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Dienstag, 14.06.2016

Bruch zwischen Pegida und Festerling

Die Bilderberg-Konferenz zeigt erste politische Konsequenzen: Im Streit über angekündigte und abgesagte Aktionen kommt es zwischen den Pegida-Anführern zum Eklat.

Lutz Bachmann (li.) und Tatjana Festerling im November 2015 bei einer Pegida-Demo in Dresden.
Lutz Bachmann (li.) und Tatjana Festerling im November 2015 bei einer Pegida-Demo in Dresden.

© Robert Michael

Dresden. Auf Facebook ist die Hölle los, seit Edwin Wagensveld von „Festung Europa“ seinen Zorn über Pegida auf seiner Seite gepostet hat. In seinem Traktat rechnet „Ed, der Holländer“, der schon oft bei Pegida gesprochen hat, mit den Machern rund um Lutz Bachmann und Siegfried Däbritz ab und verurteilt den angeblichen Ausschluss seiner Mitstreiterin Tatjana Festerling aus dem Pegida-Verein.

Hintergrund: Im Streit um ein Redemanuskript soll es bereits im April zum Zerwürfnis zwischen Bachmann und Festerling gekommen sein - der eigentliche Eklat aber passierte erst im Anschluss an die Bilderberg-Konferenz. Während „Festung Europa“ den Volkszorn auf die Straße tragen wollte, blieben die Pegidisten lieber daheim und schauten Fußball.

„Festung Europa“ malte Plakate und demonstrierte fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf dem Theaterplatz. Die Patrioten und Anti-Islam-Kämpfer aber verweigerten die Unterstützung und erklärten dies am Montag wie folgt: Es habe in der vergangenen Woche trotz Ankündigung keine Proteste gegen die Bilderberg-Konferenz in Dresden gegeben, weil das Hochhalten von Plakaten nichts bringe und man die Sicherheitsvorkehrungen unterschätzt habe. Ohne Festerling beim Namen zu nennen, teilte Pegida-Chef Lutz Bachmann am Dienstagabend bei Facebook mit: „Ich halte es wie beim letzten Mal, als das gleiche Symptom bei der ersten Frau bei PEGIDA auftrat.“ Eine Anspielung auf Katrin Oertel, die nach Bekanntwerden rassistischer und hetzerischer Facebook-Posts Bachmanns und dessen Weigerung, sich deshalb aus der Führungsriege zurückzuziehen, im Januar 2015 zusammen mit weiteren Mitgliedern des Organisationsteams Pegida verlassen hatte.

Mit geschätzten 2 300 Teilnehmern stagnierte am Montag auf dem Neumarkt die Bewegung, spazierte zwar in die Runde, tritt aber eigentlich seit Monaten auf der der Stelle. Erst fehlte der Gastredner, dann auch Ramona zum Hymne-Singen.

Lutz Bachmann ignoriert auf seinen Seiten das Thema seiner rechten Mitstreiter und biedert sich stattdessen bei der AfD von Björn Höcke an, lobt die Thüringer und mutmaßt über Frauke Petry, dass sie jetzt wohl auch im System angekommen sei.

Tatjana Festerling erfährt auf ihrer Seite wiederum viel Sympathie und Unterstützung wegen ihres mutmaßlichen Rauswurfs und der Zorn dort zielt allein auf Lutz Bachmann, der offenbar niemand neben sich an der Pegida-Spitze duldet. Mit Kathrin Oertel begannen die Abgänge bei Pegida und mit Tatjana Festerling fehlt nun endgültig die Fachkraft fürs lautstarke „Ausmisten“ auf der Bühne.

Deswegen müssen einige der montäglichen Pegida-Schildbürger nun wohl über neue Plakate nachdenken - denn ihre verzweifelte Frage nach dem Verbleib der vermissten Tatjana wurde von Edwin Wagensveld beantwortet. (szo)

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