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Donnerstag, 17.05.2018

Borbet investiert erneut Millionen in Kodersdorf

Von Frank-Uwe Michel

Der riesige Kran hatte ordentlich zu tun, um die 25 Tonnen schwere Nachverbrennungsanlage in das Kodersdorfer Borbet-Werk zu heben.Foto: Borbet
Der riesige Kran hatte ordentlich zu tun, um die 25 Tonnen schwere Nachverbrennungsanlage in das Kodersdorfer Borbet-Werk zu heben.Foto: Borbet

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Borbet Sachsen macht sich fit für die Zukunft. Seit Dezember 2017 wird in dem Unternehmen im Kodersdorfer Gewerbegebiet eine zweite Lackieranlage aufgebaut. Um sie zu komplettieren, musste jetzt sogar ein riesiger 500-Tonnen-Mobilkran anrücken: Er hob die thermische Nachverbrennung, die nur komplett angeliefert werden konnte, durch das Dach der Borbet-Werkhalle auf ihren künftigen Standort. „Wir mussten diesen ungewöhnlichen Weg gehen, weil wir keine Möglichkeit hatten, die Nachverbrennung in Einzelteilen zu beziehen und sie dann zusammenzubauen. Das 25 Tonnen schwere Bauteil ist so komplex, dass wir uns als Ganzes mit ihm befassen mussten“, sagt der Technische Leiter von Borbet Sachsen, Guntram Wruck. Darüber hinaus wurde der Kran-Einsatz gleich noch dazu genutzt, das für die neue Lackanlage notwendige Klimagerät aufs Dach zu setzen.

Lackierkapazität wird verdoppelt

Bereits im Oktober 2017 war bei dem weltweit agierenden Hersteller von Leichtmetallrädern die Entscheidung gefallen, in sein Kodersdorfer Werk weiter zu investieren. Im Klartext bedeutete dies: Eine zweite Lackanlage sollte entstehen. Gründe dafür sind die nach wie vor große Nachfrage und der hohe Arbeitsaufwand, um die bei den Autofahrern vor allem beliebten glanzgedrehten Räder herzustellen. Guntram Wruck erklärt: „Bei den glanzgedrehten Leichtmetallrädern handelt es sich um zweimal lackierte Felgen. Die erste Lackierung ist in der Regel eine dunkle Farbbeschichtung. Nach der Trocknung werden die Räder noch einmal mechanisch bearbeitet, sodass an den erhabenen Stellen das Aluminium wieder zum Vorschein kommt.“ Anschließend würden die Räder noch einmal durch die Lackanlage geschickt, um das Metall mit einer Schutzschicht zu versehen. „Heutzutage sind Räder ja auch Design-Elemente am Fahrzeug. Und vor allem die glanzgedrehten Modelle sind äußerst begehrt. Vor diesem Hintergrund haben wir die Lackierkapazität erhöht.“ Mit der neuen Anlage werde sich der Ausstoß verdoppeln. Sind im Kodersdorfer Borbet-Werk bis jetzt 11 000 Lackierungen am Tag möglich, werden es dann mit der neuen Anlage 22 000 sein.

In diesem Jahr 2,5 Millionen Räder

Auch wenn der Technische Leiter die genaue Investitionssumme für die Neu-Anschaffung nicht nennen will, spricht er doch von „mehreren Millionen Euro“. Bis Ende Juli will man die neue Lackanlage so weit komplettiert und erprobt haben, dass sie in Betrieb gehen kann. Mit ihr natürlich auch die durchs Dach gehobene thermische Nachverbrennung. „Die kann man sich wie einen großen Heizkessel vorstellen. In ihm werden bei der Lackierung verwendete Lösungsmittel nachverbrannt“, erläutert Guntram Wruck.

Um die neue Anlage zu bedienen, sucht Borbet weitere Arbeitskräfte. „Fertig ausgebildete Lackierer wären natürlich ideal, sind auf dem Arbeitsmarkt aber kaum zu bekommen“, bedauert der Technische Leiter. Deshalb können sich auch andere Interessenten Hoffnung auf eine Anstellung im Räderwerk machen. Voraussetzung ist technisches Verständnis. „Das zur Bedienung der Maschinen notwendige Spezialwissen bekommen sie bei uns vermittelt“, so Wruck.

Mit der Erweiterung in der Lackiererei stößt Borbet in Kodersdorf auch beim Jahres-Ausstoß in neue Dimensionen vor. Wurden 2017, dem ersten vollen Produktionsjahr, rund zwei Millionen Leichtmetallräder hergestellt, sollen 2018 satte 2,5 Millionen das Werk verlassen. „Das ist die hier vorgesehene Endkapazität. Wir haben aber noch weitere Expansionsmöglichkeiten“, erklärt der Technikexperte. Die gute Nachfrage scheint solche Überlegungen zu rechtfertigen.