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Freitag, 08.06.2018

Braunkohle und Klimaschutz passen zusammen

Beim Kohlebranchentreff in Halle sind sich Experten einig, dass die deutschen Umweltziele sinnvoll, aber viel zu ehrgeizig sind.

Von Irmela Hennig

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Die Braunkohle aus der Lausitz wird noch lange gebraucht.
Die Braunkohle aus der Lausitz wird noch lange gebraucht.

© dpa/ Patrick Pleul

Braunkohle ist 100 Prozent kompatibel mit den Klimaziel-Verpflichtungen, die Deutschland international eingegangen ist.“ Helmar Rendez, der neue Vorsitzende des Bundesverbandes Braunkohle (Debriv), ließ am Donnerstag beim Braunkohlentag in Halle in seinem Vortrag zu den „Perspektiven der deutschen Braunkohleindustrie 2018“ keinen Zweifel aufkommen: Die Betreiber von Braunkohletagebauen und Kraftwerken sehen in ihren Aktivitäten keinen Widerspruch zu Deutschlands Vorhaben, den Ausstoß von Kohlendioxid deutlich zu reduzieren.

Doch bei der konkreten Zielvorgabe aus dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung hat Rendez, Vorstandsvorsitzender der Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG (Leag), Zweifel. National soll die Emission von Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 verringert werden. Hauptinstrument dafür sei der beschleunigte Ausbau von erneuerbaren Energien. Sie sollen dann 65 Prozent für den Bruttostrombedarf beisteuern. Für Helmar Rendez funktioniert das aber nur, wenn „der Netzausbau Schritt hält und wir über genügend Speicherkapazitäten für eine 14-tägige Dunkelflaute verfügen“. Diese Bedenken unterlegte der Chef des Lausitzer Bergbauunternehmens mit Zahlen. So habe der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft errechnet, dass 2023 – nach dem Abschalten aller Kernkraftwerke – der Jahreshöchstlast von rund 82 Gigawatt lediglich eine gesicherte Leistung von 75 Gigawatt gegenüberstehe. Die Jahreshöchstlast ist in dem Fall die höchste elektrische Leistung, die im deutschen Stromnetz im Jahr nachgefragt wird.

Dass erneuerbare Energien mittlerweile in hohem Maß Strom liefern, bestritt Helmar Rendez nicht. Die gesicherte Leistung, die zu jeder Zeit und bei jedem Wetter zur Verfügung stehe, sei aber minimal. Sie liege bei Wind bei einem Prozent, bei Fotovoltaikanlagen bei null Prozent.

Für den in den deutschen Braunkohlerevieren angestrebten Strukturwandel brauche es „viel Zeit“ und Geld. „Die Beträge von 1,5 Milliarden Euro für die nächste Legislaturperiode, die bisher in der Politik genannt wurden, werden da wenig helfen“, schätzte Rendez. Allein die Leag trage jedes Jahr rund 1,4 Milliarden Euro zur Wertschöpfung in der Lausitz bei.

Mit Blick auf die am Mittwoch eingesetzte Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“, auch Kohlekomission genannt, sagte Rendez, sie sei eben keine Kohleausstiegskomission.

Helmar Rendez zog zudem Bilanz zur Arbeit in den drei deutschen Braunkohlerevieren. Die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft (Mibrag) hat 2017 etwa 19 Millionen Tonnen Rohbraunkohle in den beiden Tagebauen Profen und Vereinigtes Schleenhain gefördert. Das Unternehmen investiere zurzeit 150 Millionen Euro in den Wechsel eines Abbaufeldes in Schleenhain. Rendez erwähnte auch das in Amsdorf im Mansfelder Land ansässige Unternehmen Romonta. Das nutzt Braunkohle vor allem stofflich. Aus jährlich 500 000 Tonnen gewonnener Rohkohle stelle der Betrieb 14 000 Tonnen Rohmontanwachs her, ein Grundstoff unter anderem für Schuhcreme und Bohnerwachs. Diesem Thema der stofflichen Nutzung will sich die Branche künftig stärker widmen.

Für die Leag ging Rendez noch einmal auf das 2017 vorgestellte Revierkonzept ein. Danach werde der Tagebau Jänschwalde in Südbrandenburg bis voraussichtlich 2023 zu Ende geführt. Das Abbaufeld Jänschwalde-Nord werde nicht in Anspruch genommen. Wie es mit dem Tagebau Welzow-Süd weitergeht, werde bis 2020 entschieden. Helmar Rendez sieht aber die „energiewirtschaftliche Notwendigkeit zur Kohlegewinnung aus dem Teilabschnitt II“ dieses Tagebaus.

Im Tagebau Nochten sollen nach dem Ende für das Abbaugebiet I im Abbaugebiet Il rund 150 Millionen Tonnen Kohle gefördert werden.

Im Rheinischen Revier mit drei noch aktiven Tagebauen werden durch den RWE-Konzern jährlich rund 90 Millionen Tonnen Rohbraunkohle gewonnen. Das Revier sei mit Blick auf den Tagebau Hambach besonders „von Gewalt und Aggression der Braunkohlegegner betroffen“.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. TT

    Braunkohle und Klimaschutz passen zusammen - da wurde aus meiner Sicht ein nicht vergessen. Landschaften werden zerstört, dass Grundwasser künstlich abgesenkt und eine Menge CO2 produziert. Aber es kommt wohl auf den Blickwinkel an ;-).

  2. Christian Frank

    Braunkohle und Klimaschutz passen eben NICHT zusammen! Und wir brauchen weder eine Speicherkapazität für eine 14tägige Dunkelflaute noch eine gesicherte Leistung von 75 GW! In den letzten Jahren lag die benötigte max. Leistung aus konventionellen Kraftwerken zu keiner Zeit über 65 GW ... auch nicht während der sog. Dunkelflaute im Januar 2017. Im Gegenteil! Die benötigte Spitzenleistung aus konv. Kraftwerken ist seit Jahren rückläufig und wird demnächst die 60 GW unterschreiten. Die Praxis spricht hier also eine völlig andere Sprache. Das liegt u.a. daran, dass der BDEW in seiner Studie völlig unrealistische Randbedingungen gesetzt hat ... und dann kommt man eben auch zu einem unrealistischen Ergebnis?!

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