsgerichts Meißen Sonja Zeiske. Sie verwies darauf, dass sechs Richter in dem Gebäude Verhandlungen führten. Diese müssten sich drei Säle teilen. Deshalb würden erste Termine bereits für 8 Uhr vergeben. Zu diesem Zeitpunkt müssten Richter, Mitarbeiter, Zeugen, Sachverständige und sonstige Prozessbeteiligte vor Ort sein. Wenn der Aufzug allerdings dann erst seinen Dienst aufnehme, sei diese Zeit nicht zu halten. Sonja Zeiske schilderte zudem die Folgen, welche im vergangenen Winter der Ausfall des Lifts für die Belegschaft des Amtsgerichts hatte. Ihren Angaben zufolge waren in der Folge drei Wegunfälle zu beklagen, welche einen Arbeitszeitausfall von fast einem halben Jahr nach sich zogen. „Das ist schon hart“, so Sonja Zeiske.

Gleich auf mehrere ungeklärte Fragen machte im Anschluss Heiko Schulze (Bündnisgrüne) aufmerksam: So erinnerte er an die Vorgabe des Stadtrats, bei einem Ausfall des Aufzuges einen Shuttle-Verkehr einzurichten, welcher diese Lücke zeitlich gesehen komplett fülle. Es sei nie die Rede davon gewesen, diese Alternative in irgendeiner Weise einzuschränken.

Nach der Ansicht von Schulze schöpft die Stadt zudem Einspar- und Einnahmepotenziale nicht aus. So fragte der Bündnisgrüne, ob der Vollwartungsvertrag weiter bedient werde, selbst wenn die Anlage still liege. Gleichfalls sollte über moderat erhöhte Preise nachgedacht werden.

Abschließend forderte er von der Verwaltung ein, den Stadträten einen Gesamtüberblick zu den Kosten zusammenzustellen, die mit den verschiedenen Problemstellen des Aufzugs verbunden seien. „Wir brauchen eine Vorstellung über die Größenordnung“, so Schulze.

Oberbürgermeister Raschke zufolge könnte im Dezember ein Beschluss dazu fallen, wie es mit dem Lift weitergehen soll.