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Donnerstag, 21.06.2018

Bunt oder Pegida

Ein Projekt an der TU Dresden erforscht die Rolle von Kunst und Kultur in Zeiten des Zwists.

Von Theresa Hellwig

Teilnehmer einer Pegida-Veranstaltung am Dresdner Postplatz.
Teilnehmer einer Pegida-Veranstaltung am Dresdner Postplatz.

© SZ

Spruchbanner am Staatsschauspiel, wenn Pegida vor dem Gebäude aufläuft. Diskussionen im Theater. Ein trojanisches Pferd vor dem Kulturpalast. Mit dem Auftreten der Pegida-Proteste hat sich Dresden gespalten, auch in der Kunst. „Kunst und Kultur in der polarisierten Stadt. Dresdner Kultureinrichtungen als Vermittelnde zwischen Diversität und Ethnopluralismus“, kurz KupoS, nennt sich ein neues Forschungsprojekt an der TU Dresden, angesiedelt am Zentrum für Integrationsstudien. Gefördert wird das Projekt mit mehr als 100 000 Euro vom Sächsischen Wissenschafts- und Kunstministerium. „Kultureinrichtungen sind auf Weltoffenheit und Toleranz angewiesen“, erklärte Ministerin Eva-Maria Stange (SPD).

Sechs Forscherinnen und Forscher untersuchen: Welches Selbstverständnis haben Kunst- und Kultureinrichtungen und welche Rolle nehmen sie im Dialog ein? Der Fokus liegt auf Dresden als „Polarisierungslabor“, wie es Projektleiterin Heike Greschke nennt. In einem ersten Schritt soll die Dresdner Kunst- und Kulturlandschaft analysiert werden. Treten die Einrichtungen als Vermittler auf oder festigen sie die Polarisierungspositionen? In einem zweiten Schritt soll die Ausstellung zum Thema Rassismus im Hygienemuseum wissenschaftlich begleitet werden. Greschke betonte, dass ihre Herangehensweise wissenschaftlich sei. Eine politische Herangehensweise war in der Debatte um ein Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt kritisiert worden. Das Institut, für das die Bundesregierung 37 Millionen Euro Fördermittel vorsieht, soll nun zum Forschungsverbund umstrukturiert werden. Es soll eine projektleitende Institution mit mehreren Partnern geben. Fünf sächsische Einrichtungen haben sich beworben. 2020 soll die vierjährige Hauptphase beginnen. Bis Mai 2019 werden die Ergebnisse des KupoS-Projektes vorliegen.