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Dienstag, 19.06.2018

Bürger kämpfen für S 88-Verlegung

Im Streit um den Verlauf der Straße hatte sich die Initiative „Lebenswerte Elbaue“ gespalten. Ein Teil hält am Neubau fest.

Von Antje Steglich

© Grafik/SZ

Zeithain. Gottfried Schmorl hat sich mehr Resonanz gewünscht – nur zehn Mitstreiter der Bürgerinitiative „Lebenswerte Elbaue“ sind zur ersten Mitgliederversammlung seit drei Jahren nach Gohlis gekommen. Doch die geben dem Notvorstand immerhin das Signal: „Mach’ weiter!“

Das ist nach der Spaltung der Initiative Anfang des Jahres auch dringend nötig, denn die einst knapp 300 Mitglieder sind sichtlich verwirrt. Im Vorstand hatte es schon länger unterschiedliche Meinungen, unter anderem zu den Prioritäten der Initiative, gegeben. Doch erst die vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) untersuchten Varianten zum hochwassersicheren Umbau der S 88 führten zum endgültigen Zerwürfnis – ein Großteil des Vorstandes trat aus und macht nun als Bürgerinitiative „Zukunft mit der Elbe“ mit dem Interimsvorsitzenden und Gemeinderat Dieter Wamser (BIG) weiter. Dieser plädiert für die Umsetzung der Vorzugsvariante des Lasuv: einen Umbau der S 88 größtenteils auf seiner jetzigen Trasse mit Einbau von Flutbrücken, unter anderem bei Kreinitz und Gohlis. Diese Variante bedeute ein schnelleres Verfahren, schon 2020 könnte Baustart sein, hieß es. Allerdings bringt diese Variante für Gohlis und die Nachbarorte nur wenig, hält Gottfried Schmorl dagegen und beruft sich auf Modellrechnungen. Sein Ziel ist es deshalb, das Hochwasserschutzkonzept für die Region überarbeiten zu lassen und darauf aufbauend die großen Bauprojekte – wie die Verwallung von Röderau und den Umbau von S 88 und B 169 – neu planen zu lassen. Und für die Initiative ist schon jetzt klar: Ein Umbau der S 88 auf der jetzigen Trasse für einen zweistelligen Millionenbetrag macht keinen Sinn. Stattdessen sollte die Straße aus dem Altarm der Elbe heraus nach Norden verlegt werden. Die Variante ist möglich, auch wenn dadurch das Naturschutzgebiet gekreuzt wird, so Gottfried Schmorl. Bisher habe nur niemand ernsthaft darüber gesprochen. Das soll sich durch die Bürgerinitiative „Lebenswerte Elbaue“ ändern. Schon im Herbst soll es die nächste Versammlung mit Infos und der Wahl eines neuen Vorstandes geben.

Wie viele Mitglieder dann überhaupt noch hinter der Initiative stehen, ist allerdings unklar. „Das Problem ist doch, es gibt zwei BIs: Die einen sagen hü und die anderen hott. Wie soll sich der Bürger da entscheiden“, fragt die Gohliser Ortschaftsrätin Karin Mielast-Buske.